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Lieben, was andere hassen

Oliver Maksan über eine christliche Reaktion auf den Terror

Standpunkt | Bonn - 23.12.2016

Der Berliner Terroranschlag ist eine Zäsur. Mit einem Ziel wie dem tief in unseren kollektiven Gewohnheiten verwurzelten Weihnachtsmarkt sollte mehr getroffen werden als Leib und Leben unschuldiger Menschen. Vom Anschlag auf das christliche Weihnachtsfest und unsere christliche Kultur sprechen Kirchenleute wie Kurienkardinal Müller oder Berlins Erzbischof Koch. Und sie haben Recht. Zusammen mit der freiheitlichen Ordnung ist es das, was der radikale Islam treffen und zum Einsturz bringen möchte. Die Phantasien über die Eroberung Roms als des Zentrums der Christenheit, die etwa der IS träumt und in seinen Onlinemagazinen farbig illustriert, sind ein Beleg dafür.

Wie aber soll man als Christ darauf reagieren? Nun, sicher nicht, indem man das Spiel mitspielt und umdreht. Islam gegen Christentum, Christentum gegen Islam: Ein solcher kulturkriegerischer Ansatz stärkt die Fanatiker, weil er in ihrer Logik bleibt. Als Christ muss man mit Blick auf den Islam genau hinschauen. Freilich, der radikale Islam ist nicht einfach nur Missbrauch der von Mohammed verkündeten Religion. Repräsentativ für das Ganze des gelebten Islam ist er aber sicher auch nicht. Das leben unsere muslimischen Mitbürger in Deutschland in der Mehrheit der Fälle vor.

Dem differenzierenden Blick auf den Islam zuhause wie in der Welt sollte aber der affirmative auf das Eigene folgen. Vielleicht stellen wir uns als Christen wieder öfter die Frage: Wie lieb ist uns, was anderen offenbar so verhasst ist? Was tun wir dafür, dass unsere christlich geprägte Kultur nicht den Anschluss an den christlichen Glauben verliert, der die Wurzel ist, ohne die sie verdorrt?

Vielleicht nehmen ja auch Menschen, die keine Kirchgänger sind, die vielleicht nicht einmal getauft sind, den Anschlag zum Anlass, zu fragen, ob eine Gesellschaft dauerhaft ohne die Kraft auskommen kann, die sie wie keine andere geformt hat. Mehr Respekt und Wertschätzung für die christlichen Wurzeln Deutschlands wäre sicher kein falscher Schluss aus Berlin.

Von Oliver Maksan

Der Autor

Der Diplomtheologe Oliver Maksan ist Chefredakteur und Geschäftsführer der Würzburger katholischen Zeitung "Die Tagespost".

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