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Das Benedictus

Jeden Morgen betet die Kirche den Lobgesang "Benedictus" des Priesters Zacharias. Er freut sich über die Geburt seines Sohnes Johannes des Täufers - der wiederum als Prophet auf Jesus verweist, den lange erwarteten Messias.

Unsere Gebete | Bonn - 20.12.2015

Der Lobpreis eines Vaters nach der Geburt seines ganz besonderen Sohnes - das Benedictus ist eines der wichtigeren Evangelientexte. Im Stundegebet, in den Laudes am Morgen, hat es seinen festen Platz in der Liturgie.

Zacharias, einem alten Priester, werden von einem Engel zwei große Nachrichten verkündet: Seine alte Frau wird einen Sohn gebären – Johannes, den Täufer. Und dieser Sohn wird nur Vorbote sein für den Retter des ganzen Volkes Israels, den erwarteten Messias. Zacharias glaubt Gott erst nicht. Dafür – eher zur Besinnung denn als Strafe – macht ihn Gott stumm, neun Monate lang bis zur Geburt seines Sohnes. Was Zacharias in dieser Zeit des Nachdenkens erkannt hat, besingt er nach der Geburt von Johannes im Benedictus.

Jeden Morgen beginnt die Kirche im Stundengebet ihren Tag mit dem Lobpreis Gottes: "Gepriesen sei der Herr!" Das scheint erstmal so ganz selbstverständlich – den Morgen mit einem Lob zu beginnen. Aber gerade der Priester Zacharias zeigt, dass es eben nicht selbstverständlich ist. Er glaubt nicht daran, dass Gott Gebete erhört und seine Verheißung erfüllt. Gerade er, der von Geburt zu Dienst an Gott für sein Volk bestimmt ist, scheint die alten überlieferten Verheißungen nicht als Gottes Zusage auch für sich selbst zu verstehen. Nein, Zacharias hat neun Monate gebraucht um das glauben zu können, neun Monate Zeit zum Nachdenken über das, was ihn da erwartet.

Glaube an die Verheißung Gottes

Zacharias besingt jetzt, was er erkannt hat in dieser Zeit: "Gott hat sein Volk besucht", "er hat uns einen starken Retter erweckt" und erlöst uns. Zacharias glaubt jetzt der Verheißung Gottes, dass der Messias kommen wird. Der alte Mann glaubt, dass sein später Sohn Vorbote für eine bessere Welt ist, für den seit Jahrtausenden erwarteten Messias.

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Sr. Ursula Hertewich betet das Benedictus. Danach erklärt sie, wann es von der Kirche gebetet wird und was ihr das Gebet bedeutet.
 katholisch.de

Zacharias bleibt sich treu in seinem Jubel, er bleibt ein Mann seines Volkes, ein Gelehrter. Er weiß um die Not seines Volkes – in der ganzen Geschichte und jetzt, unter der römischen Besatzung und Unterdrückung. Zacharias erzählt von Feinden, von Hass, vom Ausgeliefert-Sein. Dabei zitiert er viele alte jüdische Texte, er nimmt die ganze Erfahrung seines Volkes mit in diese Beschreibung der Situation. Gott hat sein Volk immer wieder besucht und ihm neue Hoffnung gegeben – Noah mit dem Regenbogen, Mose in der Wolkensäule, mit den Königen und den Propheten.

Und wie der alte Mose jetzt an der Schwelle zum verheißenen Land steht, ohne es selber betreten zu können, steht jetzt Zacharias vor der Schwelle zum neuen Bund. Er, der alte Mann, wagt den Blick in die Morgensonne, hin zum Neuanfang: In diese unheile Welt hinein wird sein Sohn, Johannes der Täufer, geboren und mit seinem Sohn kommt das Heil – Jesus, der Retter Israels, der angekündigte Messias.

Das Heil für das ganze Volk ist da!

Hier singt ein Priester, für den sich erfüllt, was er glaubt und woran er im letzten Moment gezweifelt hat. Da spricht ein Mann aus einem unterdrückten Volk über die Not und Hoffnungslosigkeit. Und ein stolzer Vater jubelt: Das Heil für das ganze Volk ist da! Gott ist treu in seinem Erbarmen!

Auf dem Gemälde begegnen sich zwei Frauen und umarmen sich.
Der stumme Zacharias (links) sieht zu, wie die schwangere Maria seine hochschwangere Frau Elisabet besucht.
 picture alliance/Godong

Danach wendet sich Zacharias an seinen neugeborenen Sohn in einem einzigartigen Willkommenssegen: "Und du Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen..." Johannes der Täufer wird ein Wegbereiter sein für Gott, Prophet und selber Zeichen. Mit jedem Kind, das geboren wird, beginnt Gott mit den Eltern zusammen eine neue Geschichte voller Hoffnung. Zacharias, der Vater, erkennt jetzt die Berufung seines Sohnes: Vorbote zu sein, Sünden zu vergeben und Gottes Heil zu verkünden.

Jeden Morgen, so fordert der Text alle Leser auf, erinnert uns Gott an unsere Berufung zu: "Auch du wirst heute von Gott gebraucht, so einzigartig, wie du von Gott geschaffen bist. Auch Du kannst Gott den Weg bereiten, Heil schenken und großzügig vergeben." Und wir können mit Zacharias und entlang Gottes Liebe weiter sehen: auf Jesus, "das aufstrahlende Licht aus der Höhe."

Gemeinsam mit Zacharias beten die Katholiken diesen Text bei der aufgehende Sonne: So sicher und hell, wie die Sonne kommt und alles Dunkel vertreibt, so kommt uns Jesus an diesem neuen Tag entgegen. Wie der neugeborene Johannes und wie Zacharias dürfen alle Christen jeden Morgen neu an Gottes Verheißung und Erlösung glauben. Auch, wenn es uns am Tag vielleicht manchmal die Sprache verschlägt.

Das Benedictus (Lk 1,68-79)

Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!

Denn er hat sein Volk besucht und ihm Erlösung geschaffen,

er hat uns einen starken Retter erweckt im Hause seines Knechtes David.

So hat er verheißen von alters her durch den Mund seiner heiligen Propheten.

Er hat uns errettet vor unseren Feinden und aus der Hand aller, die uns hassen;

er hat das Erbarmen mit den Vätern an uns vollendet und an seinen heiligen Bund gedacht,

an den Eid, den er unserm Vater Abraham geschworen hat;

er hat uns geschenkt, dass wir, aus Feindeshand befreit, ihm furchtlos dienen

in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinem Angesicht all unsre Tage.

Und du, Kind, wirst Prophet des Höchsten heißen; denn du wirst dem Herrn vorangehen und ihm den Weg bereiten.

Du wirst sein Volk mit der Erfahrung des Heils beschenken in der Vergebung der Sünden.

Durch die barmherzige Liebe unseres Gottes wird uns besuchen das aufstrahlende Licht aus der Höhe,

um allen zu leuchten, die in Finsternis sitzen und im Schatten des Todes, und unsre Schritte zu lenken auf den Weg des Friedens.

Von Sr. Birgit Stollhoff CJ

Dossier: Stundengebet

Das Brevierbeten ist eine alte klösterliche Tradition, die die römische Kirche allen Priestern und Ordensklerikern erst im 16. Jahrhundert zur Pflicht machte. Heute wird das Stundengebet auch Laien empfohlen.

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