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"Segen kostet nix!"

Dominik Blum mit Neujahrswünschen für Kirche und ihre Pastoral

Standpunkt | Bonn - 04.01.2017

Unterwegs mit den Sternsingern in einem schicken Wohngebiet aus den 1980er Jahren. Milieumäßig gesprochen wohnen in den großen Bungalows Konservativ-Etablierte neben modernen Performern. Als die Dame des Hauses öffnet, erzählen die Kinder, dass sie den Segen an die Hauswand schreiben wollen. "Muss man das bezahlen?" Die Frage ist ernst gemeint. Während ich mit der Spendenbüchse in der Hand noch nach einer theologisch-korrekten Antwort suche, sagt Melchior, der eigentlich Luis heißt: "Nein. Segen kostet nix!" Die Frau nickt. "Na, dann macht mal."

Für Kirche und Pastoral habe ich nach dieser Sternsinger-Aktion drei Neujahrswünsche:

Erstens wünsche ich mir eine Kirche, die sich verantwortlich weiß für alle Menschen auf ihrem Pfarrgebiet, nicht nur für die Christen. Die an allen Türen klingelt und sich nicht an einer Liste mit den katholischen Haushalten abarbeitet. Eine Pastoral, die missionarisch den "Gott mit dem Antlitz des Menschen" (Kurt Marti) in die Häuser bringt.

Zweitens: "Nein. Segen kostet nix." Das ist eine einfache Sprache, die auf einer festen Überzeugung beruht. Selbstbewusst und verständlich antwortet sie auf die echten Fragen der Leute. Diese Sprache wünsche ich mir in der Pastoral. An einer solchen Sprache würde die Kirche auch in Zukunft nicht verrecken.

Und drittens: Gottes Segen ist das Beste, was wir Christen haben, an ihm ist alles gelegen. Göttliches Wohlwollen darf vorbehaltlos unter die Leute gebracht werden. Gnade in Segen und Sakrament ist keine Belohnung für die Frommen und Integeren, sondern Stärkung für die Fragenden, Schwachen und Sünder. Ich wünsche mir eine Pastoral, die darum weiß und einfach barmherzig handelt.

Die Frau in ihrem Bungalow hat übrigens das Segenslied angehört, sich bedankt und dann die Tür wieder geschlossen. Caspar, Melchior und Balthasar haben danach vereinbart, den Segen auch dort an die Häuser zu schreiben, wo ihnen niemand aufmacht. "Weil Segen ja nix kostet." Hätte ich auch drauf kommen können. In diesem Sinne: 20*C+M+B+17.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum leitet das Referat Erwachsenenseelsorge beim Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta.

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