Ein Signal gegen den Christenschwund im Orient

Die Missionsbenediktiner von Sankt Ottilien wollen ein neues Kloster in Ägypten gründen. Was die deutschen Mönche zu diesem Schritt bewegt hat, erzählt Abtpräses Jeremias Schröder im Interview.

Orden | Sankt Ottilien - 15.07.2017

Die koptischen Katholiken in Ägypten bekommen bald ihr erstes Kloster. Ein entsprechendes Projekt haben die Missionsbenediktiner aus Sankt Ottilien in Oberbayern in Angriff genommen. Wie es dazu kam, erzählt Abtpräses Jeremias Schröder (52) im Interview. Er erklärt außerdem, was die Mönche bei der Klostergründung unbedingt vermeiden wollten und woran diese noch scheitern könnte.

Frage: Herr Abtpräses Schröder, in den vergangenen Monaten sind Christen in Ägypten immer wieder zum Ziel von Anschlägen geworden. Wird Ihr Kloster einer Festung gleichen?

Schröder: Nein, wir planen keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen. Es ist zwar richtig, dass in dem Land Terrorgefahr besteht. Es ist aber dennoch möglich, sein Christsein offen zu zeigen. Ich selbst bin dort auch im Habit auf der Straße herumgelaufen. Die Menschen sind mir stets mit großem Respekt begegnet, auch Muslime. Und die Christen vor Ort freuen sich, wenn man als Ordensmann Flagge für seinen Glauben zeigt.

Frage: Ist auch Ihre Klostergründung als ein Flaggezeigen zu verstehen?

Schröder: Insofern sicher, als das Christentum im Orient wegen Krieg und Terror schütter wird. Wir setzen ein Signal gegen den dortigen Christenschwund. Deshalb findet unser Projekt in der Kirche auch großen Zuspruch, auch beim Heiligen Stuhl in Rom. Die Idee zu der Gründung hat jedoch andere Wurzeln.

Frage: Welche?

Schröder: Einer unserer Brüder, Pater Maximilian Musindai aus dem kenianischen Kloster Tigoni, lebt in Kairo. Dorthin war er eigentlich zu Studienzwecken gegangen. Doch dann kamen immer wieder junge koptische Katholiken zu ihm, die überlegten, ins monastische Leben einzutreten. Diese Möglichkeit besteht bis dato aber praktisch nicht. Es gibt zwar seit geraumer Zeit in Alexandria einen Versuch, ein Kloster im Stil des orthodoxen Mönchtums aufzubauen. Das hat sich jedoch bisher nicht stark entwickelt - die jungen Katholiken neigen offenbar zu einer weltoffeneren Form des Mönchtums, wie sie für uns Benediktiner typisch ist.

Beneditkiner Jeremias Schröder, Abtpräses der Erzabtei Sankt Ottilien.
Jeremias Schröder ist Abtpräses der Erzabtei Sankt Ottilien.
 KNA

Frage: Warum gibt es dann unter den koptischen Katholiken bisher keine Klöster?

Schröder: Das dürfte mit der kurzen Geschichte sowie mit der überschaubaren Zahl der koptischen Katholiken zu tun haben. Im 92-Millionen-Einwohner-Land Ägyptern gibt es gerade 150.000 bis 250.000 von ihnen. Das ist nicht viel, auf so wenige Menschen kommt auch bei uns nicht ohne weiteres ein Kloster. Und das koptisch-katholische Patriarchat wurde erst 1895 gegründet. Da mussten anfänglich Gemeindestrukturen entstehen. Diese Aufbauarbeit wird von aktiven Kongregationen getragen, aber die alten Mönchsorden waren daran nicht beteiligt. Inzwischen ist aber wie gesagt der Wunsch nach einem richtigen Kloster da - und den erfüllen wir gern.

Frage: Wie läuft die Gründung konkret ab?

Schröder: Derzeit begleitet Pater Maximilian drei katholische Kopten, die unserem Orden beitreten wollen. Zwei sind bereits zum Noviziat in Kenia - einer von ihnen hat jetzt die Regel des heiligen Benedikt erstmals ins Arabische übersetzt. Pater Maximilian bezieht derzeit mit einem weiteren Mitbruder aus Kenia ein eigenes Haus am Rande Kairos. Dort melden sich regelmäßig weitere Klosterkandidaten. Ein zweites Standbein wird ein Landwirtschaftsbetrieb bei Ismailia sein, in der Nähe des Suezkanals. Diesen Hof wollen wir nun kaufen. Mit ihm sollen die Mönche langfristig autark leben können.

Frage: Welche Zeit- und Kostenpläne gibt es für das Projekt?

Schröder: Ich rechne damit, dass wir den Hof in Ismailia noch in der zweiten Hälfte dieses Jahres in Verwaltung nehmen. Ab 2018 könnte er zum Postulat und Noviziat dienen. Für den Hof und das Haus in Kairo geben wir eine halbe Million Euro, aber sicher werden mittelbar weitere Förderungen nötig sein. Deshalb hoffen wir auf Spenden. Wichtig sind in dem Zusammenhang aber nicht nur Zeit und Geld.

Frage: Sondern?

Schröder: Dass wir bei unserem Vorhaben in engem Austausch mit unseren koptisch-orthodoxen Glaubensbrüdern stehen, der großen Mehrheit der christlichen Ägypter. Denn eines wollten wir bei unserer Klostergründung unbedingt vermeiden: Dass die Orthodoxen uns als Konkurrenz wahrnehmen. Dahingehend gibt es aber keine Probleme, im Gegenteil: Der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. hat uns willkommen geheißen.

Frage: Könnte Ihre Klostergründung trotzdem noch scheitern?

Schröder: Die Gründung wäre dann bedroht, wenn plötzlich keine Männer mehr kämen, die Mönch werden wollen. Ein weiteres Risiko wäre der Wechsel hin zu einem massiv antichristlichen Regime. Aber die politischen Verhältnisse in Ägypten scheinen derzeit Gott sei Dank stabil.

Von Christopher Beschnitt (KNA)

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