Auch die Bibel kennt die blühende Jahreszeit

Frühlingsgefühle: Ein Fest für die Sinne

Veröffentlicht am 08.04.2024 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Grafschaft ‐ Endlich: Der Frühling ist da! Für Schwester Gabriela Zinkl ist die Jahreszeit ein Lichtblick – den sie mit allen Sinnen erlebt. Und auch die Bibel kennt echte "Frühlingsgefühle".

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Knalliges Grün, wohin das Auge schaut – der Frühling ist zurück! Da ist sie also wieder, endlich, die Jahreszeit mit der zartesten aller Farbpaletten, von Hellgrün über Leuchtgrün bis Zartrosé und Zitronengelb. Für mich ist der Frühling ein echter Genuss, ein Lichtblick, schon wenn ich morgens beim Aufwachen die Vögel höre und aus dem Fenster schaue. Immerhin ist da ein bisschen Licht, sogar an den lange für tot gehaltenen Bäumen zeigt sich erstes Sprießen und grüne oder rosa Knospen. Es ist Frühling! Das ist eigentlich ein Satz für Großbuchstaben und drei Ausrufezeichen! Denn der Frühling wechselt vieles aus, spätestens nach dem April gilt "alles neu macht der Mai". Das Schöne am Frühling ist, dass er so zart und vorsichtig daher kommt, nach und nach, nicht Schlag auf Schlag. Von Sonnenstrahl zu Sonnenstrahl, Tag für Tag wird die Sonne mehr und stärker, erst gibt es ein paar Frühlingsblüher, dann zartes Gras überall, das erste Summen der Bienen, Schmetterlinge, Gänseblümchen, und die Rasenflächen und Wiesen werden immer saftiger. Oh je, ich höre schon wieder die ersten Rasenmäher … Aber zuerst nochmal stopp. Lasst uns den Frühling genießen!

Vor dem Frühling kann man die Augen nicht verschließen. Er macht auch vor Supermärkten, Einrichtungshäusern, Dekogeschäften und Gartencentern nicht halt. Im Gegenteil: Auch diese sonst so sterilen Shoppingzonen blühen auf mit Akzenten im zarten Pastell- oder Frühlingsgrün. Nicht wenige animiert das tatsächlich zum Kauf von Schokoeiern, Dekokerzen oder der neuesten Frühjahrsmode. Mindestens muss es ein Apfel sein, vielleicht sogar die grünste und womöglich gesündeste Sorte von allen, Granny Smith. Am Frühling und seinen Vorboten kommt momentan niemand vorbei, außer er oder sie verschließt die Augen und Sinne komplett. Dabei ist Frühling die beste Therapie für alle die noch unter Winterschlaf (und Zeitumstellung), Frühjahrsmüdigkeit oder Morgenmuffeligkeit leiden. Frühling – die beste aller Therapien. Natürlich, kostenlos, und alles rein bio.

Die Tage werden wieder länger und heller. Frühling ist ein Fest für die Sinne, zum Spüren, Sehen, Riechen und Schmecken. Man kann den Frühling auch deutlich hören! Die Vögel sind zurück und singen jeden Morgen ein Begrüßungslied. Zusammen mit den Summen der ersten Bienen ergeben sie den perfekten Hintergrundsound für das große Naturschauspiel, ein echtes "Event": frisches Gras, Knospen und all diese unnachahmlichen pastellfarbenen Frühlingsblüher. Das ist 3D-Kino in Reinform. Open-Air mit freiem Eintritt, draußen in der Natur. Es gibt nur eine Bedingung, das Ganze ist nur tagsüber wahrnehmbar, am besten bei Sonnenschein. Aber davon gibt es jetzt zum Glück von Tag zu Tag mehr. Deshalb ist die beste Frühlingstherapie: rausgehen. Nicht nur in der Mittagspause. Einen Weg oder Spaziergang wählen, an dem ich entlang der Strecke an all diesem wunderbarem "Frühlingsgedöns" verbeikomme: Gras, Blümchen, Bäume, Sträucher, in echt, nicht aus geruchsneutralem Plastik. Das geht auch in der Stadt, mal ohne von Auto oder unterirdischer Bahn.

Der Blütenstand eines Mandelbaums.
Bild: ©doris oberfrank-list/Fotolia.com (Symbolbild)

Blüht der Mandelbaum, beginnt der Frühling.

Frühling gehört zum Leben dazu, ohne Frühling geht es nicht, ohne das Aufblühen und Wachsen. So wie der Frühling von Anfang der Menschheit an zu unserem Leben gehört, spricht natürlich auch die Bibel von ihm, und zwar in den höchsten Tönen. Da ist natürlich der bekannte Vergleich mit dem Mandelzweig, wenn der Mandelbaum blüht, wird alles neu. Vor allem ist die Bibel zum Thema Frühling voll von Vergleichen mit der Natur:

"Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen, die Steppe soll jubeln und blühen. Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie, jubeln soll sie, jubeln und jauchzen." (Jes 35,1-2)

Es ist kein Wunder, dass auch die Bibel "Frühlingsgefühle" kennt, viele Stellen im Alten und Neuen Testament erzählen von diesem ganz bestimmten Gefühl der Hoffnung und Erneuerung. Das ist etwas Lebensnotwendiges von Anfang der Menschheit an.

Frühling im Heiligen Land

Im Land der Bibel, im Heiligen Land, heute befinden sich dort Israel und die Palästinensischen Gebiete, ist der Frühling die aufregendste und intensivste Jahreszeit. Frühling dort ist schnell, kurz und nur ein paar Wochen lang zu sehen und zu spüren, bevor es richtig heiß wird. Der Frühling ist dort etwas ganz Besonderes, den die meiste Zeit im Jahr ist dort das Wasser knapp. Nach dem Regen im Winter ist das hügelige Bergland der Wüste zwischen Jerusalem und dem Jordangraben wie mit einem leichten grünen Flaum überzogen. Das ist herrlich anzusehen, noch dazu wenn dazwischen ein paar rote Mohnblumen herausleuchten und ein Hirte mit seiner Schafherde über den Hügel zieht. Vor allem die Hirten und Beduinen dort wissen genau: Der Frühling kommt, wenn der Mandelbaum anfängt zu blühen. Das Wort "Mandelbaum" bedeutet im Hebräischen so viel "der Wachsame".

Wachsam sein, aufmerksam sein, wenn der Frühling kommt. Wenn er so viel Aufbruch, Licht, Leben, Freude, Ostern, Auferstehung mit sich bringt. Es ist nicht von ungefähr, dass Frühling und Ostern eine ähnliche Symbolsprache haben: vom Dunkel ins Licht, vom Tod zum neuen Leben, das Weizenkorn, das keimt, der Mandelzweig, der wieder blüht. Frühling ist nicht ein plumpes Gefühl, über das wir in der Schule Gedicht um Gedicht auswendig gelernt haben. Frühling ist eine Denkweise und Grundeinstellung, die uns alle Jahre wieder zwischen März und Mai einholt. Zum Glück! Und zu meinem Glück gönne ich mir jetzt ein Portion Hörgenuss mit Vivaldi, 4 Jahreszeiten, Frühling.

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB arbeitet in der Ordensleitung des Kloster Grafschaft. Sie pendelt zwischen Deutschland und Jerusalem, wo sie in der Lehre tätig ist. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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