Standpunkt

Die Kirchen sollten dem Bürgergeld zu mehr Akzeptanz verhelfen

Aktualisiert am 25.11.2022  –  Lesedauer: 

Dresden ‐ Nun ist endlich klar: Das Bürgergeld kommt. Für Thomas Arnold bedeutet das aber nicht nur einen richtigen Schritt in Richtung eines Lebens in Würde für alle. Er sieht im Bürgergeld auch einen Auftrag für die Kirchen.

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Hartz IV ist zu Ende. Heute gibt auch der Bundesrat das Bürgergeld frei. Es ist ein Ausweis unserer Demokratie, weil bei einem so zentralen Thema des Gerechtigkeitsempfindes am Ende – wenn auch mit dem Vermittlungsauschuss als Hilfsinstrument – ein breiter gesellschaftlicher Konsens gefunden wurde.

Man kann es im Detail kritisieren, aber für viele Menschen in einer prekären Situation wird es ab Januar eine Verbesserung des Lebens in Würde darstellen. Wenn es doch nur auch alle, die einen Anspruch darauf hätten, beanspruchen würden. Denn zu oft ist der "Hartz'er" in unserem Land noch als Schmarotzer und Faulenzer verrufen. "Mallorca mit Stütze" funktionierte nicht nur in der BILD gut, sondern setzte sich in den vergangenen Jahrzehnten in den Köpfen fest.

Viele aber beantragen die Sozialhilfen nur mit Scham. Dabei darf der Gang aufs Amt nicht demütigen. Vielmehr ist er doch Angebot unseres Solidaritätsprinzips als christlich geprägtes Land, in Situationen der Not eine Unterstützung zu bieten. Gesellschaftliche Player wie die Kirchen könnten in den kommenden Monaten zum Imagewandel der Bezieher*innen des Bürgergelds beitragen, wenn sie die einen dazu anstiften, diesen Beitrag einer solidarischen Gesellschaft zu nutzen. Und die anderen zur Zurückhaltung mahnen, nicht sofort ihr (Vor-)Urteil darüber abzugeben.

Ein solcher Aufruf wäre keine Anstiftung zum Plündern sozialer Kassen des Staats, sondern eine Debatte über die Liebe zum Nächsten und den Wert der Arbeit. Denn auch das ist gutes Prinzip christlicher Sozialethik: Arbeit ermöglicht nicht nur einen Verdienst, sondern ist auch sinnstiftend. Deswegen bleibt das Bürgergeld ein Beitrag zum solidarischen Miteinander – und sollte zur Motivation werden, Menschen wieder Möglichkeiten des Arbeitens anzubieten. Dafür braucht es beste Rahmenbedingungen. Darauf sollten sich Koalition und Opposition im nächsten Schritt konzentrieren.

Von Thomas Arnold

Der Autor

Thomas Arnold ist Leiter der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.