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Kondome - nicht ganz souverän

Jeremias Schröder über den Streit im Malteserorden

Standpunkt | Bonn - 11.01.2017

Vordergründig geht es bei dem Streit über die Absetzung des Malteser-Großkanzlers Albrecht von Boeselager um Kondome, die vor geraumer Zeit Hilfslieferungen beigepackt waren. Das wirkt reichlich bizarr; nach außen, weil uralte Klischees katholischer Fixierungen bedient werden, und nach innen, weil diese Kondomdiskussion eigentlich nur noch virtuell stattfindet. Unter den katholischen Einsatzkräften und Missionaren vor Ort sind sie einfach kein wichtiges Thema. Es gibt überall Wichtigeres, außer auf ein paar Schreibtischen, die weit abseits dieser Einsatzorte liegen.

Bedient werden aber einige anti-deutsche Ressentiments, die sich in Rom und anderswo noch finden: eine katholische Kirche, die zu reich und gleichzeitig zu wenig ernsthaft sei, und ein Engagement in Weltkirche und Entwicklungshilfe, das mit Finanzmitteln eine glaubenszerstörende Agenda durchsetze. Über das erstere mag man diskutieren können. Letzteres ist mir in dreißig Jahren im Missionsorden in der Wirklichkeit noch nie begegnet, allenfalls als Chimäre, die von Hysterikern beschworen wird.

Kath.net hat, wenngleich mit verquerer Deutung, interessante Fakten zu dieser Krise des Souveränen Malteserordens beigesteuert: Da von Boeselager auf Aufforderung seines Oberen nicht vom Amt des Großkanzlers zurückgetreten sei, habe man ihn wegen dieses "Ungehorsams" aus dem Orden ausgestoßen. Damit aber habe er das Amt automatisch verloren. Der Ungehorsam gehört hier in Anführungszeichen, weil dieses Amt ja nicht vom Oberen verliehen wurde. Es ist ein Wahlamt, vom Generalkapitel des Ordens übertragen, dem höchsten Gremium jeder Ordensgemeinschaft. Wer etwas vom Ordensleben versteht, der weiß, dass hier eine übergeordnete Verpflichtung vorliegt, über die der Ordensobere nicht zu entscheiden hat. Mit anderen Worten: Die Gehorsamskarte war ein Trick. Deshalb ist wohl zurecht von einer konstitutionellen Krise bei den Maltesern die Rede.

Wir Benediktiner haben mit den Maltesern alte nachbarschaftliche Verbindungen und sind an vielen Orten Kooperationspartner. Dieser Orden leistet Großes, nicht nur trotz, sondern auch durch seine Sondertraditionen. Man muss ihm weiterhin viel Souveränität wünschen.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

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