Ein himmlischer Helfer für alle Fälle

Der Sommer fährt gerade Achterbahn: Schwüle Hitze in der einen, Dauerregen und Rekordhochwasser in der nächsten Woche. Um Unwetter abzuwenden, setzten die Menschen früher Himmel und Hölle in Bewegung.

Brauchtum | Bonn - 12.08.2017

Blitz, Hagel, Überschwemmungen: Dieser Sommer bietet wieder viele extreme Wetterlagen: Hitzewellen im Süden Deutschlands und zugleich Sintfluten, die zwischen Niedersachsen und Berlin Straßen, Gleise und Wiesen fluten. Vollgelaufene Keller und Wohnzimmer verursachen bei den direkt Betroffenen erhebliche finanzielle und psychische Belastungen. Für die meisten Deutschen allerdings bedeutenden Unwetter-Tiefs und Tropengewitter oft nur ein wenig Schlecht-Wetter- oder Urlaubsfrust. Noch bis vor Jahrzehnten waren die Menschen in Europa den Wetterkapriolen weitaus stärker ausgeliefert, weil die Ernte und damit die Ernährungssicherheit davon abhingen. Kein Wunder, dass sie Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen versuchten, um Unwetter abzuwenden.

Glockenläuten gegen Gewitter

Zur Abwehr von Gewittern wurde vielerorts das Läuten geweihter Glocken eingesetzt. Durch den Schall sollten "Hagelschauer und Wetterunbill vertrieben, des Donners drohendes Rollen gemäßigt, der Stürme Brausen heilsam gezügelt und der Lüfte feindliche Gewalten darniedergehalten" werden, lauten alte Weihegebete. Dämonen-Glaube oder die Einschätzung, dass der Lärm die kritischen Luftmassen vertreibe, spielten dabei eine Rolle. Auch Satan höchstpersönlich wurde beschworen. "Im Namen unseres Herrn Jesus Christus beschwöre ich Dich, Satan, dass Du an diesem Ort weder durch Überschwemmung noch Hagel noch starken Sturm noch durch das Gemurmel der Zauberer schadest", heißt es in einem Gebet aus dem zwölften Jahrhundert. Jahrhundertelang wurde in katholischen Kirchen während der Sommermonate am Ende der Messe der Wettersegen gebetet: "Vor Blitz, Hagel und Ungewitter - bewahre uns Herr Jesus Christ." Prozessionen durch Felder und Weinberge sind teilweise heute noch üblich - vor allem im Frühling.

Die vierzehn Nothelfer sind vierzehn Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Sie sollen bei den unterschiedlichsten Krankheite, Nöten und Ängsten helfen.
 KNA

Gebete um günstiges Wetter und eine gute Ernte gingen jedoch nicht nur an die allerhöchsten Adressen. Im katholischen Heiligenkalender gibt es beinahe für jedes Problem einen Ansprechpartner und Anwalt. Für den Sommer und die Erntezeit gilt das ganz besonders. Gegen Gewitter und Blitzschlag, so hat die Hobby-Forscherin Maria-Angela Schwab herausgefunden, helfen mindestens 14 Heilige. Als Fürsprecher gegen Hagel gelten mindestens zehn, bei zu großer Trockenheit sechs Patrone. Bei einer Mäuseplage können Gertrud, Servatius, Ulrich, Magnus, Koloman und Martin von Porres angerufen werden, und gegen die Stechfliegen- und Schnakenplage half die Fürsprache des heiligen Narzissus.

Heute Vorbildcharakter statt Wundertätigkeit im Fokus

Die meisten Theologen sind sich einig, dass diese Art himmlischer Interessenvertretung dem heutigen Verständnis der Heiligen nicht mehr entspricht: Nicht die angebliche Wundertätigkeit, sondern der Vorbildcharakter steht heute im Zentrum ihrer Verehrung. Früher allerdings wurden menschliche Ohnmachtsgefühle angesichts von Schicksalsschlägen, Wetterunbilden und Katastrophen durch Anrufung der Nothelfer bekämpft. Meist waren es Legenden oder besondere Umstände im Leben und Sterben, die den Heiligen zu einem Fürsprecher für gutes Wetter und stabile Lebensverhältnisse erkoren. Der heilige Columban beispielsweise besänftigte nach der Sage einen Sturm auf dem Meer, und auf sein Gebet hin zog nach einer Dürre erfrischender Regen über das Land. Den heiligen Medardus, einen der wichtigsten Wetterheiligen, soll ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln vor Regen geschützt haben.

Oberster Wetterheiliger war Petrus, der bisweilen für Donner und Regen verantwortlich gemacht wird. Weil er die Himmelsschlüssel hält, entscheidet er auch, ob die "Himmelsschleuse" zum Regnen geöffnet wird. Der Volksglaube hat Petrus hier an die Stelle des germanischen Gewittergottes Thor gesetzt, der auch das Wetter machte. Manche Heilige werden auch deshalb mit dem Wetter in Verbindung gebracht, weil ihre Gedenktage mit astronomischen Ereignissen oder wichtigen Phasen im Jahreslauf zusammenfallen: So gilt der heilige Märtyrer Laurentius, dessen Gedenktag die katholische Kirche am 10. August feiert, im Bauernkalender als der erste "Herbstbruder", der den Beginn des Anbaus der herbstlichen Feldfrüchte ankündigt.

Von Christoph Arens (KNA)

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