Standpunkt

Der Mai bedeutet eine Pastoral aus Tradition und Innovation

Veröffentlicht am 16.05.2023 um 00:01 Uhr – Von Dominik Blum – Lesedauer: 

Bonn ‐ Für den Frühling plädiert Dominik Blum für eine Pastoral aus Tradition und Innovation. Das Klassische pflegen, was stirbt verabschieden und gleichzeitig neue Wege gehen – auch auf Fernstehende zu. Er hofft auf eine Saat, die aufgeht.

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Der Mai ist ein guter Monat, um Pastoral als 'mixed economy' zu betreiben. Also als gute Mischung zwischen Tradition und Innovation, zwischen seelsorglichen Angeboten nach althergebrachtem Bedarf und der aktiven Steuerung von Umbruchsprozessen.

Da sind die Maiandachten. Bei uns können wir die Besucherinnen und Besucher zumeist an einer Hand abzählen. Durchschnittsalter in der Gebetsgruppe liegt bei mindestens 75+. Bei den Erstkommuniongottesdiensten, über die auf dieser Plattform in den letzten Wochen viel diskutiert wurde, erleben wir unsere Verantwortung für die volkskirchlichen Restbestände besonders lebhaft. Zu den beiden freiwilligen Elternabenden kam bei uns eine Mutter. Natürlich nur einmal. Und die Kinder erleben diese Form der Liturgie nicht das nächste Mal nach vier oder sechs Wochen, sondern frühestens bei der eigenen Firmung. Ganz zu schweigen von der Fronleichnamsprozession im Juni, über deren Blumenschmuck jetzt schon in den Gremien heiß diskutiert wird. Da gibt es nämlich inzwischen mehr Fähnchen am Prozessionsweg als Mitbeter zwischen Baldachin und Blaskapelle. Hier ist mitten im Frühling eine "palliative Pastoral" (Stefan Jürgens) angesagt. Was ganz offensichtlich stirbt, muss wie in der Hospizarbeit mit viel Aufmerksamkeit, Professionalität und Trost begleitet werden. Durchhalteparolen und falsche Überlebensstrategien sind aber trotz der Maienzeit unbedingt zu vermeiden.

Stattdessen müssen wir parallel kleine Pflänzchen einer neuen Zeit kultivieren und mit der gleichen Sorgfalt unsere pastoralen Unternehmungen auf neue Beine stellen. Wir etablieren gerade eine sozialraumorientierte, offene Jugendarbeit in Kooperation mit dem kommunalen Streetworker. Hier denken manche Jugendliche eher über Gras nach als über Blumen. Und den Geist suchen sie in der Flasche statt bei der Firmung. Aber sie finden einen Keller mit Kicker, der besser ist als die Bushaltestelle um die Ecke. Hier sind sie angenommen und können Entwicklungsschritte machen, die mit Wachstum statt Leistung zu tun haben. An Christi Himmelfahrt feiern wir Vatertag mit allen, die sich auch irgendwie wünschen, heim zu kommen zu einem guten Vater, irgendwann. Und in der Kneipe am Markt wollen wir in der Frühlingssonne mit denen ein Bier trinken, die überlegen, ob ihre Kirchendistanz inzwischen groß genug für den Austritt ist. Das Bier geht auf unseren Deckel. Denn dabei lernen wir viel über eine Kirche, die nur noch ganz am Rand bei den Menschen vorkommt.

Pastorale 'mixed economy' im Frühling ist einen Versuch wert. Vielleicht geht die Saat ja schneller auf, als wir denken.

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Pastoraler Koordinator in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.