Schulschließungen: Hamburger wenden sich an Papst

Das Erzbistum Hamburg will bis zu acht seiner Schulen schließen. Die Gläubigen wollen das nun mit einer Petition direkt an den Papst verhindern. Dabei sparen sie nicht mit Kritik an ihrem Oberhirten.

Erzbistum Hamburg | Bonn - 13.02.2018

Hamburger Katholiken haben eine Petition gegen die geplante Schließung von bis zu acht Schulen der Erzdiözese gestartet. Die Unterschriftenkampagne wendet sich mit einem Hilfegesuch an Papst Franziskus. Sie ging am Sonntagabend kurz nach 21 Uhr online und hat aktuell gut 1.500 Unterstützer. Die Zahl steigt derzeit allerdings kontinuierlich an. In den Hamburger Gemeinden liegen nach Angaben der Initiatoren Unterschriftenlisten aus, über die sich die Gläubigen ebenfalls an der Petition beteiligen können. Sie ist neben Franziskus auch an die Deutsche Bischofskonferenz, die Bildungskongregation, den Apostolischen Nuntius und das Erzbistum Hamburg adressiert.

Eine "Kurzschlussreaktion" des Erzbistums?

Gestartet wurde sie von dem 20-jährigen Studenten Pascal Landahl, dem Anwalt Markus Kehrbaum und einer Pädagogin, die aber anonym bleiben möchte. Alle sind Mitglieder der katholischen Gemeinde Sankt Sophien in Hamburg-Barmbek. Die in direkter Nachbarschaft zur Gemeinde gelegene Grundschule "Sophienschule" ist eine der drei Schulen, die nach den Plänen des Erzbistums zwar von der Schließung bedroht sind, über deren Zukunft aber noch nicht endgültig entschieden ist.   

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße nachdenklich
Die Krisenkommunikation des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße in Sachen der angekündigten Schulschließungen wird in einer Petition scharf kritisiert.
 picture alliance/Sven Simon

Die Petition kritisiert das Erzbistum Hamburg scharf. Zu dessen Begründung, die Schulen müssten wegen massiver finanzieller Probleme schließen, sagt die Initiative: "Es ist überaus fraglich, ob es wirklich den vorgegebenen Investitionsstau in dem behaupteten Umfang an den Schulen so gibt." Stattdessen handele es sich um eine "Kurzschlussreaktion" des Erzbistums über die Köpfe von Gläubigen hinweg, die "nicht zukunftsorientiert" gedacht sei. Die Berechnungsgrundlagen für die Schulschließungen seien "überaus fragwürdig", wie bei einer "ersten Hinterfragung" deutlich werde. Weiter heißt es in der Petition, es sei "anzunehmen, dass viele Drittmitteloptionen und sonstige Finanzierungsmöglichkeiten oder -entwicklungen nicht im erforderlichen Maße genutzt und zu Ende gedacht worden sind".

Von Papst Franziskus erhoffen sich die Initiatoren nun zwar keine finanziellen Hilfen. Es gehe aber darum, das Kirchenoberhaupt über die Vorgänge zu informieren und um eine Vermittlerrolle zu bitten. "Wir ersuchen Sie daher höflich darum, uns Gläubigen und uns Kinder, in dem Bestreben die Schulversorgung zu sichern und Gemeindestrukturen zukunftsorientiert zu festigen, zu unterstützen und nachhaltig Gehör zu verschaffen", so steht es in der Petition an das Kirchenoberhaupt. "Hochaktuell" sei etwa die Initiative um den Rechtsanwalt Christian Bernzen, die eine Art Genossenschaft gründen wolle, um die Schulen zu retten. Gesucht werden 10.000 Unterstützer, die jeweils 1.000 Euro spenden, um so die Schulen in einer Art Genossenschaft zu retten.

Erzbischof Stefan Heße sei "leider kommunikativ in dieser Angelegenheit sehr fragwürdig vornehmlich über die Medien präsent" heißt es in der Petition. Daher fühlten sich die Menschen von ihm weder "ernstgenommen" noch "gehört". Auf Emails habe Heße zwar geantwortet, sagt Mitinitiator Pascal Landahl. Wirkliche inhaltliche Zugeständnisse habe er aber nicht gemacht. Der Erzbischof hatte es Mitte Dezember seinem Generalvikar Ansgar Thim überlassen, die bevorstehenden, kurzfristigen Schulschließungen anzukündigen. Daraufhin hatte es eine Welle des Protests gegeben – sowohl inhaltlicher Art als auch an der Kommunikationsstrategie des Oberhirten. Heße hatte daraufhin den betroffenen Schülern, Eltern und Lehrern Gespräche angeboten.

Wir fühlen uns in dieser Sache von unserem Erzbischof […]und den Verantwortlichen weder ernstgenommen noch gehört.

Aus dem Petitionsbrief

Geknüpft an die Kritik an den Schulschließungen sind in der Petition auch finanzielle Forderungen an die anderen deutschen Bistümer. Bisher zeigten diese zu wenige Solidarität, da sie nicht zu Finanzspritzen bereit seien. "Fast alle politischen und weltlichen Organisationen" hätten das Prinzip der Solidarität inzwischen übernommen: "Nur innerhalb der Kirche in Deutschland scheint es in Vergessenheit geraten zu sein, obwohl die deutsche katholische Kirche die wohl mit Abstand reichste Kirche der Welt ist." Darüber seien die Katholiken des Erzbistums Hamburg "sehr enttäuscht" und "beunruhigt".

Die Initiatoren wollen nach Angaben von Pascal Landahl noch bis Anfang März Unterschriften sammeln und die Petition erst dann an Franziskus schicken. Am übernächsten Samstag (24. Februar) soll es zudem eine Demonstration gegen die Schulschließungen geben, die von der Initiative "Rettet 21" organisiert wird. Schon an diesem Donnerstag wird sich der Hamburger Schulausschuss mit dem Thema befassen.

Aktuell 79 Millionen Euro Schulden

Im Januar hatte das Erzbistum angekündigt, bis zu acht seiner 21 Schulen in Hamburg schließen zu wollen. Es folgte damit einer Empfehlung der Unternehmensberatung "Ernst & Young", die massive finanzielle Probleme der Diözese aufgedeckt hatte. Danach hat das Erzbistum aktuell 79 Millionen Euro Schulden, die bis 2021 auf bis zu 353 Millionen anwachsen könnten, falls nicht gegengesteuert wird.

Von Gabriele Höfling

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