Erzbistum Bamberg bittet um Mithilfe

Übergriffiger Ruhestandspriester – Betroffene sollen sich melden

Aktualisiert am 21.11.2022  –  Lesedauer: 

Bamberg/Eichstätt ‐ Auch im Ruhestand soll ein des Missbrauchs beschuldigter Pfarrer aus dem Bistum Eichstätt weiter übergriffig geworden sein. Da er in seinen letzten Lebensjahren im Erzbistum Bamberg lebte, bittet die Diözese nun mögliche Betroffene, sich zu melden.

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Ein des sexuellen Missbrauchs beschuldigter Pfarrer (1930-2016) aus dem Bistum Eichstätt soll auch im Ruhestand weiter übergriffig geworden sein. Da er von 2012 bis zu seinem Tod 2016 im Erzbistum Bamberg lebte, hat dieses nun mögliche Betroffene aufgerufen, sich zu melden, um die Aufarbeitung zu unterstützen. Wie die Pressestelle der Erzdiözese am Montag mitteilte, wohnte der Priester den Unterlagen zufolge von Ende 2012 bis Juli 2014 in Heroldsbach, wo er als Aushilfsgeistlicher in der Gebetsstätte tätig war. Von Juli 2014 bis zu seinem Tod im Oktober 2016 lebte er in Bamberg.

Der Bamberger Bistumsleitung waren nach eigenen Angaben die Missbrauchsvorwürfe, die sich auf Taten in den 1960er-Jahren beziehen, zu keinem Zeitpunkt bekannt. Während und nach seiner Zeit in Heroldsbach und Bamberg seien dort keine Vorwürfe bekannt geworden. Der Geistliche habe auch keinen offiziellen Seelsorgeauftrag gehabt.

Kleriker entzog sich Strafverfolgung durch Flucht ins Ausland

Die "Nürnberger Nachrichten" hatten in ihrer Wochenendausgabe von dem Fall berichtet. Demnach soll der Priester als Hausgeistlicher eines Caritas-Seniorenheims in Mittelfranken 2011 und 2012 Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen angegangen haben. Entsprechende Recherchen des Blattes habe der Caritasverband der Diözese Eichstätt bestätigt.

Es geht um einen Priester, der in den 1960er-Jahren in mehreren Pfarreien in der Oberpfalz, in Schwaben und im nördlichen Oberbayern Mädchen und junge Frauen missbraucht haben soll. Der Kleriker entzog sich der Strafverfolgung 1969 durch Flucht ins Ausland. Erst ging er nach Afrika, 1973 nach Südamerika. Leitende Mitarbeiter des Bistums Eichstätt stehen im Verdacht, ihm dabei geholfen zu haben.

1984 kehrte der Priester nach Deutschland zurück. Die Vorwürfe deretwegen er mit einem Haftbefehl gesucht wurde, waren inzwischen verjährt, die Ermittlungen eingestellt. Der Geistliche ging aber zunächst nicht in sein Heimatbistum, sondern für zwei Jahre ins Erzbistum München und Freising. Das beauftragte ihn mit der Seelsorge in der Pfarrei Garching an der Alz. Bis 2005 leitete er im Anschluss unbehelligt eine Pfarrei südlich von Nürnberg. (KNA)