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Adveniat 01.12.2009 Seite drucken

Haiti hat gute Nachrichten bitter nötig

Warben für Adveniat: Erzbischof Louis Kebreau (l.) und Bischof Felix Genn.
©Bistum Münster
Warben für Adveniat: Erzbischof Louis Kebreau (l.) und Bischof Felix Genn.

Adveniat-Aktion 2009 in Münster vorgestellt

Münster - Unter dem Leitwort "Den Armen eine gute Nachricht!" stellt das Bischöfliche Hilfswerk Adveniat 2009 Haiti in den Mittelpunkt seiner Weihnachtsaktion. Der Vorsitzende der Bischöflichen Kommission Adveniat, Felix Genn, Erzbischof Louis Kebreau von Cap Haitien und Adveniat-Geschäftsführer Prälat Bernd Klaschka stellten die Ziele der Aktion am Montag in Münster vor.

Haiti, der kleine Inselstaat in der Karibik direkt neben dem Touristen-Ziel Dominikanische Republik, gilt als Armenhaus Amerikas. Knapp 80 Prozent der 8,9 Millionen vorwiegend schwarzen Einwohner leben unterhalb der Armutsgrenze. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 53 Jahren. Mehr als 50 Prozent der Menschen können weder richtig lesen noch schreiben.

Bischof Genn betonte die Wichtigkeit des kirchlichen Engagements in Lateinamerika. Insbesondere Haiti sei durch den Kolonialismus zu einem zerrissenen Land geworden. Trotz der politischen und ökologischen Katastrophen der letzten zwei Jahrhunderte blühe jedoch die Arbeit der Kirche im Land. So sei durch die Spenden deutscher Christen für Adveniat nicht nur die pastorale Arbeit in Haiti gestützt worden, sondern vor allem auch die Bildungsarbeit in den Schulen.

"Kein Volk von Unfähigen und Bettlern"

Um die Armut im Land zu bekämpfen sei es wichtig, Multiplikatoren für die gesellschaftliche und politische Arbeit aus den Reihen der Armen auszubilden. Aus christlicher Sicht sei es inakzeptabel, wenn ein kleiner Teil der Menschen in Reichtum lebte und ein Großteil in Armut. Jede Projektanfrage an Adveniat werde sorgfältig geprüft, betonte der Bischof. Mit seinen niedrigen Verwaltungskosten nehme Adveniat in Deutschland einen Spitzenplatz unter den Hilfswerken ein.

"Niemand will die Armen zum Freund haben. Man hält sie für den Abfall der Gesellschaft", sagte Erzbischof Louis Kebreau, der für seine klaren Worte gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung der Armen bekannt ist. Haiti sei bis heute ein isoliertes und vergessenes Land. "Doch wir sind auch ein Land voller Hoffnung und Glauben. Wir sind kein Volk von Unfähigen und Bettlern", sagte der Erzbischof.

Haiti sei das erste Land gewesen, das sich 1804 von der französischen Kolonialmacht gelöst habe und unabhängig geworden sei. "Die Sklaven haben sich selbst organisiert und um ihre Freiheit gekämpft", sagte Kebreau. Die Kirche versuche, an einer Gesellschaft der Solidarität und Wahrheit mitzubauen. Kébreau dankte den deutschen Christen und Adveniat für die vielfältige Unterstützung dieser Arbeit in Haiti. "Die Christen in Haiti und im Bistum Münster sind geschwisterlich miteinander verbunden."

Schule und Kirche in einem Haus

Adveniat-Geschäftsführer Klaschka sagte, mit den Spenden aus der Weihnachtskollekte würden jährlich 3.400 Projekte in Lateinamerika gefördert. Der Priester des Bistums Münster, der noch im Mai in Haiti war, zeigte sich beeindruckt von den ortsnahen "Kapellenschulen" im Inselstaat: "Während der Woche werden in den Gebäuden Kinder unterrichtet, und am Sonntag wird Gottesdienst gefeiert."

Außerdem würden mit den Spenden die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrern gewährleistet, da das staatliche Erziehungssystem marode sei. "An den von Adveniat geförderten Ordensschulen wird auch dafür gesorgt, dass die Schüler mindestens ein Mal am Tag eine warme Mahlzeit erhalten", sagte Klaschka.

Bundesweit sind die Katholiken in allen Gottesdiensten am 24. und 25. Dezember zu Spenden für Adveniat aufgerufen. Bei der Weihnachtskollekte 2008 kamen im Bistum Münster 3,7 Millionen Euro zusammen. Damit nahm das Bistum auch im vergangenen Jahr den Spitzenplatz ein, gefolgt von den Erzbistümern Freiburg und Paderborn.

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