Handyklingeln statt Glockenklänge aus dem Kirchturm

Das Geläut der Kirchenglocken gehört für viele Menschen zum Alltag - genauso wie das Smartphone. Dennoch werden ab Mitte Juli wohl viele Bürger Luzerns verdutzt Richtung Himmel blicken.

Schweiz | Luzern - 11.07.2018

Vom Kirchturm der Luzerner Peterskapelle läuten im Juli Handyklingeltöne statt Kirchenglocken. Zwischen dem 16. und 30. Juli soll mit dieser Aktion die derzeitige Baustelle der Kapelle verschönert werden, wie die Luzerner Zeitung am Dienstag berichtete. Die Idee stamme von zwei Luzerner Studentinnen, die die Kunstinstallation im Rahmen eines Projekts der Citypastoral entwickelt hätten.

"Mit dieser Installation werden wir dem Handy die Präsenz verschaffen, die es in unserem Alltag einnimmt, ohne dass wir uns dessen bewusst sind", erklärten die Künstlerinnen gegenüber der Zeitung. Ziel sei eine kritische Gegenüberstellung der neuen Medien und der Kirche. Man wolle den Menschen ihren Umgang mit dem Handy vor Augen führen. Während früher die Kirchenglocken den Tagesrhythmus vorgaben, wären es heute die Mobiltelefone, die diesen Part übernehmen.

Verwirrung vorprogrammiert

Für das Kunstprojekt werden oben im Glockenturm ein Mischpult und zwei Boxen installiert, aus denen ein bekannter Klingelton erklingen wird. Wann und wie oft der Ton zu hören sein wird, verraten die Studentinnen aber nicht. Schließlich sei dies auch im Alltag unberechenbar. Nur wenige Informationen an der aktuellen Bauabsperrung weisen auf die neuen Klänge hin. "Wenn dieser bekannte Ton plötzlich von oben erklingt, sind die Leute verwirrt", sagten die Studentinnen nach ersten Tests im Vorfeld der Aktion.

Bei den Kirchenvertretern kommt die Idee des Kunstprojekts gut an. "Ziel dieser Installation ist es, zum Nachdenken anzuregen. Die Leute sollen sich selbst hinterfragen und ihr Verhalten reflektieren", erklärt Marco Schmid, verantwortlicher Theologe der Citypastoral. Deshalb würde jeder, der den Hintergrund dieses Projektes kenne, Verständnis dafür haben – auch Kirchenvertreter.

Seit März 2018 sind um die Baustelle der Peterskapelle in Luzern verschiedenste Kunstprojekte ausgestellt. Fünf davon sind bereits beendet. Am 16. Juli wird mit der Handyklingeltonaktion der letzte Teil der Reihe gestartet. (evb)

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