Kurienkardinal hatte mit Aussagen zum Synodalen Weg für Aufregung gesorgt

Kohlgraf: Streit zwischen deutschen Bischöfen und Koch nicht beendet

Aktualisiert am 03.11.2022  –  Lesedauer: 

Zürich ‐ Kardinal Koch hatte mit umstrittenen Aussagen den Synodalen Weg kritisiert. Laut Bischof Kohlgraf ist der Streit der deutschen Bischöfe mit ihm nicht aus der Welt. Beim baldigen Ad-limina-Besuch lägen die unterschiedlichen Positionen auf dem Tisch.

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Der Streit zwischen Kurienkardinal Kurt Koch und den deutschen Bischöfen über dessen Kritik am Synodalen Weg ist nach den Worten des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf noch nicht aus der Welt. "In einigen Tagen sind wir beim Ad-limina-Besuch in Rom. Die unterschiedlichen Positionen sind auf dem Tisch", sagte Kohlgraf am Donnerstag dem Portal kath.ch. Manchmal sei es auch "befreiend, die Positionen zu benennen". Konflikte werde es immer geben, so der Bischof.

Koch hatte Ende September in einem Zeitungsinterview den Synodalen Weg in Deutschland davor gewarnt, christliche Dogmen dem Zeitgeist zu opfern und neben der Bibel und der Tradition weitere Offenbarungsquellen gelten zu lassen. In diesem Kontext hatte er an die "Deutschen Christen" im Dritten Reich erinnert, die ähnlich argumentiert hätten. Diese Äußerung Kochs wurde in Deutschland als Nazi-Vergleich kritisiert, weil die protestantische Bewegung "Deutsche Christen" mit den Nationalsozialisten paktiert hatte. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Georg Bätzing, traf sich daraufhin in Rom mit Koch zu einem Gespräch.

Kommunikation mit der Weltkirche

Nun gehe es "erst mal um die Kommunikation in die Weltkirche", so Kohlgraf weiter. Damit meiner er nicht nur die Kurie: "Wir müssen auch den afrikanischen Bischöfen erklären, was wir machen", sagte Kohlgraf. Allerdings zeigten die Arbeitspapiere zur Weltsynode, dass "die Themen in der Weltkirche die gleichen sind – nur teilweise mit unterschiedlicher Gewichtung".

Die jüngste Einführung einer queersensiblen Pastoral in Bistum Mainz nannte Kohlgraf "keinen großen Akt". Warum solle es "keine Begleitung und keine politische Stimme geben für jene, die es betrifft?", fragte er. Menschen seien auf ihn als Bischof zugekommen und hätten gesagt: "Wir sind betroffen, und wir bitten Sie, für uns eine Stimme zu sein." Kohlgraf wörtlich: "Ich kann doch froh sein, wenn heute noch jemand was von der Kirche will." Es gehe dabei keineswegs darum, "dem Zeitgeist hinterherzuhecheln", sagte Kohlgraf. Sexualität habe mehrere Dimensionen. "Homosexualität ist keine Sünde."

Zu Schweizer kirchlichen Praktiken, etwa, dass auch Nichtgeweihte taufen und trauen dürfen, sagte der Mainzer Bischof, mit diesen Themen beschäftige sich auch die DBK. In Mainz werde man "bald über andere Modelle der Gemeindeleitung nachdenken". Er könne nicht vorstellen, dass das klassische Leitungsmodell – der Pfarrer leitet das Pastoralteam – "in fünf oder zehn Jahren in dieser Größenordnung" noch zu bewerkstelligen sei. Man werde "über andere Leitungs- und Verkündigungsmodelle und auch andere Gottesdienstmodelle sprechen". (mal/KNA)