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Sie haben keinen Frieden mit Gott!

Pater Mertes über falsche Märtyrer und Fanatiker

Standpunkt | Bonn - 28.12.2016

Haben religiöse Fanatiker – auch fälschlicherweise "Märtyrer" genannte Suizid-Mörder – Frieden mit Gott? Nein, den haben sie nicht. Oder anders gesagt: Der Gott, mit dem sie meinen Frieden  zu haben, ist gar nicht Gott. Und was sie mit ihm haben, ist auch kein Friede. Er ist nicht einmal ein Anti-Gott - soweit kann er es gar nicht bringen. Er ist ein schwarzes Loch im Herzen der Finsternis, ein Schwächling mit viel Rüstung drum herum, ein Unwesen voller Selbstmitleid bei gleichzeitigem Hang zu Grausamkeit, ein jämmerlicher Tyrann, dessen einzige Kunst darin besteht, Menschen auch noch dazu verleiten zu können, ihn zu verehren. Das Geheimnis des Bösen ist banal und beklemmend verführerisch zugleich. Das schwarze Loch saugt. Man hütet sich am besten davor, indem man sich umdreht und halten lässt von Gott, in dem nichts von alledem ist.

Weihnachten bedeutet Frieden auf Erden, aber nicht ohne den Frieden mit Gott. Ich kann mir nicht vorstellen, wie religiöse Fanatiker mit Gott Frieden haben könnten, wenn er ihnen wehrlos wie ein Kind entgegenkommt (weswegen ferngesteuerte Kinder mit umgehängten Sprengstoffgürteln zur perfidesten aller vorstellbaren Perfidie gehören, wenn sich da überhaupt noch etwas steigern lässt), und wenn er an das Kreuz genagelt ist, dem Hass wiederstehend, ohne sich von ihm fangen zu lassen, ja sogar sein Herz für die Versöhnung öffnend. Einen solchen Gott wollen die religiösen Fanatiker ja gerade nicht. Sie meinen, ihn verachten zu können. Sie hassen die Krippe und das Kreuz.

Manche haben es im Laufe der Geschichte geschafft, das Kreuz zum Zeichen "heiliger Kriege" zu machen. Die perverse Logik des Bösen macht vor nichts Halt. Aber bei der Krippe ist es ihnen nicht so gut gelungen. Deswegen gehören Krippe und Kreuz zusammen: Die Liebe Gottes ist wehrlos und unerschütterlich zugleich – wie bei einem Kind, dass sich in die Arme seiner Eltern legt. Das klärt den Blick auf das Kreuz. Auch auf Golgota bleibt die Liebe Gottes wehrlos und unerschütterlich.

Ich bekenne mich zu dem Gott, der im Stall von Bethlehem geboren wurde. Deswegen ist es mir unmöglich, mir vorzustellen, dass die Suizid-Mörder und all die anderen Fanatiker Frieden mit Gott haben – und auch nicht die, die wieder ihre Spielchen mit ihnen spielen. Die Antwort auf den religiösen Fanatismus ist eine Religiöse: das religiöse Bekenntnis zu Gott, der Liebe nicht nur anordnet und predigt, sondern selbst in aller Konsequenz lebt. Hier ist die wirklich überlegene Kraft gegen die Usurpatoren des Namens Gottes zu finden. Das schwarze Loch wird implodieren. "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen auf Erden."

Von Pater Klaus Mertes

Der Autor

Der Jesuit Klaus Mertes ist Direktor des katholischen Kolleg St. Blasien im Schwarzwald.

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