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Pfingsten 31.05.2009 Seite drucken

Bischöfe mahnen Wirtschaft zu Verantwortung

Die deutschen Bischöfe haben die Wirtschaft in ihren Pfingstpredigten zu mehr Verantwortung aufgefordert.
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Die deutschen Bischöfe haben die Wirtschaft in ihren Pfingstpredigten zu mehr Verantwortung aufgefordert.

Katholische Oberhirten predigen zu Pfingsten

Bonn - Zu Pfingsten haben die katholischen Bischöfe die aktuelle Finanzkrise thematisiert und Wirtschaft und Politik zu mehr Verantwortungsbewusstsein ermahnt. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, rief die Christen zum Einmischen auf. In der derzeitigen Wirtschaftskrise sei es ihre Aufgabe, für mehr Solidarität und Gemeinschaftssinn einzutreten, sagte Zollitsch am Pfingstsonntag in Heidelberg. "Wir haben der Welt zu sagen, dass es mehr gibt als Aktienkurse und Kapitalanlagen", so der Freiburger Erzbischof.

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sagte, die Soziale Marktwirtschaft sei "am Egoismus und an der Habsucht" zerbrochen. In "einer weltweiten neuen und gesegneten Lebensordnung" dürften nicht mehr allein Geld, Nutzen und Gewinn den Ton angeben, "sondern die Verantwortung unseres Tuns vor Gott und den Menschen", forderte Meisner im Kölner Dom. Gegen eine Ökonomisierung der Gesellschaft wandte sich der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst. In einer Zeit, in der nur die Gesetze des Marktes und kalte Finanzregeln herrschten, gehe viel Mitmenschlichkeit verloren, sagte er im Rottenburger Dom.

Der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff prangerte eine "Geistlosigkeit" in der Finanzwelt an. Banker und Wirtschaftsbosse hätten über ihre Verhältnisse auf Kredit gelebt, Grenzen nicht geachtet und Sicherheiten übergangen. Die Folgen seien Firmenpleiten, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit, kritisierte er im Aachener Dom. Paderborns Erzbischof Hans-Josef Becker warf den Entscheidungsträgern in der Finanzwelt Verantwortungslosigkeit vor. Ihre Gier nach Profit habe "ein unvorstellbares Maß angenommen".

Für Entschleunigung, gegen unkritische Anpassung

Zu einer Entschleunigung und gegen eine unkritische Anpassung an den Zeitgeist mahnten die Bischöfe von Speyer und Limburg, Karl-Heinz Wiesemann und Franz-Peter Tebartz-van Elst. Wiesemann wandte sich im Speyerer Dom gegen einen Trend, sich in Kirche und Gesellschaft in Oberflächlichkeit zu verlieren und mit schnellen Lösungen zufriedenzugeben. Tebartz-van Elst warnte im Limburger Dom, "wo die Kurzatmigkeit von Trends die Langlebigkeit von tragenden Überzeugungen aufweicht, wird die Luft zum Leben immer dünner."

Unterdessen gedachte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) am Pfingstsonntag der Verabschiedung der Barmer Theologischen Erklärung vor 75 Jahren. Der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Wolfgang Huber bezeichnete sie in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche als auch heute noch "verbindlich und wegweisend". Sie habe bleibende Bedeutung "in der Klarheit des Glaubens, in der Gewissheit des kirchlichen Auftrags und in der Verantwortung für die Zukunft unserer Welt".

Auch der badische Landesbischof Ulrich Fischer verwies bei einem Festgottesdienst im Berliner Dom auf die bleibende Gültigkeit der Barmer Theologischen Erklärung. Ihre Aktualität liege heute in ihrem kritischen Potenzial "gegen die völlige Durchökonomisierung der Welt und gegen die Vorstellung von der Eigengesetzlichkeit wirtschaftlichen Handelns", sagte der Vorsitzende der Vollkonferenz der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK). Der bayerische Landesbischof und Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich, sagte in seiner Pfingstpredigt im fränkischen Gunzenhausen, die Barmer Theologische Erklärung habe mit ihrem Bekenntnis zur alleinigen Herrschaft Jesu Christi dem totalitären Führerstaat seine Berechtigung entzogen.

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