Standpunkt

Weltsynode liefert methodische Anregungen für Synodalen Weg

Aktualisiert am 31.10.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Die ignatianische Methode der Spirituellen Konversation bei der Erstellung des Weltsynoden-Dokuments hat Abtpräses Jeremias Schröder begeistert. Diese Form komme beim Synodalen Weg der Kirche in Deutschland aber zu kurz, kritisiert er.

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Die erste Zusammenfassung der Weltsynode erschien am Donnerstag in Rom in sechs Sprachen (aber nicht auf Deutsch) unter dem schlichten Titel "DCS" – eine englische Abkürzung, die für "Dokument für die kontinentale Phase" steht. Das Dokument wurde hier schon gewürdigt.

Das DCS-Dokument benutzt – inhaltlich und sogar in der graphischen Gestaltung – das Thema des "weiten Zeltes", genommen aus Jesaja 54,2. Gemeint ist damit auch, dass übersehene Wirklichkeiten wahrgenommen werden. Problemlagen, die Insider und auch Outsider sehen und kennen, kommen nüchtern zur Sprache: Priestereinsamkeit und Priesterkinder, LGBTQ, schlechte Predigten … Wenn man endlich über alles sprechen darf, gibt das Hoffnung. Schön auch, dass selbst die vorkommen, die mit dem Synoden-Unternehmen nichts anfangen können.

Das spannende Dokument ist eine Frucht der innovativen Methoden dieser Weltsynode. Eine große Rolle spielt dabei die Spirituelle Konversation. Sie hat ignatianische Wurzeln und verbindet Gespräch, Schweigen und Gebet fruchtbar miteinander.

Die Auswertung von hunderten von Berichten aus den Bischofskonferenzen usw. geschah durch eine sehr diverse Arbeitsgruppe, die sich zwei Wochen lang in Frascati zurückzog und dort ebenfalls mit dieser Methode gearbeitet hat. Das dürfte ein Grund dafür sein, warum es dem Dokument gelingt, die übliche Kirchensprache der totalen Verallgemeinerung zu vermeiden. Diese Gefahr besteht bei so einem Eindampfungsprozess natürlich. Hoffentlich entgeht die Weltsynode ihr auch in den kommenden Phasen.

Ich habe die durchschlagende Kraft dieser Spirituellen Konversation ein paar Mal erlebt. Kürzlich fragte ich eine Jugend-Delegierte des deutschen Synodalen Wegs, wie diese Methode dort zum Einsatz kommt. "Gar nicht", war die Antwort, begleitet von einem – wie mir schien – etwas mitleidigen Lächeln, so als sei die Frage nach den spirituellen Formen eher eine durchsichtige Ablenkungsstrategie klerikaler Boomer. Vielleicht findet auch der sehr spezielle deutsche Synodale Weg noch einen Zugang dazu? Es wäre ihm und uns zu wünschen.

Von Jeremias Schröder OSB

Der Autor

Jeremias Schröder OSB ist Abtpräses der Benediktinerkongregation von St. Ottilien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.