Tipps aus dem Kloster: Eine Prise Salz genügt

Auch wenn das Salz in der Bibel eine besondere Rolle spielt. Zu viel davon ist für den Körper nicht gesund. Doch es gibt Alternativen. Auf katholisch.de stellen Ordensfrauen sie vor.

Ernährung | Bonn - 02.09.2017

"Nutzen Sie die Kraft der Kräuter", empfiehlt Schwester Christa Weinrich, Benediktinerin in Fulda und Klostergärtnerin. Sie rät: "Würzen Sie Gerichte mit frischen Gewürzen aus dem Garten." Schon die Ordensfrau und Benediktinerin Hildegard von Bingen soll gesagt haben: "Hol die Kräuter aus dem Garten, trockne und pulverisiere sie und mische sie den Speisen bei. Das wird dir guttun." Basilikum, Oregano, Majoran, Dill, Kresse, oder Rosmarin, aber auch das Bohnenkraut mit seinem leicht pfeffrigen Geschmack eignen sich hervorragend dazu. Wer die Kräuter miteinander abmische, trockne und fein reble, erhalte so einen bekömmlichen "Diätpfeffer", der als Würzmischung für Bratkartoffeln, Suppen und Saucen verwendet werden könne, erklärt Schwester Christa. Speisen erhielten einen raffinierteren Geschmack als mit Salz oder Pfeffer gewürzt.

Auch Essig, Knoblauch und aromatische, kalt gepresste Pflanzenöle seien ein guter Ersatz für Salz. Liebstöckel, im Volksmund auch Maggikraut genannt, könne Salz fast komplett ersetzen. Es sei der "Würz-Hit" schlechthin, so Schwester Christa. Am besten gebe man beim Kochen von Suppen oder frischen Kartoffeln zwei Blätter Liebstöckel dazu, verrät sie. Übrigens könne man das Kraut auch klein hacken, portionieren und so für den Winterbedarf einfrieren. Als Salzersatz gelten zudem Suppenkräuter wie Thymian, Ysop, Schnittlauch oder Petersilie. Sie passen perfekt in pikante Gerichte. Zitronenverbene, Zitronenmelisse, Staudensellerie oder die Blätter der Knollensellerie würzen auch sehr gut.

Die "Zwei-Finger-Prise" als perfekte Portion

Wer Gemüse in etwas Fett dünstet oder grillt, verstärke damit den Eigengeschmack der Nahrung und brauche kein Salz mehr, meint Schwester Christa. Gewürze wie Lorbeerblatt, Wacholderbeeren oder Senfsamen intensivieren den Geschmack bei Gemüse, wenn sie mitgegart werden. Sellerie oder Blattpetersilie in einen Teebeutel verpackt, können ihre Gewürzaromen beim Garen intensiver entfalten. Kartoffeln und Nudeln können übrigens auch ohne Salz gekocht werden. Um den Eigengeschmack zu erhalten, werden sie nur mit wenig Wasser bedeckt gekocht. "Aber bitte darauf achten, dass der Topf nicht anbrennt", rät Schwester Christa.

Ein wenig Salz aber brauche jeder Mensch, so Schwester Christa. Salz ist schmackhaft, es würzt, was sonst fade wäre, es macht Speisen haltbar und verhindert, dass Speisen verderben. Man kann Speisen in Salzwasser einlegen, sie damit einreiben oder in Salzlake wenden. Praktisch ist, dass Gemüsesorten wie Tomaten, wichtige Mineraliensalze und Kochsalze automatisch mitliefern, betont Weinrich. Wer auf Salz nicht ganz verzichten möchte, reduziere einfach die verwendete Menge. Schon ein wenig Salz genüge, um einer Suppe Geschmack zu verleihen, erklärt Schwester Christa. Sie spricht von der "Zwei-Finger-Prise", die perfekte Portion zum Würzen.

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Bohnenkraut gehört in - na klar - Bohnengerichte. Aber wussten Sie, dass es auch gegen Übelkeit und Blattläuse hilft? Schwester Christa Weinrich gibt nützliche Tipps zu den Heilmitteln aus ihrem Klostergarten.
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Wenn man gar kein Salz verträgt, dann mischt man den Speisen einfach mehr Kräuter bei, empfiehlt auch die Franziskanerin Schwester Birgit Bek vom Kloster Reute. Sie ist Fachfrau für Heilpflanzen und Klosterkräuter. Besser sei es, Kräuter- oder Gewürzsalz statt einfachem Kochsalz zu verwenden, erklärt sie. Wer aus gesundheitlichen Gründen ganz auf Salz verzichten müsse, dem empfiehlt Schwester Birgit eine Mischung aus Giersch, Gundelrebe, Borretsch, Löwenzahn und Brennnessel den Speisen unter zu mischen. Ganz praktisch soll man statt eines Salzstreuers lieber ein Gläschen mit Gewürzmischungen auf den Tisch stellen. Schwester Birgit nimmt dazu gerne ein verschließbares Glas, das sie bis ohnehin mit getrockneten Kräutern befüllt und bis zu sechs Wochen verwendet.

