Vernachlässigung älterer Mitschwestern vorgeworfen

Anklage gegen sieben schismatische Ex-Klarissen zugelassen

Veröffentlicht am 22.05.2026 um 11:10 Uhr – Lesedauer: 

Bilbao ‐ Die Vorgänge um das spanische Klarissen-Kloster Belorado haben ein gerichtliches Nachspiel: Die schismatischen Ex-Nonnen sollen betagte Mitschwestern vernachlässigt haben. Jetzt kann das Verfahren beginnen.

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Die Anklage gegen sieben der schismatischen Klarissen wurde durch die zuständige Richterin am Gericht von Bilbao zugelassen. Gegen eine weitere der spanischen Ex-Nonnen wird keine Anklage zugelassen, wie aus Gerichtsdokumenten hervorgeht, die der spanischen Kirchenzeitung "Vida Nueva" vorliegen. Den ehemaligen Ordensfrauen wird die Vernachlässigung fünf älterer Nonnen vorgeworfen, außerdem stehen Vermögensdelikte im Raum. Das Verfahren gegen die achte Ex-Nonne wurde vorläufig eingestellt, da das Gericht keine Anhaltspunkte für eine aktive Beteiligung an den mutmaßlichen Taten erkennen konnte.

Hintergrund ist das Schisma der Klarissen von Belorado, die sich im Mai 2024 mit einem traditionalistischen Manifest von der Kirche losgesagt und erklärt hatten, alle Päpste nach Pius XII. (1939–1958) nicht anzuerkennen. Im Laufe des Konflikts schlossen sie sich verschiedenen schismatischen angeblichen Bischöfen an und wurden aufgrund ihres Schismas exkommuniziert. Zwei der exkommunizierten Frauen sind mittlerweile wieder zur Kirche zurückgekehrt, gehören aber nach der Aufhebung ihrer Exkommunikation keinem Orden mehr an.

Schwere Vorwürfe im Gerichtsbeschluss

Die fünf älteren und pflegebedürftigen Klarissen von Belorado, die sich dem Schisma ihrer ehemaligen Mitschwestern nicht angeschlossen haben, wurden Mitte Dezember von der Polizei aus dem besetzten Kloster in Orduña geholt, das die Ex-Nonnen als Ausweichquartier nutzen wollten. Schon damals standen Vorwürfe der Vernachlässigung im Raum. Der vom Vatikan als Apostolischer Kommissar der Gemeinschaft bestellte Erzbischof von Burgos, Mario Iceta, sagte gegenüber der Presse, dass "nicht einmal die Mindestanforderungen" an die Unterbringung älterer und pflegebedürftiger Menschen erfüllt worden seien. Auch das Hauptkloster in Belorado sei verwahrlost übergeben worden; die ehemaligen Nonnen bestreiten das. Mittlerweile ist eine der älteren Schwestern gestorben. Die überlebenden wurden in verschiedenen Klarissenklöstern in der Umgebung untergebracht.

"Vida Nueva" zitiert die Vorwürfe gegen die ehemaligen Ordensfrauen, wie sie im Beschluss der Richterin festgehalten werden. Demnach seien die älteren Frauen im Alter von damals 87 bis 101 Jahren unter mangelhaften hygienischen und sanitären Bedingungen vorgefunden worden, außerdem hätten sie weder ausreichend Nahrung noch die nötigen Medikamente erhalten. In der Zelle einer der Nonnen seien laut dem Beschluss "zwei Hunde auf dem Bett, einer davon auf dem Kopfkissen", sowie "Exkrement- und Urinreste in der Zelle und im Badezimmer" gefunden worden. Die Schwestern seien von ihren ehemaligen Mitschwestern bedroht und eingeschüchtert worden. Ein Zeuge gab zu Protokoll, dass eine der älteren Frauen zu ihm gesagt habe: "Heute haben sie mich noch nicht geschlagen." Die Vermögensdelikte, die den ehemaligen Klarissen vorgeworfen werden, beziehen sich auf die mutmaßliche Veruntreuung von staatlichen Sozialleistungen der älteren Schwestern. Die beschuldigten Frauen stritten vor Gericht alle Vorwürfe ab. (fxn)