Standpunkt

Gelebte Nächstenliebe ist ein wichtiges Glaubenszeugnis der Kirche

Aktualisiert am 14.11.2022  –  Lesedauer: 
"Ich bin Kirche, weil..."

Bonn ‐ Die Werke für Arme, Vergessene und Bedürftige zahlen bis heute nicht auf das eigene Konto, sondern auf das der Nächstenliebe ein. Albrecht von Croy meint, dass auf diese Weise der Kirche wieder ein neues Gesicht gegeben werden könnte.

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"Ich bin Kirche, weil..." ich nicht anders kann, weil das eben tief sitzt mit der frühkindlichen Prägung, wenn das ganze Umfeld katholisch ist, wenn man vor der 1. Schulstunde schon die Frühmesse "gedient" hatte und weil daraus dann eben so eine Art von katholischer Karriere geworden ist? Ach was, alles falsche Romantik nach dem Motto "früher war alles besser". Und bitte was soll denn eine katholische Karriere sein? In diesen Zeiten des Rückschritts, der Untergangsszenarien und verbreiteter "Insolvenz-Rhetorik" nichts, was jemandem hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

"Ich bin Kirche, weil..." die institutionalisierten Werke für Arme, Vergessene und Bedürftige eben bis heute nicht moralisch insolvent, also "zahlungsunfähig" sind. Sie zahlen weiter ein auf die Konten der Barmherzigkeit, der Güte und der Liebe. Sie geben der Kirche Gesichter, Gesichter, die abbilden, dass die "Liebestätigkeit nie überflüssig wird, (dass) es (…) nie eine Situation geben (wird), in der man der praktischen Nächstenliebe jedes einzelnen Christen nicht bedürfte" heißt es in der Enzyklika "Deus caritas est" des emeritierten Papstes Benedikt XVI. Es sind Gesichter, die durch "praktische Nächstenliebe" Zeugnis ablegen von der Kraft einer Botschaft, Gesichter, die zeigen, dass "Liebestätigkeit nie überflüssig wird", es sind Gesichter dieser Kirche, die ein Licht in die Dunkelheit stellen durch glaubwürdiges Bezeugen ihres Glaubens.

"Ich bin Kirche, weil..." ich als Führungskraft einer katholischen, vom Ehrenamt getragenen Hilfsorganisation fest daran glaube, dass in solchen Organisationen viele der neuen Gesichter zu finden sind, Gesichter, die sich aus freien Stücken dem Elend dieser Welt annehmen, die über solches Tun zum Glauben finden oder über ihren vorhandenen Glauben zu neuem Tun gelangen. Ihr Antrieb kommt aus sich heraus und ist nicht von der Aussicht auf weltlichen Lohn getrieben. Und damit wirken diese Menschen in eine zunehmend säkularisierte Gesellschaft: "Warum machen die das überhaupt, wenn sie dafür kein Geld bekommen? Wegen mir? Wegen ihres Glaubens?" Vielleicht haben gerade diese Ehrenamtlichen dadurch eine besondere, eine stille Strahlkraft auf Zweifelnde, auf von der Kirche abgewandte, auf nie mit praktischen Glaubenszeugnissen in Berührung gekommene Menschen. "Wenn sie es nicht für sich tun, sondern ausdrücklich für mich, ist da dann doch was dran an dieser Botschaft Christi": "Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe" (Johannes 15,12)?

"Ich bin Kirche, weil..." darin die Hoffnung für eine "neue" Kirche wohnt und weil ich genau daran mitwirken will. In aller Bescheidenheit, in aller Entschiedenheit!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.