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Zehn Tipps für ein gutes Gebet

Wer regelmäßig betet, kann schneller das Gedankenkarussell abschalten. Wie das leichter fällt, was man sagen kann und was man beim Beten auf gar keinen Fall tun sollte, hat katholisch.de zusammengefasst.

Glaube | Bonn - 19.10.2016

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Gebet? Was soll ich dabei sagen? Und was sollte ich beim Beten auf gar keinen Fall tun? Viele Gläubige tun sich mit dem persönlichen Gebet schwer, gerade wenn sie keine Übung darin haben. Katholisch.de gibt Ihnen zehn Hinweise, wie es sich besser betet.

1 – den richtigen Ort finden

Nach Möglichkeit sollten Sie sich einen ruhigen Platz zum Beten suchen. Natürlich können Sie überall ein Gebet sprechen, aber wenn es um Sie herum ruhig ist, fällt es Ihnen leichter, innerlich still zu werden. Vielleicht reservieren Sie eine ruhige Ecke bei sich zu Hause speziell für das Gespräch mit Gott. Und wenn Sie gerade unterwegs sind: Gehen Sie einfach in die nächste Kirche! Geübte können sich eine Ruhezone auch mitten im Alltag einrichten. Einfach alles auf die Seite schieben und für einen Moment das Kreuz, ein Bild oder die Bibel in den Blick nehmen.

2 – nehmen Sie sich Zeit

Ein gutes, wertvolles Gebet kann manchmal nur einen Augenblick dauern: gerade so lange, wie man braucht um "Danke" oder "Bitte" zu sagen. Besser ist aber, Sie nehmen sich etwas mehr Zeit für Ihr Gebet. Mindestens so viel, dass Sie es schaffen, zunächst das Gedankenkarussell im Kopf abzustellen und sich zu sammeln. Das kann einige Minuten dauern, ist es aber auf jeden Fall wert! Wer das regelmäßig und bestenfalls immer zur gleichen Zeit tut, wird sich daran gewöhnen. Grundsätzlich gilt: Gott ist immer da und immer ansprechbar. Tagsüber, nachts, in guten wie in schlechten Zeiten.

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Pater Philipp Meyer von der Benediktinerabtei Maria Laach erklärt das Kreuzzeichen und seine Bedeutung.
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3 – Gott ist Ihr Freund

Gott kennt Sie, er ist Ihnen näher als es ein anderer Mensch je sein könnte. Sie sollten ihn also ganz unbefangen mit "Du" ansprechen. Überlegen Sie sich, ob es eine Ansprache gibt, die Ihnen besonders viel bedeutet: Guter Gott, Vater, Herr, mein Retter; es gibt viele Möglichkeiten. Und vergessen Sie nicht die anderen Personen der Dreifaltigkeit: Vielleicht können Sie besser mit Jesus Christus sprechen? In manchen Situationen, etwa wenn Sie eine schwere Aufgabe zu bewältigen haben, ist besonders die Hilfe des Heiligen Geistes gefragt.

4 – aus dem Schatz der Kirche schöpfen

Wer nicht so geübt ist im persönlich formulierten Gebet, kann auf den erprobten Gebetsschatz der Kirche zurückgreifen. Vorformulierte Sätze aus der langen kirchlichen Gebetstradition können oft freier sein als ein spontanes Gebet. Zu jeder Gelegenheit eine gute Wahl ist das Gebet des Herrn, das Vaterunser. Aber auch die Psalmen bieten viele wertvolle Gebete für alle Lebenslagen. Eine weitere gute Quelle ist das tägliche Stundengebet der Kirche.

Rubrik: Unsere Gebete

Wir beten, weil wir Gott danken möchten. Aber auch, weil wir ihn um Hilfe in Notsituationen und Lebenskrisen bitten dürfen. Katholisch.de stellt zentrale Gebete vor.

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5 – Rituale helfen

Auch Rituale und Gesten helfen beim Beten. Man kann etwa seine Bitten wie in einem Tagebuch aufschreiben oder einen Stein mit einem Stoßgebet ins Wasser werfen. Beten kann sich zudem auch körperlich ausdrücken, etwa wenn man sich mit geöffneten Armen vor ein Kreuz stellt oder vor Gott in der Kirchenbank kniet. Auch das Entzünden von Opferkerzchen kann einen festen Platz im Gebetsleben haben.

6 – Beten Sie frei von der Leber weg

Wenn Sie Ihr Gebet frei formulieren: Hüten Sie sich vor Floskeln! Am besten ist es, beim Beten aufrichtig, ernsthaft und ehrlich zu sich selbst zu sein – und damit vor Gott. Nur geradeheraus mit der Sprache, direkt und ohne Scheu! Bevor Sie beginnen, denken Sie darüber nach, wofür Sie dankbar sind und worum Sie von Herzen bitten möchten. Halten Sie Ihr Gebet einfach, keine langen Sätze und keine komplizierten Erklärungen. Und bitte kein magisches Verständnis vom Gebet: Sie können mit Gott ganz konkret sprechen, ohne Worthülsen und abstrakte Formeln.

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Die Dominikanerin Schwester Ursula Hertewich aus Koblenz betet das "Vater unser" und erklärt, was das Gebet bedeutet.
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7 – Beten ist kein Ponyhof

Beten ist auch "ein Ringen mit Gott", sagt Benediktinerpater Anselm Grün. Daher gilt: Klagen, Schimpfen, aber auch Weinen ist erlaubt! Vielleicht finden Sie Trost in der biblischen Geschichte von Ijob: Er klagt bitterlich über sein Leben, wünscht sich sogar, nie geboren zu sein. Doch er sagt auch: "Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen; gelobt sei der Name des Herrn." (Ijob 1,21)

8 – Einfach mal gar nichts sagen

Wenn Ihnen beim Beten nichts einfällt oder Ihnen in manchen Situationen des Lebens schlicht die Worte fehlen: Sagen sie nichts. "Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet", verspricht uns Jesus (Mt 6,8). Stellen Sie sich einfach vor Gott. Oft kommen dann die Worte, die einem weiterhelfen, wie von selbst. Und manchmal erhört Gott unsere Gebete schon, bevor wir sie überhaupt aussprechen. Die Bibel sagt das so: "Schon ehe sie rufen, gebe ich Antwort, während sie noch reden, erhöre ich sie." (Jes 65,24)

9 – Sie sind nicht allein

Manchem fällt es leichter, in Gemeinschaft zu beten. Mut dazu macht auch Jesus mit seiner Einladung: "Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten." (Mt 18,19) Wer sich schwer tut beim Formulieren von Bitten im Beisein von anderen, sollte seine Gedanken vor allem kurz und knackig formulieren. Die Mitbeter werden dem Beispiel gerne folgen.

10 – Amen

Amen: So kurz kann ein Gebet sein. Es bedeutet im Hebräischen neben der üblichen Übersetzung "so sei es" auch "sich fest machen, sich verankern in Gott, sich ausrichten auf Gott". Ein aufrichtiges Amen sagt viel mehr als seine vier Buchstaben. Wer es sagt, bringt seine Überzeugung und Entschiedenheit zum Ausdruck, an Gott festzuhalten. Und schließlich haben wir allen Grund, daran zu glauben, dass unsere Gebete bei Gott gut aufgehoben sind. Denn Jesus selbst sagt: "Alles, worum ihr betet und bittet – glaubt nur, dass ihr es schon erhalten habt, dann wird es euch zuteil." (Mk 11,24)

Von Madeleine Spendier und Kilian Martin

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