Schon der heilige Antonius hatte Schwein

Das Schwein als Glücksbringer

Veröffentlicht am 27.12.2022 um 00:01 Uhr – Von Nicola Trenz (KNA) – Lesedauer: 
Spiritea

Bonn ‐ "Werft eure Perlen nicht den Schweinen vor", heißt es in der Bibel. Generell kommt das rosa Tier oft nicht sonderlich gut weg. Doch an Neujahr ist alles anders. Da bekommt man nicht selten ein kleines Schwein aus Marzipan geschenkt und erhofft sich Glück.

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Zartes Rosa, Steckdosennase, ein grüner Glücksklee im Maul: so lächeln pünktlich nach Weihnachten unzählige Marzipanschweinchen aus Plastikverpackungen. Glückbringen, das ist ihre Bestimmung zum Jahreswechsel, damit manch einer im kommenden Jahr erleichtert ausrufen kann: "Schwein gehabt!"
Eine Erklärung für diese Redewendung liegt laut Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti im Kartenspiel: Hier wurde das "As" früher "Sau" genannt. Wer also Schwein hatte, hielt den Sieg schon in den Händen.

Aber auch von Alters her gilt das Borstentier mit Ringelschwanz als Glücksbringer und Fruchtbarkeitssymbol. Wenig verwunderlich, denn eine Sau gebärt zahlreiche Ferkel pro Wurf. Für den Besitzer bedeutete dies viel Fleisch und somit Wohlstand und Glück. Auch als chinesisches Sternzeichen ist das Schwein ein Symbol für Glück, Wohlstand und Zufriedenheit.

Menschen und Schweine haben schon lange eine - oft widersprüchliche - Beziehung. Vor 44.000 Jahren zeichnete ein Mensch in einer Höhle in Indonesien ein Schwein mit rotem Sandstein an eine Felswand - die älteste bekannte figürliche Zeichnung der Menschheitsgeschichte, weiß der Autor des Buchs "Saugut und ein wenig wie wir. Eine Geschichte über das Schwein", Kristoffer Hatteland Endresen. Es wird angenommen, dass diese frühen Zeichnungen geistige oder rituelle Hintergründe habe. Vor etwa 8.500 Jahren domestizierte der Mensch das Schwein.

Religiöse Schriften von Juden und Muslimen verbieten das Essen von Schweinefleisch. Auch die Bibel findet wenig positive Worte über Wutzen. So macht Jesus in der Bergpredigt das Schwein zum Vergleichsgegenstand für das Entweihen von etwas Heiligem. "Werft eure Perlen nicht den Schweinen vor", heißt es im Matthäus-Evangelium. Als unrein galten Schweine, und sprachliche Vergleiche wie "Hier sieht es aus wie im Schweinestall", "Sauerei", oder "Du Ferkel!" zeugen noch heute von diesem Bild der Tiere - das sich jedoch wissenschaftlich nicht nachweisen lässt.

Bild: ©KNA

Schweine bringen Glück, oder?

Der in der Spätantike lebende Asket und Heilige Antonius der Große wird oft mit einem Schwein dargestellt. Es stellt künstlerisch die Versuchungen dar, denen Antonius widersagte. Auf den Wüstenmönch berufen sich die Angehörigen des 1095 gegründeten Antoniterordens, die für ihren Dienst an Kranken ihre Schweine frei herumlaufen lassen durften. Das Fleisch der Tiere wurde dann an Arme verteilt. So erlangte Antonius der Große Beinamen wie "Sautoni" oder "Ferkes Tünn". Er ist in der katholischen Kirche der Schutzpatron der Bauern, Nutztiere und Metzger.

Als Fleischlieferant, aber auch in Form von Schuhen, Bürsten und Gummibärchen tragen Schweine heute zum menschlichen Wohlbefinden bei. In den Ställen der Massenviehhaltung ist das Borstenvieh eher ein armes Schwein als vom Glück erfüllt. Einem bis zu 110 Kilogramm schweren Mastschwein stehen gesetzlich 0,75 Quadratmeter Fläche zu, ungefähr so viel wie die Fläche einer Duschwanne. Etwa 59 Millionen Schweine werden hierzulande jährlich nach Daten des Bundeslandwirtschaftsministeriums geschlachtet. Deutschland ist damit der drittgrößte Schweinfleischerzeuger der Welt.

Lebendig leisten die intelligenten Allesfresser als Trüffelsucher ihren Dienst für Feinschmecker. Auch Rauschgift und Sprechstoff können die Tiere erschnüffeln. Minischweine werden gerne gelegentlich als Haustiere gehalten und im Park an der Leine geführt.

Es gibt zahlreiche Rassen des Hausschweines. Bei weitem nicht alle sind so rosa wie ihre Marzipankollegen. Auch weichen sie optisch von Berühmtheiten wie Miss Piggy oder Schweinchen Babe deutlich ab.
Als Vorbild für den Glücksbringer zum Jahreswechsel taugt das kleine, rosafarbene Ferkel besser als ein großes Mastschwein. Erfüllt das Tierchen dann aber im kommenden Jahr saugut seine Funktion, braucht es für den zu damit verbundenen Wohlstand aber vielleicht ein sehr großes Sparschwein.

Von Nicola Trenz (KNA)