Kommunion: Weg für evangelischen Partner geebnet

Von Jugendsynode bis Kirchenfinanzen: Die Vollversammlung der deutschen Bischöfe in Ingolstadt ist beendet. Der Höhepunkt war ein Beschluss zum Kommunionempfang für evangelische Ehepartner im Einzelfall.

Vollversammlung | Ingolstadt - 22.02.2018

Die Deutsche Bischofskonferenz hat den Weg für einen gemeinsamen Kommunionempfang von konfessionsverschiedenen Ehepaaren im Einzelfall geebnet. Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt stimmten die deutschen Bischöfe mit großer Mehrheit für eine "Orientierungshilfe", die evangelischen Ehepartnern den Empfang dieses Sakrament unter bestimmten Bedingungen ermöglichen soll. Voraussetzung ist, dass die evangelischen Partner nach "reiflicher Prüfung in einem geistlichen Gespräch mit dem Pfarrer oder einer anderen mit der Seelsorger beauftragten Person zu dem Gewissenurteil gelangt sind, den Glauben der katholischen Kirche zu bejahen sowie eine 'schwere geistliche Notlage' beenden und die Sehnsucht nach der Eucharistie stillen zu wollen", heißt es im Abschlussbericht.

Kardinal Reinhard Marx würdigte die Orientierungshilfe am Donnerstag in Ingolstadt als "positiven Fortschritt". Es habe eine "intensive Debatte" gegeben, in der auch "ernstzunehmende Bedenken" geäußert worden seien. Zugleich betonte er, dass es nicht um eine generelle Zulassung, sondern um Einzelfallentscheidungen gehe. Die Bischöfe wollten damit "einen profilierten Weg" gehen. "Wir wollen nicht einfach sagen, dass alles gleichgültig ist." Marx betonte, dass es sich lediglich um eine "pastorale Handreichung" handele. "Wir wollen keine Dogmatik verändern." Die Handreichung solle dem Seelsorger dabei helfen, zu klären, ob im Sinne von Kanon 844 § 4 des geltenden Kirchenrechts ein Ausnahmefall vorliege, in dem ein Nichtkatholik an der Kommunion teilnehmen kann. Den Vorwurf, es handele sich um eine "Rückkehr-Ökumene" wies Marx zurück. Es werde gerade nicht gesagt, dass Protestanten nur die Kommunion empfangen könnten, wenn sie konvertierten. Auch liegt es laut Marx im Ermessen des jeweiligen Ortsbischofs, welche Konsequenzen er aus der Orientierungshilfe zieht. Recht könne nur der Bischof selbst setzen.

EKD begrüßt Entscheidung der Bischöfe

Die Orientierungshilfe war von den Kommissionen für Glaubensfragen und Ökumene vorbereitet worden. Das Dokument soll in den nächsten Wochen veröffentlicht werden. Eine Zustimmung des Vatikans ist laut Marx nicht nötig, weil es sich nur um eine pastorale Handreichung handele.

In einer ersten Reaktion hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) die Entscheidung der deutschen Bischöfe als "wichtigen Schritt auf dem Weg der Ökumene" bezeichnet. "Für Menschen, die nicht nur ihren Glauben an Jesus Christus, sondern auch ihr Leben miteinander teilen, stellt das eine echte Erleichterung dar", sagte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm am Donnerstag. "Die heutige Richtungsentscheidung ist - bei allen noch zu klärenden Punkten - zuallererst eine Ermutigung für viele Millionen Christen, die in ihren Lebensbezügen ökumenisch eng miteinander verbunden sind", sagte der Münchner Landesbischof.

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Der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz erklärt, wie echter Dialog zwischen den Kirchen des Westens und Ostens gelingen kann und welche Aufgaben drängend sind.
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Die deutschen Bischöfe wollen zudem das zuletzt oft gespannte Verhältnis zu ihren Mitbrüdern in Mittel- und Osteuropa verbessern. Angesichts der gegensätzlichen Positionen, die zuletzt in der Flüchtlingsdebatte, aber auch im Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen deutlich wurden, soll der Dialog intensiviert werden. "Wir wollen den Kontakt innerhalb Europas besonders zwischen West- und Osteuropa wieder verstärken", sagte Marx am Donnerstag. Das Osteuropa-Hilfswerk Renovabis organisiere bereits jetzt viele Begegnungen. "Aber wir haben den Eindruck, dass wir noch mehr Begegnung auf der Ebene der Bischöfe, der Gläubigen und der Wissenschaft brauchen", so der Kardinal.

