Putzende Engel, weinender Märtyrer

Sternschnuppen machen den Sommermonat August zu etwas ganz Besonderem. Gerade in den nächsten Nächten stehen die Chancen gut, welche am Himmel zu sehen. Doch was sagt das Naturschauspiel über unseren Glauben aus?

Brauchtum | Bonn - 09.08.2015

Im August sind die Nächte ganz besonders. Oft noch sehr warm und trocken, so dass man gute Voraussetzungen hat, um eine Nacht draußen zu verbringen. Und dann kann es passieren, dass auf einmal die ein oder andere Sternschnuppe zu sehen ist. Der Volksmund sagt: Wer eine Sternschnuppe sieht, darf sich etwas wünschen. Die Voraussetzung für die Erfüllung des Wunsches ist allerdings, dass dieser im Augenblick des Aufscheinens der Sternschnuppe formuliert wird, aber keinesfalls laut gesagt werden darf. Also blitzschnell denken, aber bitte nichts verraten.

Und so gibt es Nachtschwärmer, die in den Augustnächten gezielt den Himmel nach den kleinen Lichtschweifen absuchen - natürlich schon mit einem Wunsch im Herzen, der auf jeden Fall in Erfüllung gehen soll. Warum Sternschnuppen quasi Wünsche erfüllen, dazu gibt es verschiedene Geschichten. Eine spricht von Engeln, denen beim Putzen der Himmelsleuchter die glühenden Dochte hinunterfallen. Diese Engel sollen dann an der Seite des Wünschenden stehen.

Die Tränen des heiligen Laurentius

Eine andere Geschichte spricht davon, dass jedes plötzliche Leuchten am sommerlichen Nachthimmel eine Träne des heiligen Laurentius sei. Der starb am 10. August 258 den Märtyrertod und vergoss dabei Tränen. Jedes Mal, wenn also ein Staubkörnchen in der Atmosphäre verglüht, vergießt der heilige Laurentius eine Träne. Weil er als Märtyrer verbrannt wurde, gilt Laurentius heute unter anderem als Schutzpatron für Bäcker, Köche und Feuerwehrleute, aber auch als Patron der Schüler, Studenten und noch vieler anderer.

Heilige und Schutzpatrone werden in der katholischen Kirche traditionell angerufen, bei Gott Fürsprache einzulegen. Denn sie sind Christus schon ähnlicher als wir Menschen auf der Erde. Oder, wie es der heilige Dominikus von sich einmal gesagt haben soll: Im Himmel nütze ich euch mehr als auf Erden. Da steht der feste Glaube dahinter, dass die Heiligen in einer besonderen Verbindung zu Gott stehen. Deswegen können sie dann auch die Menschen mit ihren Wünschen besser in Verbindung mit Gott bringen. Es ist also nicht zwangsläufig nötig, auf eine Augustnacht mit einem Sternschnuppenregen zu warten, um seine Wünsche und Anliegen loszuwerden. Aber die Sternschnuppen können doch ein wichtiger Hinweis sein.

Der heilige Laurentius mit Florian (l.) und Wendelin (Oberrhein, um 1510/1520).
Eine Legende über Sternschnuppen besagt, dass sie Tränen des heiligen Laurentius sind.
 KNA

Sie verweisen darauf, dass wir Menschen nicht alles selber machen können. Bei allen Talenten und Fähigkeiten, die der Mensch hat und die er ja auch einsetzen soll, stößt er doch immer an Grenzen. Und da hilft manchmal nur das Wünschen. Und gleichzeitig wird einem Menschen, der am Nachthimmel eine Sternschnuppe entdeckt, wohl zwangsläufig deutlich, wie klein er bei aller Größe eigentlich ist. Kein Mensch kann so ein Schauspiel an den Himmel bekommen, selbst ein Feuerwerk bleibt dahinter zurück. Und gerade in solchen Nächten wird einem klar, wie groß und unendlich der Kosmos, also alles Geschaffene ist.

Sternschnuppen lassen uns staunen und wünschen

Dieses Geschaffene ist doch ein echtes Wunder. So lässt sich vielleicht auch erklären, warum die Menschen in den Sternschnuppen nicht einfach nur verglühenden Kometenstaub oder im Zweifelsfall sogar verglühenden Weltraumschrott sehen. Stattdessen rührt das Phänomen Menschen auf der ganzen Welt an und lässt uns staunen und wünschen. Und selbst wenn man nicht so recht daran glauben kann, dass ein Heiliger den eigenen Wunsch Gott ans Herz legt oder dass einem ein putzender Engel zur Seite steht, so ist es doch gut, für sich den Wunsch zu formulieren, wenn man das Glühen am Nachthimmel sieht. Denn wer eine Hoffnung auf etwas in der Sekunde der Sternschnuppe formulieren kann, der hat sie klar vor Augen. Der weiß, was er will.

Und allein das bringt den Menschen schon weiter, denn Heinrich Spaemann sagt: "Was wir im Auge haben, das prägt uns, dahinein werden wir verwandelt. Und wir kommen, wohin wir schauen." Es ist also gut, dahin zu schauen, wohin man kommen möchte. Dabei kann eine Augustnacht mit und ohne Sternschnuppen helfen, das ins Auge zu fassen, wohin man verwandelt werden möchte. Und den Beistand des eigenen Namenspatrons, des heiligen Laurentius oder eines anderen Heiligen kann man immer erbitten, denn die wunderbaren Sternschnuppen machen deutlich: Es gibt viel mehr, als wir auf den ersten Blick verstehen können.

Von Sr. Kerstin-Marie Berretz OP

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