Ordensmann aus Indien über seinen Weg als Priester

Ruhe und Gemütlichkeit: Pater Michael Sibu und sein Herz für Tiere

Ruhe und Gemütlichkeit: Pater Michael Sibu und sein Herz für Tiere
Bild: Leander Stork / Bistum Augsburg

Pater Michael Sibu ist Pfarrer in Ettringen bei Augsburg und wohnt dort allein im Pfarrhaus. Das macht dem Ordensmann eigentlich nichts aus. Dennoch ist er froh darüber, dass seit zwei Jahren ein Haustier bei ihm eingezogen ist. "Kater Mietz ist mein fester Mitbewohner", freut sich der Prämonstratenser. Die Katze gehörte früher dem Hausmeister der Schule, gleich neben dem Pfarrhaus. Vor zwei Jahren ist der in den Ruhestand gegangen und mit seiner Familie umgezogen. Kater Mietz wollte aber nicht mit, berichtet der Pfarrer. Daher versorgt Pater Michael das Tier, füttert es und lässt es auch im Gästezimmer im Pfarrhaus übernachten. "Außer wenn ich Besuch habe", ergänzt der Pater.

Außerdem tue es ihm gut, wenn er abends nach Hause komme und der Kater schon auf ihn warte, sagt der Geistliche, der auch an der benachbarten Schule in Ettringen Religion unterrichtet. Das Tier bringe viel Ruhe und "entspannte Gemütlichkeit" ins Pfarrhaus. Wenn er im Büro arbeitet, liegt der Kater währenddessen gerne auf einem Stuhl und beobachtet ihn, freut sich der 60-jährige Ordensmann. Pater Michael Sibu ist Leitender Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Ettringen. Seit einem Jahr ist der Priester und Ordensmann auch Dekan im Dekanat Mindelheim. Da sei viel Verantwortung auf ihn zugekommen, betont er. Um manches "sportlicher zu nehmen", ist der Pater daher gerne draußen in der Natur unterwegs. Dabei hilft ihm ein weiterer Vierbeiner.

Das ist der Berner Sennenhund Samy, der auf einem benachbarten Bauernhof zu Hause ist. Der Hund ist neun Jahre alt und braucht viel Auslauf, sagt der Pater. Weil sein Besitzer berufsbedingt wenig Zeit für den Hund habe, kümmere er sich um ihn. "Jeden Tag hole ich den Hund ab und drehe mit ihm eine Runde", berichtet der Geistliche. Beim Gassi-Gehen lasse er den Hund gerne ohne Leine laufen. Außerdem füttere er den Hund, weil er "viel lieber bei ihm als bei seinem Besitzer fresse", erklärt Pater Michael. Er sei gerne mit dem Hund an der frischen Luft. Außerdem würden sich dabei immer wieder Gespräche mit anderen Hundehaltern ergeben. Das sei "Seelsorge unterwegs", freut sich der Pater. Die Leute aus der Gemeinde würden das Tandem "Pater mit Hund" schon kennen, lacht der Ordensmann. Wenn jemand Angst vor dem Hund habe, dann leine er ihn aber an, so Pater Michael. 

Bild: © Leander Stork / Bistum Augsburg

Pater Michael Sibu und der Berner Sennenhund Samy vor dem Pfarrhaus in Ettringen.

Schon als Kind lagen ihm Tiere am Herzen, erzählt der 60-Jährige. Pater Michael Sibu kommt ursprünglich aus Kerala in Südindien. Er hat dort als Kind eine kirchliche Schule besucht. Nach dem Abitur trat er 1983 in den Orden der Prämonstratenser in Mananthavady ein. Damals war er 19 Jahre alt und studierte anschließend Philosophie in Bangalore. Fünf Jahre später entschloss er sich dann, nach Deutschland zu gehen. Sein Orden hatte einen kleinen Konvent in Obermedlingen im Landkreis Dillingen, der mittlerweile nicht mehr existiert. Bei der Einkleidung dort nahm er seinen Ordensnamen Michael an. 

Erste Zeit in Deutschland war schwer für ihn 

Die erste Zeit in Deutschland war schwer für ihn, weiß der Ordensmann noch. "Ich verstand kein Wort Deutsch." Doch mit der Zeit lebte er sich gut in die neue Umgebung ein und wurde herzlich von den Menschen aufgenommen, erinnert er sich. Nach dem Noviziat studierte er Theologie in Augsburg und lebte dort im Priesterseminar. 1994 wurde er in seiner Heimat in Kerala in Indien zum Priester geweiht. Danach war er in zwei Pfarreien in der Diözese Augsburg tätig. Seit September 1998 ist er Leitender Pfarrer in Ettringen, einer damals neu gegründeten Pfarreiengemeinschaft. Seit einem Jahr ist er auch Dekan des Dekanats Mindelheim. Derzeit leben rund 45.000 Katholikinnen und Katholiken in dem Dekanat. Seine Aufgaben erfüllen ihn, sagt Pater Michael, auch wenn viel zu tun sei. "Ich darf für andere Menschen da sein", sagt der Ordensmann. Umgekehrt seien die Menschen auch für ihn da.

