Regensburg: Denkmal für Benedikt XVI. eingeweiht

Ein goldenes Haus auf einer Stele vor der Schottenkirche Sankt Jakob erinnert fortan an den Papstbesuch von 2006. Benedikt XVI. bedankte sich in einem Grußwort - und nutzte es für einige kritische Worte.

Kunst | Regensburg - 13.09.2017

In Regensburg ist am Dienstagabend ein Denkmal in Erinnerung an den Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Stadt vor elf Jahren errichtet worden. Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nahm die Segnung des vor dem Portal der Schottenkirche Sankt Jakob errichteten Kunstwerks vor. Es stammt von dem Eggenfeldener Künstler Joseph Michael Neustifter und stellt ein Haus dar. Der Bildhauer schuf auch mehrere Benediktsäulen, unter anderem eine in Marktl am Inn sowie eine Benediktstatue in Altötting.

Benedikt war überrascht

Ebenfalls anwesend war der Papstbruder und frühere Regensburger Domkapellmeister Georg Ratzinger. Gekommmen war zudem der Privatsekretär des emeritierten Kirchenoberhaupts, Erzbischof Georg Gänswein, der ein Grußwort von Benedikt XVI. verlas. Darin schrieb dieser, er freue sich, dass das Denkmal nun aus vielfältigen Überlegungen heraus Gestalt angenommen und einen spezifischen Ort gefunden habe. Zunächst sei er aber ein wenig überrascht gewesen, dass man ein Haus als Einladung zum Erinnern gewählt habe. "Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto angemessener empfinde ich diese Lösung."

Papst Benedikt. XVI. bei einer Messe im Vatikan
Papst Benedikt. XVI. bei einer Messe im Vatikan
 picture alliance / dpa / Alessandro Di Meo

Der emeritierte Papst erinnerte an das Motto seines Bayern-Besuchs 2006 "Wer glaubt, ist nicht allein". Dieser Satz finde sich nun auch in dem Haus ausgedrückt, denn ein Haus sei Heimat und schenke Gemeinschaft und Geborgenheit. Das Bild des Hauses drücke den Gegensatz aus zum Verlassensein, zur Einsamkeit, die heute so viele Menschen bedrohe, erinnerte der emeritierte Benedikt XVI.

Dabei übte er auch Kritik an den sozialen Medien. "Mitten in einem Zeitalter, in dem niemand mehr allein zu sein scheint, sondern immerfort Kontakte aller Art stattfinden, scheint gerade dieses universale Miteinander wirkliche Begegnung vom Ich zum Du, von Herz zu Herz unmöglich zu machen." Die mediale Begegnung schließe "uns nicht mehr füreinander auf, sondern sie schließt uns zugleich von innerster persönlicher Nähe ab", so Benedikt XVI., in dessen Pontifikat der päpstliche Twitteraccount eingerichtet wurde. Das Haus dagegen verweise auf das wirkliche Miteinander, "in dem wir miteinander arbeiten, zu Tisch sitzen, Freude und Trauer miteinander verkosten".

Bei dem Kunstwerk handelt es sich um ein stilisiertes Haus aus Bronze, das auf einer Stele aus schwarzem Granit steht. Darauf finden sich unter anderem eine Darstellung der Patrona Bavariae, der Schutzpatronin Bayerns, sowie Sätze aus Predigten und Ansprachen, die der Papst bei seinem Regensburger Besuch gehalten hat.

Voderholzer: Regensburger Rede akuteller denn je

Der Segnung vorausgegangen war eine Pontifikalvesper mit Bischof Voderholzer. In seiner Predigt erinnerte er an den Besuch von Papst Benedikt XVI. im September 2006 im Rahmen von dessen Bayern-Reise sowie an die sogenannte Regensburger Rede, die heute aktueller denn je sei. Zugleich dankte er dem emeritierten Papst für sein Grußwort, in dem er in seinem "unnachahmlichen Stil" das Denkmal deute. (gho/KNA)

13.09.2017, 16:45 Uhr: ergänzt um weitere Details

Linktipp: Papst Benedikt XVI.

Ganz Deutschland war sozusagen Papst: Von 2005 bis 2013 leitete Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. die katholische Kirche. Seit seinem historischen Rücktritt lebt der emeritierte Papst weitgehend zurückgezogen im Vatikan. Seine seltenen Auftritte bündelt katholisch.de auf dieser Themenseite.

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