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An Weihnachten alleingelassen?

Ludwig Ring-Eifel über die Kirche und die Ängste der Menschen

Standpunkt | Bonn - 22.12.2016

Viele Katholiken könnten sich an diesem Weihnachtsfest von ihrer Kirche ziemlich alleingelassen fühlen. Und das gleich in zweifacher Hinsicht.

Zum einen wird es in etlichen Kirchen keinen Weihnachtsgottesdienst mehr geben. Die Gemeinde-Zusammenlegungen in fast allen Bistümern haben dafür gesorgt, dass - vor allem auf dem flachen Land - in einigen Kirchen die heilige erstmals eine unerträglich stille Nacht wird. Während in Domen und Stadtkirchen prächtig inszenierte Liturgien, oft noch mit mehreren Geistlichen, gefeiert werden, diskutieren Menschen in den Dörfern der Eifel oder im Allgäu darüber, ob sie überhaupt noch eine Krippe aufstellen sollen – wo doch eh keine Messe mehr stattfindet, weder in der Heiligen Nacht noch am ersten Weihnachtstag. Wenn es aber nicht gelingt, wenigstens an Weihnachten auch auf dem Land ein  Minimum an christlichen Ritualen aufrecht zu erhalten, ist das ein Armutszeugnis für eine reiche und personell doch noch immer halbwegs gut aufgestellte Kirche.

Alleingelassen fühlen könnten sich an diesem Weihnachten aber auch einige mit ihren Ängsten und Sorgen. Es ist gut und richtig, wenn Geistliche nach den Gewalttaten und Terroranschlägen in Köln, Ansbach, Freiburg und Berlin gegen Fremdenfeindlichkeit predigen, das Recht auf Asyl verteidigen und Fürbitte für Flüchtlinge halten. Ebenso wichtig wäre es aber auch, wenn sie sich vernehmbarer für die Sicherheit und Einhaltung der Gesetze starkmachen würden, ohne die ein gedeihliches Zusammenleben nicht funktioniert. Friede auf Erden ergibt sich im politischen Handeln eben nicht unmittelbar aus den frommen Wünschen der Menschen guten Willens. In der realen Welt gehört dazu auch die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols, das vielerorts  - und nicht nur in einigen Berliner U-Bahnen - bereits aufgegeben zu sein scheint. Und es gehört dazu der Schutz des Staates vor dem unkontrollierten Eindringen von Terroristen. Dass es den politisch Verantwortlichen gelingen möge, wieder mehr Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Deutschland durchzusetzen - auch das wäre eine Fürbitte, die viele Gläubige in diesen Tagen mit großer innerer Zustimmung mitbeten würden. 

Von Ludwig Ring-Eifel

Der Autor

Ludwig Ring-Eifel ist Chefredakteur der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

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