Standpunkt

Der Papst hilft mit missverständlichen Worten keinem

Aktualisiert am 24.01.2023  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Papst Franziskus hat sich in einer Predigt missverständlich ausgedrückt, kommentiert Albrecht von Croy. Bewahrer und Reformer könnten sich jetzt gleichermaßen auf seine Äußerungen berufen. Das helfe keinem.

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"Unmissverständlich". Nehmen wir einschlägige Wörterbücher zur Hand, geben sie uns zwei Interpretationen an die Hand: 1. "(in Bedeutung, Inhalt, Sinn) völlig klar und eindeutig" und als Beispiel: "eine unmissverständliche Formulierung" und 2. "sehr deutlich, nachdrücklich, entschieden; in nicht misszuverstehender Deutlichkeit". Beispiel hier: "eine unmissverständliche Absage, Zurückweisung".

Einem Redner, einem Prediger erst recht, stünde es gut an, sich vorher mit dieser Wortbedeutung vertraut zu machen, bevor er sich an die Verfassung einer Botschaft macht, welcher Art auch immer. Dem Oberhaupt der katholischen Kirche, dem wie keinem anderen seine Gläubigen auf den Mund schauen (und inzwischen mindestens ebenso viele Nichtgläubige), weil er mit seinen Reden und Predigten als letzte Instanz wahrgenommen wird, sollte diese Maxime in Fleisch und Blut übergangen sein. Aber Papst Franziskus lehnt sich gerne auf, vermutlich auch gegen solche Grundregeln. Anders ist seine Predigt am vergangenen Sonntag, dem "Bibelsonntag", nicht zu verstehen.

Dort rief er die Bischöfe der katholischen Kirche zu Einigkeit auf und ermahnte sie, sich nicht in "unnützen Debatten" zu verstricken. Sie sollten sich auf die Verkündigung der Liebe Gottes konzentrieren. Franziskus betonte, dass Jesus "Grenzen auflöst", wenn er sagt, dass "die Barmherzigkeit Gottes für alle und nicht nur für die Gerechten da ist". "Es darf nicht passieren, dass wir einen Gott mit einem weiten Herzen verkünden und eine Kirche mit engem Herzen sind", betonte der Papst. Es dürfe nicht sein, dass "wir wissen, dass wir berufen sind, das Reich Gottes zu verkünden und doch sein Wort außer Acht lassen, indem wir uns in zweitrangigen Aktivitäten verlieren – und in unnützen Debatten".

"Unmissverständlich" im Sinne einer klaren Ansage oder einer klaren Absage? Wohl kaum. So recht er hat, so sehr können und werden sich die beiden Seiten der Tradionalisten und Reformer jeweils Passagen daraus zu eigen machen. Die Bewahrer werden eilfertigst alle "synodalen Wege" als "zweitrangige Aktivitäten" und "unnütze Debatten" brandmarken und auf den "Kronzeugen" Pontifex verweisen. Die Reformer werden die Formulierung "Es darf nicht passieren, dass wir einen Gott mit einem weiten Herzen verkünden und eine Kirche mit engem Herzen sind" als ihre Fahne hissen und den "Beweis" ihres richtigen Weges feiern.

Für Prediger gilt neben dem Gesetzt der Unmissverständlichkeit eben auch manchmal eine andere Maxime: "wer allen helfen will, hilft in Wahrheit niemandem"!

Von Albrecht von Croy

Der Autor

Albrecht von Croy ist Mitherausgeber von "theo – das katholische Magazin" und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.