Gelächter statt Glockenspiel von der Nicolaikirche

Über Bielefeld lacht sogar der Kirchturm

Veröffentlicht am 26.04.2017 um 13:45 Uhr – Lesedauer: 3 MINUTEN
Evangelische Kirche

Bielefeld ‐ Wer in Bielefeld zurzeit den Glockenschlag der Nicolaikirche hören möchte, bekommt stattdessen ein lautes Lachen entgegengeschmettert. Die Aktion ist ein Plädoyer für mehr Heiterkeit und Gelassenheit.

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Muss ich mich von einem Kirchturm auslachen lassen? Diese Frage könnte man sich im westfälischen Bielefeld derzeit ernsthaft stellen. Bis zum 7. Mai, dem "Weltlachtag", ist dort vom Turm der evangelischen Altstädter Nicolaikirche lautes Lachen statt Glockengeläut zu hören. "Es geht um eine positive Lebenshaltung, ein Plädoyer für mehr Gelassenheit und Heiterkeit im Leben", sagte der Pfarrer der Nicolaikirche, Armin Piepenbrink-Rademacher, der Zeitung "Neue Westfälische" bereits in der vergangenen Woche. Die gute Laune komme in Zeiten von Terror und Populismus zu kurz. Lachen sei Weltsprache; wer lacht, könne nicht aggressiv sein. "Insofern ist es auch eine Friedensbotschaft", sagte der Pfarrer in dem Interview.

Zum Lachen

Wer den lachenden Kirchturm hören möchte, kann das auf der Internetseite der "Neuen Westfälischen" tun.

Dass über die Dächer der Bielefelder Altstadt derzeit das mehrstimmige Gelächter schallt, ist einer Klanginstallation der Frankfurter Künstlerinnen Carolyn Krüger und Brigitte Kottwitz zu verdanken. "Immer um Viertel nach wird 15 Sekunden lang gelacht, zur halben Stunde 30 Sekunden lang, um Viertel vor 45 Sekunden und zur vollen Stunde dann eine Minute lang", erklärt Piepenbrink-Rademacher. Ob das den Bielefeldern nicht auf die Nerven gehen kann? Nein, meint der Pfarrer: "Das 15-Sekunden-Lachen werden viele eher als zu kurz empfinden." Kaum habe es begonnen, sei es schon wieder vorbei.

Auch für die Kirche sei Lachen "ein wichtiges Mittel der Kommunikation", so Piepenbrink-Rademacher. Sie konzentriere sich zu häufig auf "ernste, existentielle Themen". Die Kirche dürfe deshalb durchaus auch mal kichern: "Das Evangelium ist schließlich eine frohe Botschaft. Lachen ist unglaublich gesund", sagte der Pfarrer. Das Gehirn schalte auf Fröhlichkeit und sofort herrsche eine freudige Stimmung. "Die brauchen wir auch in der Kirche", betonte Piepenbrink-Rademacher. Die Aktion ist übrigens nicht die erste dieser Art an der Nicolaikirche: Im Osterlach-Gottesdienst habe man letztes Jahr "Lachyoga" ausprobiert, so der Pfarrer. (tmg)