Wie man fast 50 Jahre zusammen glücklich sein kann

In der Ehe von Renate und Peter Miny gab es Höhen und Tiefen. Doch auch nach 48 Jahren sind sie noch glücklich miteinander. Ein "Geheimrezept" haben sie zwar nicht - ein paar Tipps aber schon.

Ehe | Schramberg - 24.09.2017

Manchmal wirken die beiden, als hätten sie sich eben erst kennengelernt. Zum Beispiel, wenn Renate Anna Miny ihrem Peter liebevoll den Arm auf die Schulter legt und dieser Peter seine Renate Anna anhimmelt wie ein noch höchst jugendlicher Liebhaber seine letzte Eroberung. Kaum zu glauben, dass die beiden gerade ihren 48. Hochzeitstag feiern, dass sie Kinder großgezogen haben und sogar schon ein Enkelkind unter ihren Fittichen heranwächst.

Und dennoch, auch auf dem gemeinsamen Lebensweg des Ehepaars Miny aus dem schwäbischen Trochtelfingen gab es Höhen und Tiefen. Es gab Abschnitte, auf denen alles glatt lief, und solche, die nur mit dem gemeinsamen Willen zum Durchhalten zu bewältigen waren. In ihren langen Ehejahren haben die beiden die Mühen der Ebenen ebenso kennengelernt wie die Gefahren steiler Anstiege oder Gefälle. Es war nicht immer alles einfach, aber trotzdem war ihr gemeinsamer Weg für Renate Anna Miny alles andere als ein Irrweg: "Wir sind heute glücklich und zufrieden. Es ist aber ein anderes Glück als früher. Wir spüren jetzt zwar kein Kribbeln mehr wie beim ersten Verliebtsein, doch dafür liegt eine Beständigkeit in unserem Glück; wir haben etwas, auf das wir bauen können." Ihr Mann Peter freut sich ebenfalls über diese solide Basis und warnt deswegen davor, Beziehungen zu schnell aufzugeben: "Manche meinen ja, mit einer neuen Beziehung dieses Kribbeln im Bauch wieder einfangen zu können, aber in jeder neuen Beziehung kommt man immer zu dem Punkt, wo die Enttäuschung und Ernüchterung wächst. Diese aufregende Romanze am Anfang, das ist ja nur der Punkt, an dem man sich kennenlernt. Man kann aber auf sie aufbauen und damit eine Entscheidung zur Liebe treffen."

Linktipp: Hochzeit - und dann?

Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende – dieser Satz gilt wohl nur im Märchen. Wer mit seinem Partner eine gute Beziehung führen möchte, sollte dafür aktiv werden. Die katholische Kirche bietet dazu verschiedene Angebote für Paare in allen Lebensphasen. (Artikel von Mai 2017)

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Entscheidung zur Liebe: Das klingt mehr als nur ein wenig kitschig und gleichzeitig so unverbindlich, dass es wohl kein junges Paar gibt, das diesem Vorsatz widersprechen würde. Renate Anna und Peter Miny gehen ihre persönliche Entscheidung zur Liebe allerdings höchst praktisch an. Nicht nur, dass sich die ehemalige Krankenhausangestellte und der ehemalige Qualitätsmanager gerade auch angesichts der vielen Engagements und Ehrenämter ihres Ruhestands einen Tag in der Woche als ihren speziellen gemeinsamen Tag reserviert haben, sie schreiben sich sogar noch regelmäßig Liebesbriefe, obwohl ihre Goldene Hochzeit bereits in Sichtweite liegt. Zweimal in jeder Woche nehmen sie sich zehn bis fünfzehn Minuten Zeit und greifen zur Feder; eine dicke Kladde pro Jahr wird so gefüllt. Für Renate Anna Miny sind diese Augenblicke des gemeinsamen Nachdenkens etwas sehr Besonderes: "Also zuerst macht mein Mann uns einen Cappuccino, dann sitzen wir über Eck oder manchmal auch nebeneinander, und wir überlegen uns, was wir gestern oder vorgestern am anderen besonders gern gehabt haben, - und wenn's manchmal einfach auch nur ein Lächeln in einer ganz bestimmten Situation war. Darüber schreiben wir dann."

Langsames Schreiben für die Gefühle

Beide erzählen, dass sie sich gegenseitig im Alltag aufmerksamer wahrnehmen, seit sie es sich zur Regel gemacht haben, ihre Beziehung immer wieder zu Papier zu bringen. Das langsame Schreiben mit der Hand gebe Gefühlen wieder Raum, es entschleunige die Kommunikation und lasse dadurch vieles deutlicher hervortreten: "In diesem Moment habe ich wirklich nur meinen Mann vor Augen, und das, was er mir geschrieben hat." Sagt Renate Anna Miny, und ihr Mann ergänzt: "Wenn ich beim Schreiben schon das suche, was ich an meiner Frau liebe, dann stelle ich mich bewusst auf sie ein. Aber gerade deshalb kann ich auch besser bei mir und meinen Gefühlen bleiben, die ich in einer bestimmten Situation habe. Und hinterher besser zuhören, wenn wir über unsere Briefe sprechen."

Renate Anna und Peter Miny sind seit 48 Jahren verheiratet. Sie schreiben sich immer noch regelmäßig Liebesbriefe.
 Uwe Bork

Wenn beide Minys von ihrer Ehe erzählen, wird schnell klar, dass eine gelingende Beziehung für sie kein Zufall ist: "Das ist ein Arbeitsprozess. Ohne den geht's nicht!" Ein Geschenk Gottes sei ein solches Verhältnis voller gegenseitiger Liebe zwar auch, aber selbst solch ein Präsent von höchster Stelle ist nicht ohne Probleme: "Es ist durchaus eine Herausforderung, dieses Geschenk anzunehmen und etwas aus ihm zu machen." Gemeinsame Gebete helfen ihnen dabei, oft und gern geführt wie ein offenes Gespräch mit einem Freund: "Wir sprechen mit Gott so, wie es uns von der Seele kommt, da ist nichts Vorgegebenes." Diese Beziehung ist so eng, dass Renate Anna und ihr Peter sogar mit einem frivolen Wort 'Dreiecksgeschichte' etwas anfangen können: "Da ist sicher was dran. Wir spüren jedenfalls nicht nur in vielen schwierigen Situationen, dass wir ganz stark behütet werden."

Bloß nicht den Partner ändern wollen

Es lohnt sich, Kraft in die Entwicklung einer Beziehung zu investieren und auf Beständigkeit in der Liebe zu hoffen, davon sind sowohl Renate Anna als auch Peter Miny überzeugt. Nur vor einem warnen sie gemeinsam: "Man darf absolut nicht erwarten, dass nur mein Partner sich so ändert, dass er zu meinen Vorstellungen von ihm oder ihr passt. Im Gegenteil: Wenn ich merke, da ist etwas, das mir nicht passt, dann muss ich bei mir anfangen, damit wir harmonieren." Ein Ratschlag, der aus eigenen Erfahrungen kommt, wie Peter Miny mit der Gelassenheit des Alters inzwischen freimütig einräumen kann: "In unserer Anfangsphase habe ich schon oft das Gefühl gehabt, dass meine Frau mich ändern wollte. Aber erst, als sie aufgehört hatte, auf solchen Veränderungen zu bestehen, da habe ich angefangen, mich selbst zu verändern." 

Und dann sehen sie sich wieder so an, als hätten sie sich gerade erst kennengelernt. Gerade eben erst.

Von Uwe Bork

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