Als Pfarrer ist Pater Michael für insgesamt vier selbständige Pfarreien und vier Filialkirchen zuständig. Zu seinem pastoralen Team gehören ein Kaplan und eine Gemeindereferentin. "Wir gestalten viele Gottesdienste gemeinsam", erklärt Pater Michael. Und jeder der Seelsorgenden hat seine eigenen Aufgaben. Beerdigungen, Taufen, Sakramente spenden, Schulgottesdienste und Beichten hören, das sind seine. "Ich bin gerne Priester", sagt der Geistliche deutlich. Es ist ihm wichtig, jeden Tag mit der Gemeinde Gottesdienst zu feiern. "Damit die Menschen sich vor Gott versammeln können", betont Pater Michael.  

Das Pfarrhaus, in dem er wohnt und arbeitet, versteht er als einen Ort, der offen für Besucher ist. "Ich habe keine eigene Familie, daher sind die Menschen aus der Gemeinde meine Familie und jederzeit bei mir willkommen", erklärt der Pfarrer. Die Leute wissen, "dass das Pfarrhaus offen ist". Weil die Pfarramtssekretärin zurzeit im Urlaub ist, geht er selbst ans Telefon oder öffnet die Pfarrhaustür, wenn es klingelt. Dann kommt eine Frau aus der Gemeinde vorbei und fragt, ob sie einen Yogakurs für Kinder im Gemeindehaus anbieten könne. Pater Michael freut sich darüber, möchte aber vorher noch mit dem Kirchenpfleger darüber reden. Er überlegt dann, ob er die Kinder mit ihren Eltern, die diesen Yoga-Kurs besuchen, vielleicht auch in die Kirche einladen könne.  

Bild: © Leander Stork / Bistum Augsburg

"Wenn ich da bin, dann bin ich für die Menschen da", sagt Pater Michael Sibu. In seinem Pfarrbüro in Ettringen ist jeder willkommen, auch Kater Mietz.

"Wir haben zu Hause immer den Rosenkranz gebetet", erinnert sich der Ordensmann an seine eigene Kindheit. In seiner Heimatgemeinde in Indien haben früher jeden Abend um 19 Uhr die Kirchenglocken zum Angelus-Gebet geläutet. Und dann hat sich die ganze Familie vor dem Hausaltar versammelt und gebetet, blickt er zurück. Seine Mutter, die heute 91 Jahre alt ist, betet noch jeden Tag den Rosenkranz. Der 60-Jährige berichtet, dass sein Neffe, der Sohn seiner Schwester, auch Priester werden möchte und wie wie er in den Orden der Prämonstratenser in Mananthavady eingetreten ist. Das freut Pater Michael, der der Patenonkel seines Neffen ist. Schon als Kind war sein Neffe religiös und bei den Familiengebeten und im Gottesdienst oft dabei. Vielleicht sei so der Glaube in ihm gewachsen, überlegt der Seelsorger. Er findet es gut, wenn Kinder durch ihre Familie in den Glauben hineinwachsen. "Denn sie sind die Zukunft der Kirche", ist Pater Michael überzeugt. Er sei immer wieder traurig, wenn Kinder, die zur Erstkommunion gehen möchten, die Grundgebete der Kirche nicht kennen. In Indien seien katholische Familien stärker mit ihrer Glaubenstradition verbunden, sagt der Ordensmann.   

Seine Familie in Indien vermisst er manchmal schon. Einmal im Jahr, meistens im Frühjahr, besucht er diese. Um Kater Mietz und Hund Samy kümmern sich derweil andere. Aus seiner indischen Gemeinschaft leben noch 17 weitere Mitbrüder in Deutschland. Es gebe zwischen ihnen regelmäßigen Austausch und Treffen, berichtet Pater Michael. Einer der Mitbrüder wohnt sogar in der Nähe von Ettringen. Mit ihm treffe er sich öfter. "Es ist ein Segen, dass wir Brüder hier in Deutschland tätig sein dürfen", meint der Geistliche. Mit seinem Gehalt unterstützt er seinen Orden in Indien. Das sei üblich, berichtet er.

Pater Michael ist dankbar, dass er Ordensmann und Priester geworden ist. "Ich möchte kein anderes Leben haben." Dennoch denkt der 60-Jährige daran, eines Tages wieder in seine Heimat nach Indien zurückzukehren. Vielleicht kann er dann dort auf einer Missionsstation arbeiten oder im Kloster tätig sein. Und sich für Menschen und Tiere einsetzen, sagt er und lacht. Bis dahin möchte er weiterhin jeden Tag mit seiner Gemeinde den Glauben leben. "Solange die Leute mich mögen, solange wir gut zusammenarbeiten, bleibe ich."  

Madeleine Spendier