Der christliche Orden

Das Leben von Mönchen und Nonnen ist so vielfältig wie die Anzahl der vorhandenen Ordensgemeinschaften. Zudem sind Klöster kulturelle und spirituelle Anziehungspunkte.

Ein christlicher Orden oder eine christliche Ordensgemeinschaft ist eine klösterliche Gemeinschaft von Männern oder Frauen, die unter der Leitung eines Oberen oder einer Oberin nach bestimmten Regeln zusammen lebt, um ein geistliches Leben zu führen. Orden leitet sich ab vom Lateinischen „Ordo“ und bedeutet eigentlich „Ordnung, Rang, Stand.“ Der Begriff Orden als Bezeichnung klösterlicher Gemeinschaften ist erst im Hochmittelalter entstanden und im Sinne des Wortes eine eher kirchenrechtliche Bezeichnung, die den Orden als organisierte Form einer geistlichen Gemeinschaft sieht. Grundlegend für das Leben in einer Ordensgemeinschaft ist die christliche Lebensform. Zum Lebensstil der Ordensgemeinschaften gehören meistens eine Ordenstracht und die enge Verbindung von Arbeit und Gebet. Wer als Mönch, Ordenspriester oder Ordensbruder bzw. als Nonne oder Ordensschwester in einem Orden lebt, verpflichtet sich außerdem zu Ehelosigkeit, Armut und Gehorsam, den so genannten drei Evangelischen Räten, die auf Jesu Leben und Lehre zurückgeführt werden: Die drei Evangelischen Räte sind Empfehlungen, die Jesus den Menschen gab, die nach einem vollkommenen Leben strebten. Nach den Evangelischen Räten zu leben bedeutet, in besonderer Weise von Gott berufen zu sein und ist dann sinnvoll, wenn der oder die Berufene sich freiwillig zum Eintritt in einen Orden entscheidet.

Entstehung und Lebensweise der Ordensgemeinschaften

Die Lebensweise der Ordensgemeinschaften geht auf das christliche Mönchtum zurück, das wiederum seinen Anfang in der urchristlichen Askese nahm. Als Reaktion auf den Aufruf Jesu, ihm nachzufolgen und in der Erwartung des nahenden Reiches Gottes schienen den Christen der Urkirche irdische Dinge nicht mehr so wichtig. In der Distanz zu allem Weltlichen bildete sich eine christlich geprägte Askese. Die Einübung in geschlechtliche Enthaltsamkeit, Fasten oder Bedürfnislosigkeit „um des Himmelreiches willen“ (Matthäus 19,12) galt als geeignetes Mittel, dem Beispiel Jesu in besonderer Weise zu folgen. Die zunehmende Organisation kirchlichen Lebens bis zum 3. Jahrhundert war der Grund für den Aufbruch der Asketen in die Wüsten Syriens und Ägyptens. Dort konnten sie uneingeschränkt ihr Ideal christlicher Askese verwirklichen. Als Einsiedler oder Einsiedlergemeinschaften folgten sie einer einheitlichen Lebensform in einem Kloster unter der Leitung eines Oberen. Die Einsiedlergemeinschaften als frühe Form der christlichen Ordensgemeinschaft bildeten eine eigene kirchliche Gemeinschaft neben den anderen christlichen Gemeinden, ohne in Konkurrenz zu diesen zu stehen.

Die weitgehende Unabhängigkeit des frühchristlichen Mönchtums konnte nicht aufrecht erhalten werden, da im frühen Mittelalter Kirche und Staat die Klöster in ihren Dienst nahmen. Durch die Verpflichtung, Orte der Bildung und Kultur zu werden, erfuhren die Klöster und mit ihnen das Mönchtum eine enorme Ausbreitung und wachsendes Ansehen. Doch die Abhängigkeit von Staat und Kirche führte zu einer Vereinheitlichung des Mönchtums und beraubte es seiner spirituellen Kraft. Erst neue Reformen aus dem Mönchtum selbst ließen eine Vielzahl neuer Ordensgemeinschaften entstehen, darunter zahlreiche Frauenorden. Die so genannte Armutsbewegung des 12. und 13. Jahrhunderts als Reaktion auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen führte zur Entstehung der Bettelorden wie Dominikaner, Franziskaner, Augustiner-Eremiten und Karmeliten. Zeitgleich wurde das Ordensleben in Bezug auf Tätigkeiten, Lebensstil und Verfassung neu organisiert: die Ordensgemeinschaften wurden ortsunabhängig, lebten in gemeinsamer Armut und ihre Arbeit bestand hauptsächlich in der Seelsorge. Dieser Ordenstyp blieb richtungsweisend auch für die in der Neuzeit gegründeten Orden. Einschneidend für Mönchtum und Ordensleben war die Reformation im 16. Jahrhundert, die das Ordensleben ablehnte und dazu führte, dass die Klöster in den reformatorischen Ländern geschlossen wurden.

Als Reaktion auf die Reformation erneuerte die katholische Kirche das Ordensleben und so setzte sich ein neuer Ordenstyp durch: Nach dem Vorbild der „Gesellschaft Jesu“ blieben die Orden einerseits der Tradition des Ordenslebens verpflichtet, zugleich sahen sie sich verstärkt im Dienst der Kirche, indem sie durch Predigt, Schule, caritative Arbeit und Exerzitien zur Ausbreitung des Glaubens beitrugen. Ab dem 17. Jahrhundert entstanden so genannte Kongregationen, von Lateinisch „sich versammeln“, als Ordensgemeinschaften, die von ihren Mitgliedern nur einfache Gelübde verlangten und vor allem in der religiösen Erneuerung, in der Volksmission, Priesterausbildung oder in der Missionsarbeit in den außereuropäischen Kolonien pastoral tätig waren. Die verschiedenen Gemeinschaften entwickelten eine eigene Spiritualität, zum Mittelpunkt ihres geistlichen Lebens wurden oft Maria oder Jesus. Im Zeitalter der Aufklärung verschwanden fast alle Ordensgemeinschaften, doch im Zuge der Erneuerung des Ordenslebens und der gesellschaftlichen Veränderungen im 19. Jahrhundert gab es einen regelrechten Boom von Ordensgründungen, die - stets das soziale Elend der Menschen im Blick - pastorale, erzieherische und sozial-caritative Aufgaben übernahmen. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein sorgten insbesondere die weiblichen Orden durch ihre Arbeit in Krankenhäusern, Armenfürsorge, Schule und Erziehung für kirchliches Ansehen. Seit dem II. Vatikanischen Konzil in den 1960ziger Jahren befindet sich das Ordensleben in einer Krise, denn im Zuge der kirchlichen Erneuerung wurden auch die traditionellen Ordensgemeinschaften auf den Prüfstand gestellt. Offensichtlich ist die Zeit der großen Ordensgemeinschaften vorbei, kleinere Gemeinschaften jedoch bleiben attraktiv, auch wenn oft ein Versprechen auf Zeit der lebenslangen Bindung an einen Orden vorgezogen wird.

Im Laufe der Geschichte haben Orden und Ordensgemeinschaften durch ihre je eigene Spiritualität, ihre Seelsorge und ihre Feier des Gotteslobs oft erstaunliche Impulse für das immer wieder zur Routine gewordene kirchliche Leben geben können und so auf besondere Weise Zeugnis für Jesus Christus abgelegt.

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