Besser als sein Ruf

Christof Haverkamp über das Jahr 2016

Standpunkt | Bonn - 30.12.2016

War 2016 tatsächlich ein Jahr des Schreckens – und besteht für 2017 die Chance, dass es weniger schlimm wird? Der Jahreswechsel bietet sich an, auf Entwicklungen in Politik und Kirche zurück- und vorauszuschauen. Anlass zu Pessimismus gibt ein erster Blick auf weltpolitische Ereignisse der vergangenen zwölf Monate. Das Auftreten von Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Baschar al-Assad lässt 2016 als ein Jahr der Populisten und starken Männer erscheinen.

Die Entwicklung in der Europäischen Union mit der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU, die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten, der Krieg in Aleppo und das Aufkommen der Populisten in vielen Ländern – das alles wirkt düster. Die Demokratie erscheint gefährdeter als in den Jahren zuvor, und in Deutschland ist der Terror des IS nach dem Anschlag in Berlin in der gefühlten Wahrnehmung näher gerückt.

Doch 2016 war besser als sein Ruf. Dafür stehen Fortschritte bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria und Ebola, der Rückgang der Armut weltweit und wegweisende Beschlüsse auf der Klimakonferenz in Marrakesch: Das ist nicht so spektakulär wie andere Negativ-Ereignisse, darf aber in der Bilanz nicht vergessen werden.

Innerkirchlich bietet das Vorgehen des Papstes weiter Anlass zur Zuversicht. Sein lebensnahes Lehrschreiben "Amoris laetitia" haben viele Katholiken begrüßt. Dem jetzt 80-jährigen Franziskus ist zu wünschen, dass er sich noch lange mit voller Kraft seinen Vorhaben widmen kann, damit der Prozess der Erneuerung der katholischen Kirche unumkehrbar wird.

Blickt man auf das kommende Jahr, so rücken Termine wie die Bundestagswahl und die Erinnerung an den Beginn der Reformation vor 500 Jahren in den Vordergrund. Zu erwarten ist, dass es trotz aller Spaltungen der Kirchen weit weniger Polemik beim Gedenken gibt als in allen Jahrhundertfeiern zuvor. 1617, 1717, 1817 und 1917 wurden vor allem die Unterschiede betont. Zumindest in ökumenischer Hinsicht war also früher längst nicht alles besser. 

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Chefredakteur der Bistumszeitung "Kirche+Leben" in Münster.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

RSS-Feeds  |  Impressum  |  Über uns  |  Datenschutz  |  © 2017