Zwischen Weinkeller, Plumpsklo und Coffeeshop

Ein satirischer Wochenrückblick von Thomas Jansen

War's das? | Bonn - 12.08.2017

Das Thema Austritt hat in Großbritannien bekanntermaßen gerade Konjunktur. Und weil der Brexit inzwischen langweilig geworden ist, machte sich die katholische Wochenzeitung "The Catholic Herald" zur Abwechslung mal Gedanken über Kirchenaustritte in Deutschland. Während Europa rätselt, ob das Königreich nach dem Nein zum christlichen Abendland noch zu retten sei, fragt das konservative Blatt, ob den Brüdern und Schwestern auf dem Kontinent eigentlich noch zu helfen ist. Eine Karikatur auf der Titelseite zeigt einen von Banknoten überschwemmten Kirchenraum und einen Bischof auf einer Kanzel in schwarz-rot-gold, der vor nahezu leeren Bänken predigt. "Geld kann die deutsche Kirche nicht retten", steht darüber. 'Vergessen Sie nicht, nach dem Gottesdienst ein paar Hunderter mitzunehmen', möchte man ergänzen.

Nicht mitbekommen haben die Briten offenbar, dass in Hildesheim längst ein Pilotprojekt zur Wiedereinführung eines Alternativmodells zur Kirchensteuer läuft: die Abgabe von Naturalien, auch Kirchenzehnt genannt, in Jahrhunderten historisch erprobt.

Bischof Norbert Trelle bekam vergangene Woche 30 Flaschen Wein der Sorte Müller-Thurgau und Phoenix geliefert, den sogenannten "Weinzehnt" des Hildesheimer Weinkonvents. Vorerst reicht der Rebensaft zwar nur zur Bewirtung von Gästen im Bischofshaus. Würde man das gesamte jährliche Kirchensteueraufkommen des Bistums Hildesheim in Wein umwandeln, wären das aber immerhin mehr als 30 Millionen Flaschen; zumindest dann, wenn man nicht Peer Steinbrücks Ansicht teilt, der eine Flasche Wein für fünf Euro oder weniger als Anschlag auf die Geschmacksnerven ablehnt.

Nötig wären bei einer solchen Umstellung auf Naturalabgaben allerdings zusätzliche Investitionen in die Infrastruktur von Bischofshäusern. Denn seit der Causa Tebartz-van Elst ist der Weinkeller zur "No-Go-Area" für die kirchlichen Würdenträger geworden. Das zeigte sich jetzt auch in Mainz, wo der neue Bischof Peter Kohlgraf sein neues Zuhause für Besucher öffnete: Statt Weinkeller gab es nur einen Yamaha-Flügel zu besichtigen.

In Deutschland echauffiert sich der Boulevard mittlerweile längst nicht mehr über Bischofshäuser, sondern über Bürgerzentren. In einem solchen namens "Alte Feuerwache" soll in Köln eine "kultursensible Toilette" für Mitbürger islamischen Glaubens eingebaut werden. "Plumpsklo für Muslime" taufte die Zeitung "Express" das Modell, das nicht Richtung Mekka zeigen darf, ohne Schüssel und Klobrille, älteren Semestern noch von französischen Autobahnraststätten vertraut.

Doch zurück nach Großbritannien. Auch in der Kirche der Queen liegt offenbar einiges im Argen. Ein anglikanischer Bischof zeigte sich jüngst "not amused" darüber, dass es die Geistlichen der "Church of England" zu den Reichen und Schönen ziehe. Viele Priester hingen lieber in "trendigen Coffeeshops" im hippen London rum, statt sich um Obdachlose auf den Straßen trister Provinzstädte zu kümmern, monierte Bischof Philip North aus dem nordenglischen Burnley. Wem die Coffeeshop-Seelsorger nicht passen, hat übrigens Pech: Denn austreten wie in Deutschland kann man aus der anglikanischen Kirche nicht.

Von Thomas Jansen

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