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An die Hecken und Zäune

Stefan Orth über Kirchenaustritte

Standpunkt | Bonn - 17.07.2017

Am kommenden Freitag werden wieder die Zahlen der Austritte aus der katholischen Kirche bekanntgegeben: für 2016 deutschlandweit in einem Rutsch, damit sich nicht bei jeder Pressemeldung eines Bistums neu die unangenehme Diskussion über das Schrumpfen der Mitgliedszahlen entfacht.

Sie wird auch dieses Mal wieder zu führen sein, denn selbst ein Rückgang des Rückgangs bedeutete ja immer noch ein Schrumpfen. In früheren Jahren konnte man bei den Negativrekorden immerhin auf Skandale verweisen: 2010 etwa auf die Aufdeckung von Missbrauchsfällen und 2013 auf das Finanzgebaren des damaligen Limburger Bischofs. Doch auch seitdem lagen die Zahlen auf einem mindestens so hohen Niveau.

Unterschiedliche Untersuchungen sagen denn auch, dass die Skandale zwar Auslöser sein mögen, dem Kirchenaustritt in der Regel aber eine längere Zeit der Entfremdung vorangeht. Die nicht ganz so offensiv veröffentlichten Zahlen der evangelischen Landeskirchen bestätigen diese Lesart.

Die beiden großen Kirchen in Deutschland verweisen denn auch gerne darauf, dass allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen zu den Hauptgründen des Mitgliederschwunds gehören. Umso wichtiger wäre es jedoch, noch intensiver über die Stärkung der Bindungskräfte an die jeweilige Kirche nachzudenken. Mit dem Gläubigenmangel sollte man sich genauso wenig abfinden, wie man den Priestermangel nicht einfach achselzuckend hinnehmen darf – wie dies derzeit weitgehend geschieht.

Zur Stärkung der Bindung gehört neben mehr Transparenz: die Attraktivität der Gemeinden vor Ort aber auch anderer Angebote, überzeugend gefeierte Gottesdienste, die Bereitschaft mitgestalten und mitentscheiden zu lassen und die Großzügigkeit gegenüber all jenen, die nur sehr gelegentlich ihre Zugehörigkeit zur Kirche erkennen geben. Und wichtig ist gerade, auch jene nicht aus dem Blick zu verlieren, die gegangen sind. Hecken und Zäune lautet hier das Stichwort aus dem Evangelium. Papst Franziskus spricht ganz in diesem Sinne von der "Peripherie", an die man sich als Seelsorger, aber auch als jeder Christ immer wieder begeben müsse.

Von Stefan Orth

Der Autor

Dr. Stefan Orth ist stellvertretender Chefredakteur der Herder Korrespondenz.

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