Warum dieser Kirchenumbau 50 Jahre dauerte

Ein halbes Jahrhundert lang wurde saniert – in Eigenregie der Gemeinde. Jetzt ist der Umbau der Dresdener Kirche St. Josef abgeschlossen. Probleme gab es auf dem Weg dahin zuhauf.

Architektur | Dresden/Bonn - 30.11.2017

Am Christkönigssonntag war es soweit: Mit der Einweihung des Emporen-Frieses konnte die Sanierung der Dresdener Kirche St. Josef abgeschlossen werden. Damit ging ein Umbau zu Ende, der ein halbes Jahrhundert zuvor begonnen hatte. Im Jahr 1968 hatte sich die Pfarrei in Dresden-Pieschen entschlossen, ihre 1910 geweihte Kirche nicht nur zu renovieren, sondern auch der erneuerten Liturgie nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil anzupassen. Doch ein Kirchenumbau gestaltete sich zu DDR-Zeiten schwieriger als gedacht.

Gemeindemitglied Helmut Nitsche (79) war bei der Sanierung von Beginn an dabei. Von der Bauaufsichtsbehörde sei damals relativ schnell grünes Licht für den Umbau gegeben worden, berichtet Nitsche. "Solche Vorhaben gingen aber immer auch über die Partei." Die SED habe strenge Auflagen gemacht, nach denen keine Baukapazitäten und kein Material aus volkseigenen Betrieben in Anspruch genommen werden durften. "Also haben wir gesagt: Gut, machen wir es alleine", so Nitsche, der damals der Baukommission der Pfarrei angehörte.

Helmut Nitsche hat den Umbau der Kirche seit 1968 begleitet.
 Elisabeth Meuser, Bistum Dresden-Meißen

1970 begannen die Umbauarbeiten. Jedes Gemeindemitglied, das handwerklich irgendwie begabt war, wirkte an der Sanierung mit. "Wir waren jeden Sonnabend, aber auch nach Feierabend unter der Woche am Werk", sagt Nitsche. Insgesamt seien 30.000 Arbeitsstunden ehrenamtlich geleistet worden. Nach Plänen des Architekten Hubert Paul und des Bildhauers Friedrich Press konnte so in den folgenden Jahren der Innenraum der Josefskirche vollständig umgestaltet werden: Ein neuer Volksaltar wurde entsprechend der Liturgiereform ins Zentrum gerückt, die Kirchenbänke kreisförmig darauf ausgerichtet. Das Baumaterial, vor allem Zement, Ziegel und Holz, finanzierte die Pfarrei ausschließlich aus Spenden – auch von Bistümern der damaligen Bundesrepublik. 1978 war der Umbau im Groben abgeschlossen.

Die verschwundenen Pläne

Ein Element fehlte jedoch noch: der geplante Fries mit Szenen aus dem Leben Jesu, der an der Empore angebracht werden sollte. "Friedrich Press hatte die Pläne dafür fertiggestellt, doch dann starb er 1990", berichtet Nitsche. Das Problem: Niemand wusste, wo der verstorbene Bildhauer die entsprechenden Aufzeichnungen aufbewahrt hatte. Erst im Jahr 2004 wurde auf dem Dachboden des Pfarrhauses eher zufällig ein alter Aktenschrank wiederentdeckt. "Und tatsächlich befanden sich die Pläne von Press darin", sagt Nitsche, der die Aufzeichnungen selbst entdeckte.

Ministranten enthüllen den Emporen-Fries am Christkönigssonntag.
 Elisabeth Meuser, Bistum Dresden-Meißen

Mithilfe der Technischen Universität Dresden wurden die Pläne in den folgenden Jahren aufbereitet und 3D-Modelle des Frieses erstellt. Diese wurden 2014 auf einer Gemeindeversammlung vorgestellt und abgesegnet, wie Nitsche berichtet. Für die Umsetzung mussten jedoch noch etwa 100.000 Euro aufgebracht werden. Die Gemeinde sammelte allein 47.000 Euro an Spenden. Jeweils 25.000 Euro kamen vom Bistum Dresden-Meißen und vom "Ausstellungshaus für christliche Kunst" in München. Zusätzlich sammelte der "Freundeskreis Emporenfries" aus Dresden-Pieschen noch einmal 10.000 Euro.

Realisiert wurde der 25 Meter lange Fries dann ebenfalls von einem Gemeindemitglied: dem Tischler Matthias Fischer, der zusammen mit seinen Mitarbeitern die Figuren im Stil der 1970er-Jahre aus Lindenholz schuf. Vor drei Wochen konnte das Kunstwerk an der Brüstung der Empore von St. Josef installiert werden. In der Messe am Christkönigsfest wurde der Fries feierlich enthüllt und eingeweiht. "Sowohl die Gemeinde als auch die vielen geladenen Gäste, darunter etliche Spender, waren begeistert", sagt Nitsche. "Endlich ist St. Josef ein vollendeter Bau."

Von Tobias Glenz

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