Einen weiteren Schwerpunkt der deutschen Bischöfe bildet das Thema Jugend. Die Bischöfe wählten drei Delegierte für die Jugendsynode, die im Oktober im Vatikan stattfindet: Jugendbischof Stefan Oster, Münsters Bischof Felix Genn, den Vorsitzenden der Kommission Geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, sowie den Osnabrücker Weihbischof Johannes Wübbe, der ebenfalls Mitglied der Jugendkommission ist. Die Bischofskonferenz wirbt zudem für eine breite Beteiligung von Jugendlichen an der Vorbereitung der Synode. Sie können den drei Delegierten per Mail an franziskus@afj.de ab sofort Vorschläge und Ideen unterbreiten. "Wir lesen das alles und antworten euch allen", versicherte Oster am Donnerstag.

Arbeitsgruppe zur Formulierung konkreter Handlungsempfehlungen

Die Bischöfe wollen außerdem weiter innerkirchliche Handlungsempfehlungen mit Blick auf Umweltschutz und nachhaltige Entwicklung aussprechen. Christen hätten eine Mitverantwortung für die Bewahrung der Schöpfung und so bleibe es "eine fortwährende Aufgabe, die Bekämpfung der ökologischen Krise und das weltkirchliche Engagement für nachhaltige Entwicklung als miteinander verknüpfte Arbeitsstränge zu betrachten", heißt es in dem Pressebericht. Eine Arbeitsgruppe zur Formulierung konkreter Handlungsempfehlungen um den Münsteraner Weihbischof Rolf Lohmann wolle bei der kommenden Herbstvollversammlung in Fulda das Ergebnis vorlegen. Im vergangenen Jahr hatten sich die Bischöfe in einem Studientag mit der "Schöpfungsverantwortung nach Laudato siʼ – Umwelt und integrale Entwicklung als Aufgabe der Kirche" befasst.

Vor dem Hintergrund eines rasanten Wandels im Gesundheitswesen und in der Krankenpastoral will die Bischofskonferenz ihr Papier "Die Sorge der Kirche um die Kranken" von vor 20 Jahren um ein aktuelles Impulspapier ergänzen. Darin soll etwa die Zunahme des Pflegebedarfs und Trends wie der zur verstärkten ambulanten Behandlung behandelt werden. Auch die Verortung kirchlicher Seelsorge im Kontext des Gesundheitswesens würde darin neu beschrieben, sowie eine Abgrenzung der Aufgaben von Seelsorgern zu der sogenannten Spiritual Care.

Bereits in den nächsten Wochen soll ein Rahmenkonzept für die katholische Notfallseelsorge veröffentlicht werden. Diese sei ein relativ junges Feld diakonischer Pastoral, das in den 1990er Jahren entstanden sei. Das neue Papier soll den Notfallseelsorgern Grundlage und Orientierung für ihr Handeln geben und die Notfallseelsorge theologisch und pastoral einordnen.

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Thomas Andonie nimmt für den BDKJ an der Vorsynode zum Thema Jugend im Vatikan teil. Was jungen Menschen wichtig ist und was seine konkreten Forderungen an die Vorsynode sind, hat er katholisch.de im Interview erzählt.
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Die deutschen Bischöfe erneuerten außerdem ihren Wunsch, dass es nach den Koalitionsverhandlungen "nun zügig zur Bildung einer stabilen und motivierten Bundesregierung kommen wird". Bei den getroffenen Vereinbarungen zwischen den potenziellen Koalitionspartnern hätten sie sich zwar an einigen Stellen "mehr Ehrgeiz und Mut" gewünscht – etwa in Fragen des Klimaschutzes oder in der Nachhaltigkeitspolitik. Dennoch sollte anerkannt werden, so die Bischöfe, "dass viele Herausforderungen unserer Zeit angegangen werden": von Bildung über die gesundheitliche Versorgung bis zur fortschreitenden Digitalisierung.

