Papst will über "Viri probati" nachdenken

Franziskus hat der Wochenzeitung "Zeit" ein Interview gegeben. Darin legt er seine Haltung zur Weihe verheirateter Männer dar und spricht über seine Einladung nach Deutschland.

Vatikan | Bonn/Hamburg - 08.03.2017

Papst Franziskus hat eine mögliche Öffnung bei der Vorschrift der Ehelosigkeit für Priester angedeutet. In einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit" (Donnerstag) äußerte er sich zur Frage, ob verheiratete, erprobte Männer, sogenannte "Viri probati", unter bestimmten Bedingungen Priester werden sollten.

Er erklärte, es gehe "der Kirche stets darum, den richtigen Augenblick zu erkennen, wann der Heilige Geist nach etwas verlangt". Weiter sagte der Papst: "Wir müssen darüber nachdenken, ob Viri probati eine Möglichkeit sind. Dann müssen wir auch bestimmen, welche Aufgaben sie übernehmen können, zum Beispiel in weit entlegenen Gemeinden."

Papst erteilt freiwilligem Zölibat eine Absage

Zugleich wandte sich Franziskus gegen den Vorschlag, die Ehelosigkeit der Priester einer freien Entscheidung der Kandidaten zu überlassen. Immer wieder werde über den freiwilligen Zölibat gesprochen, vor allem dort, wo es an Klerus mangele, so Franziskus. "Doch der freiwillige Zölibat ist keine Lösung."

Die Forderung nach einer Ausnahmeregelung für "Viri probati" wird in der katholischen Kirche seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962 - 1965) immer wieder erhoben. Die katholische Kirche lässt verheiratete Kleriker bislang nur in drei Ausnahmen zu: als Priester einer katholischen Ostkirche; als Priester, die als verheiratete Pfarrer aus einer evangelischen oder anglikanischen Kirche übergetreten sind; oder als verheiratete Diakone, die aber keine Priester werden können.

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Können verheiratete Männer den Priestermangel beheben? Die Theologen Helmut Hoping und Philipp Müller sehen jedenfalls Chancen. In einem gemeinsamen Text stellen sie konkrete Forderungen an die Bischöfe.

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Mit Blick auf ein mögliches Diakonat der Frau sagte der Papst, dass es ihm mit der Einrichtung eine entsprechenden Kommission darum gegangen sei, "das Thema zu erforschen, und nicht, eine Tür zu öffnen". Ein syrischer Professor habe ihm dazu erklärt, dass es nicht die Frage sei, ob es geweihte Frauen gegeben habe oder nicht, sondern was diese getan hätten. "Er nannte drei Dinge: Die Frauen halfen bei der Taufe, bei der Salbung kranker Frauen, und wenn eine Frau sich beim Bischof darüber beklagte, von ihrem Mann geschlagen zu werden", so Franziskus. Er sei gespannt, was die Kommission noch herausfinden werde und wolle an deren nächstem Treffen im März teilnehmen.

Franziskus: Ich bin ein Sünder

Der Papst sprach in dem Interview aber auch über sich selbst. Auch er kenne Glaubenskrisen und Momente der Leere und des Zweifels. "Ohne Krisen kann man nicht wachsen." Und: "Ein Glaube, der nicht in die Krise gerät, um an ihr zu wachsen, bleibt infantil." Auch Petrus habe Jesus verleugnet und sei doch zum Oberhaupt der Kirche geworden, betonte der Papst. Wer immer sicher sei, sei in Wahrheit ein Fundamentalist. Jesus liebe die Sünder mehr als die Gerechten. "Es gibt durchaus dunkle Momente, in denen ich sage: Herr, das begreife ich nicht", erläuterte Franziskus. Das gelte auch für Bedrängnisse, die er sich selbst eingebrockt habe. "Denn ich bin ein Sünder, und dann werde ich wütend." Letztes habe er sich allerdings inzwischen fast abgewöhnt.

Auf die Frage, ob er auch Momente kenne, in denen er grundlegend an Gott und Jesus zweifele, sagte Papst Franziskus: "Ja, ja ... Momente der Leere ... Ich habe von dunklen Momenten gesprochen und von leeren Momenten. Ich kenne auch die leeren Momente." Nach Überzeugung des Papstes ist der Glaube ein Geschenk und "nichts, was man sich erwirbt". "Man muss den Herrn demütig um den Glauben bitten", fügte Franziskus hinzu. Manchmal müsse man in einer Krise verharren und darum bitten, dass der Glaube zurückgegeben werde – "früher oder später". Glaube sei für ihn Licht, Geschenk, Überzeugung und die Fähigkeit, das eigene Leben zu deuten. Für den, der glaube, sei alles möglich.

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Zwölf Fachleute sollen für Franziskus eine brisante Frage untersuchen: Welche Rolle spielten Diakoninnen in der frühen Kirche? Ihre Ergebnisse dürfte auch die aktuelle Debatte über weibliche Diakone befeuern. (Artikel von November 2016)

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Zu einem möglichen Deutschlandbesuch im Reformationsjahr sagte Franziskus: "Der Terminkalender ist dieses Jahr sehr voll." Neben den beiden Kirchen habe ihn auch die Kanzlerin eingeladen: "Aber das wird schwierig dieses Jahr, es sind so viele Reisen geplant." Auch für 2018 kenne er noch keine Pläne für eine Deutschlandreise. Um dem Problem vorzugreifen, sei er 2016 zu den Lutheranern nach Schweden gereist, um den Beginn des Reformations-Gedenkjahres zu begehen und das 50-jährige Jubiläum des katholisch-protestantischen Dialogs zu feiern. Zugleich würdigte er den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, den er kürzlich im Vatikan getroffen hatte. "Er ist ein guter Mann. Er hat Feuer im Herzen."

Papst nimmt Kardinal Burke in Schutz

Franziskus äußerte sich außerdem noch einmal zu den Auseinandersetzungen im Malteserorden. Dabei nahm er den amerikanischen Kardinal Raymond Leo Burke in Schutz. "Ich empfinde Kardinal Burke nicht als Widersacher", sagte er. Der Kardinal sei immer noch Patron des Malteserordens. Das Problem sei eher gewesen, dass "Kardinal Burke mit der Sache nicht umgehen konnte, weil er nicht mehr allein agierte". Es gehe darum, "beim Orden ein wenig aufzuräumen, und deshalb habe ich einen Delegaten dorthin geschickt, der über ein anderes Charisma verfügt als Burke".

Franziskus betonte, Burke sei ein exzellenter Jurist. Er habe ihn wegen eines schrecklichen Missbrauchsfalls auf die Insel Guam geschickt. Dieser Auftrag sei fast schon erledigt. "Dafür bin ich ihm sehr dankbar." Der Papst wandte sich damit gegen Gerüchte, er habe den Kardinal quasi in die Verbannung geschickt. (bod/KNA)

08.03.2017, 17.12 Uhr: ergänzt um die Aussagen zu Kardinal Burke

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