Gut kauen statt stark salzen

Noch ein Tipp aus ihrem Kräutergarten: "Zerreiben Sie kurz vor dem Essen die gerebelten Kräuter leicht zwischen den Fingern. So schmecken Sie die Würze noch intensiver." Schwester Birgit gibt aber auch zu bedenken: "Wenn man Kräuter zerkleinert, werden zwar wertvolle Inhaltsstoffe freigesetzt, sie gehen mit der Zeit aber auch verloren. Daher sollten sie zeitnah verbraucht werden. Je kleiner die Kräuter zerstückelt werden, desto weniger Wirkung haben sie. Wir bewahren unsere Kräuter daher immer als Blattware auf. Sie werden erst zerkleinert, wenn sie zum Gebrauch gemischt werden." Weiter erklärt sie: "Lassen Sie gerebelte und gemahlene Gewürze fünf Minuten in der fertig gegarten Speise ziehen. Danach erst servieren." Wer auf Salz ganz verzichten möchte, dem empfiehlt Schwester Birgit: "Es genügt, wenn man die Speisen gut kaut, denn so entwickelt sich ein salziger Geschmack im Mund. Also nicht hastig schlucken, sondern mindestens 33 Mal kauen", so die Franziskanerin.

Beim Salz sei auch die Wahl der Sorte entscheidend. Denn Salz ist nicht gleich Salz. "Wenn ich Steinsalz nehme, dann nehme ich zugleich Mineralien in mir auf, beim weißen Salz hingegen ist dies nur Fluor, was sich bei einer Überdosierung gesundheitsschädlich auswirken kann", erklärt Schwester Birgit.

Die Franziskanerinnen aus dem oberschwäbischen Kloster Reute stellen ein eigenes Kräutersalz aus Blüten und wenig Salz her.
 Franziskanerinnen vom Kloster Reute

Wer im Sommer viel schwitzt, dem gehen wichtige Salze im Körper verloren, die dann wieder auf andere Weise über den Körper aufgenommen werden sollten. Schwester Birgit verwendet daher gerne Meersalz und macht sich daraus ein Fußbad, indem sie wohl riechende ätherische Öle beimengt. Kalt gepresstes Olivenöl eignet sich besonders gut für die Körperpflege. "Ich reinige meine Hände mit Salz und Öl, massiere es fest ein und erhalte so ein selbstgemachtes Peeling für den gesamten Körper. Danach fühlt sich meine Haut sehr angenehm und weich an", schwärmt Schwester Birgit. Schließlich sei das auch gesund für den Körper. Salz schade dem Körper nicht, nur wenn man zu viel davon über die Nahrung zu sich nehme. "Die richtige Dosierung macht den Unterschied", so Schwester Birgit.

Auch in der Bibel werde die würzige Kraft des Salzes immer wieder hervorgehoben, erklärt Schwester Birgit. Im übertragenen Sinne, wie sie meint. So stehe im Markusevangelium die Aufforderung "Habt Salz in euch".  Übertragen auf uns Christen könnte man das so verstehen: Es ist der Auftrag an uns Christen, einander "Salz" und "Würze" im Leben zu sein und somit seine missionarische Sendung in der Welt wahrzunehmen. Im Matthäusevangelium heißt es sogar: "Ihr seid das Salz der Erde" (Mt 5,13). Jesus vergleicht uns hier mit dem Salz, erklärt Schwester Birgit. Das Salz wird als Würze des Lebens verstanden. Für sie lautet der Auftrag daher, „dass wir uns gegenseitig das Leben schmackhaft machen sollen“. "Wir sollen einander Salz sein, einander etwas Gutes tun und so eine Art Wohlgeschmack bei Gott hervorrufen", formuliert Schwester Birgit. Sie zitiert noch einmal die Stelle aus dem Markusevangelium, das wie ein Rezept für ein gutes Leben klingt: "Das Salz ist etwas Gutes. Habt Salz in euch selbst und haltet Frieden untereinander (Mk 9,50)!"

Getrocknete Blüten der Ringelblume aus dem Franziskanerinnenkloster Reute.
 Franziskanerinnen vom Kloster Reute

Von Madeleine Spendier

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