Gab es den Stern von Betlehem tatsächlich?

"Wir haben seinen Stern aufgehen sehen": Es muss eine beeindruckende Himmelserscheinung gewesen sein, die die Heiligen Drei Könige zu Jesus führte. Aber lässt sich der Stern von Betlehem wissenschaftlich erklären?

Wissenschaft | Bonn - 05.01.2018

Gab es ihn oder gab es ihn nicht? Und wenn ja: Um welches kosmische Phänomen hat es sich gehandelt? Über den sogenannten "Stern von Betlehem" zerbrechen sich Theologen wie Wissenschaftler seit Jahrhunderten den Kopf. Laut biblischem Zeugnis hat die mysteriöse Himmelserscheinung Sterndeuter aus dem Osten zum neugeborenen Jesuskind geführt. Daher wurden seit den Zeiten der Alten Kirche verschiedene astronomische Erklärungsversuche unternommen, um die Geburt Christi exakt zu datieren. Manche Theorien sahen im Stern von Betlehem einen Kometen, andere eine Supernova, wieder andere gehen von einer bestimmten Planetenkonstellation aus.

Gibt die Heilige Schrift Anhaltspunkte für eine Erklärung? Jener Stern, der der Überlieferung nach die "Heiligen Drei Könige" aus dem Morgenland nach Betlehem geleitet haben soll, wird im Matthäusevangelium wie folgt beschrieben: "Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen … Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen" (Mt 2,1f.9).

Die Heiligen Drei Könige folgen dem Stern: Auschnitt aus einem Sammelbildchen aus Frankreich um 1900.
Die Heiligen Drei Könige folgen dem Stern: Auschnitt aus einem Sammelbildchen aus Frankreich um 1900.
 picture alliance / akg-images

Ein Stern, der "zieht" – der sich also am Himmel bewegt –, könnte durchaus mit einem Kometen erklärt werden. Ein solches Himmelsphänomen ist auch als "Schweifstern" bekannt, und schon der frühchristliche Kirchenschriftsteller Origenes vertrat im dritten Jahrhundert für den Stern von Betlehem die Kometentheorie. Tatsächlich war astronomischen Berechnungen zufolge ein bekannter Komet um die Zeitenwende am Himmel sichtbar: Der Halleysche Komet konnte in den Jahren 12 und 11 vor Christi Geburt am Firmament beobachtet werden. Problematisch an dieser These: Kometen galten in der Antike als Unglücksboten und wurden gerade nicht mit Heilsereignissen – wie der Geburt des Messias – in Verbindung gebracht. Außerdem wäre ein Komet nicht an einer bestimmten Stelle plötzlich "stehengeblieben", wie es die Bibel vom Stern von Betlehem berichtet. Und schließlich: Forscher datieren die Geburt Jesu heute mehrheitlich auf die Zeit zwischen den Jahren 7 und 4 vor der Zeitenwende, wobei man sich unter anderem am Todesdatum des Herodes orientiert.

Supernova oder Planetendopplung?

Der Halleysche Komet scheidet als Erklärungsmodell also aus, obgleich sich die Kometentheorie über Jahrhunderte hielt – und noch heute der Stern von Betlehem künstlerisch häufig als Schweifstern dargestellt wird. Eine zweite Möglichkeit: Der biblische "Stern" war eigentlich eine Supernova – also die Explosion eines massereichen Sterns, bei der seine Leuchtkraft kurzzeitig millionen- oder sogar milliardenfach zunimmt. Diese Theorie wurde besonders im 20. Jahrhundert verstärkt diskutiert. Aus der Zeit rund um die Geburt Jesu ist allerdings keine Supernova dokumentiert. Zudem würden sich noch heute Spuren einer solchen Sternenexplosion im All finden. Es existieren aber keine bekannten Überreste, die sich dem entsprechenden Zeitraum zuordnen ließen.

Die Sternsinger wandern durch den Schnee zum nächsten Dorf.
Symbolisch folgen auch die Sternsinger immer dem Stern von Betlehem, denn der gehört – aus Holz, Pappe und/oder Kunststoff gefertigt – zu ihrem festen Repertoire.
 Kindermissionswerk

Die dritte Variante schließlich klingt am vielversprechendsten: Die Himmelserscheinung könnte eine Konjunktion – also eine "Begegnung" – der Planeten Jupiter und Saturn gewesen sein, die dabei wie ein einziger heller "Stern" am Himmel erschienen. Erstmals hatte der evangelische Theologe und Wissenschaftler Johannes Kepler (1571 bis 1630) diese Möglichkeit in Erwägung gezogen. Tatsächlich konnten Forscher nachweisen, dass im Jahr 7 vor der Zeitenwende eine solche Konjunktion auftrat – und zwar gleich dreimal im Abstand mehrerer Monate. Die Sterndeuter hätten also ausreichend Zeit gehabt, bei der ersten Erscheinung in Babylonien – ihrem vermuteten Herkunftsort – aufzubrechen und bei der letzten Konjunktion in Betlehem einzutreffen. Das mehrfache Auftreten des Phänomens an – je nach Standpunkt – unterschiedlichen Stellen des Himmels könnte zudem die biblische Aussage erklären, dass der Stern "vor ihnen her zog".

Himmlische Wegbeschreibung

Auch die antike Astrologie – Sterndeutung – kann als Beleg für die Konjunktionstheorie herangezogen werden. Denn der Saturn galt als Symbol für Israel, der Jupiter als mächtiger "Königsplanet". Das Sternbild Fische schließlich, in dem die Konjunktion auftrat, war ein Bild für Judäa. Aus dieser Kombination heraus könnten Sterndeuter das Himmelsphänomen als eindeutige Botschaft beziehungsweise "Wegbeschreibung" verstanden haben: In Judäa ist der neue mächtige König des Volkes Israel geboren.

Doch trotz gewichtiger Gründe, die für dieses Erklärungsmodell angegeben werden können: Beweisen lässt sich auch die Konjunktionstheorie letztlich nicht. Kritiker sehen im Stern von Betlehem ohnehin nur ein Symbol ohne realen Hintergrund. Und auch in der Bibelexegese wird das Himmelsereignis häufig als rein mythologisches Verkündigungsmotiv gedeutet. Ob reales Ereignis oder nicht – das ist aus theologischer Sicht ohnehin zweitrangig. Denn entscheidend ist die symbolische Strahlkraft: Wie der neugeborene Christus bringt auch der Stern von Betlehem Licht in die Finsternis der Welt. Und: Jesus ist als Messias nicht nur zum Volk Israel gesandt, sondern bringt das Heil zu allen Menschen – so auch zu den heidnischen Sterndeutern, die sich zur Geburt des Erlösers auf den langen Weg nach Betlehem machten.

Von Tobias Glenz

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