Die deutschen Bischöfe betonten zudem den Wert der 904 katholischen Schulen in Deutschland. In freiheitlich-demokratischen Gesellschaften dürften sie mit ihrem am christlichen Glauben orientierten Angebot nicht fehlen. Denn die Kirche leiste "einen wichtigen Beitrag für die Gestaltung unserer Gesellschaft und das Zusammenleben der Menschen". Für die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt sehen sie das Ende einer "Negativkurve vergangener Jahre" gekommen. Der neue Vorsitzende der Kommission für Wissenschaft und Kultur, Kardinal Rainer Maria Woelki, habe bei seinem Besuch an der Hochschule eine personelle Neuaufstellung und einen neuen wissenschaftlichen Anspruch wahrgenommen. Ein wesentlicher Akzent sei die Zusage einer dauerhaften zusätzlichen Förderung in Höhe von 5,5 Millionen Euro durch die Freisinger Bischofskonferenz.

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist weiter notwendig

Als "übergreifende Aufgabe der Medienunternehmen" sehen es die Bischöfe an, Werte zu vermitteln und zur gesellschaftlichen Integration beizutragen. Meinungsvielfalt müsse hergestellt und zur kulturellen Identität beigetragen werden. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk leiste hierzu einen entscheidenden Beitrag, der auch in Zukunft notwendig sei. Der Rundfunk müsse sich jedoch weiterentwickeln und auch neu entstehende Kommunikationsräume adäquat nutzen, so die Bischöfe. Mit Blick auf die "zunehmende Hetze und Verrohung" in den sozialen Netzwerken müssten sich öffentlich-rechtliche und private Sender sowie Verleger gemeinsam "für Qualitätsjournalismus und eine differenzierte Debattenkultur" engagieren.

Themenseite: Vollversammlung

Zweimal im Jahr trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz zu Vollversammlungen. Die teilnehmenden Bischöfe beraten und entscheiden dort über wichtige kirchliche Themen und Ereignisse. Die Themenseite bündelt die Berichterstattung von katholisch.de zu den Versammlungen.

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"Mir ist schmerzlich bewusst, dass sich unsere Kirche in wesentlichen Fragen der Finanzierung und des Vermögens besser aufstellen und manche Unklarheiten beseitigen muss", erklärte Marx zum Thema der Kirchenfinanzen. Die Deutsche Bischofskonferenz ist laut ihrem Vorsitzenden auf einem guten Weg zu mehr Transparenz, noch seien die Bemühungen "nicht genug". Die Bischöfe sollen daher "zeitnah eine ausführliche Orientierungsdebatte" über "Transparenz, Kontrolle und Solidarität" in Finanzfragen führen.

Gerade der letztgenannte Punkt ist innerhalb der Bischofskonferenz bereits seit längerem ein großes Thema. Derzeit erhalten die Diaspora-Bistümer im Osten Deutschlands einen sogenannten Strukturbeitrag. Diese Umlage aus den übrigen Diözesen beläuft sich derzeit auf insgesamt 57 Millionen Euro, soll jedoch 2020 auslaufen. "Die Verhandlungen zu einem Strukturbeitrag auch über das Jahr 2020 hinaus werden derzeit geführt", erklärte Marx dazu. Bischöfe der Empfängerbistümer hatten sich zuletzt mehrfach und deutlich dafür ausgesprochen.

Overbeck vertritt die deutschen Bischöfe in Europa

Die Situation der katholischen Schulen im Erzbistum Hamburg und die beabsichtige Schließung von bis zu acht Einrichtungen hat auch die Bischofskonferenz beschäftigt. Nachdem Erzbischof Stefan Heße bereits im Januar den Diözesanbischöfen Bericht erstattete, legte er die Situation nun noch einmal vor der Vollversammlung dar. Ob und wie Heßes Amtsbrüder auf den Bericht reagierten, erklärte Marx am Donnerstag nicht.

In Ingolstadt fällten die deutschen Bischöfe einige Personalentscheidungen. Essens Bischof Franz-Josef Overbeck wurde dabei als Nachfolger von Kardinal Marx in der Kommission der EU-Bischofskonferenzen ComECE bestimmt. Overbeck soll sein Amt antreten, sobald Marx' Amtszeit als Präsident der ComECE im März endet. Darüber hinaus wählte die Bischofskonferenz Kardinal Rainer Maria Woelki zum neuen Vorsitzenden der Kommission für Wissenschaft und Kultur.

Von Thomas Jansen, Agathe Lukassek, Tobias Glenz und Kilian Martin

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