Das sind die Tipps der deutschen Bischöfe zur Fußball-WM

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland lässt auch viele der deutschen Bischöfe nicht kalt. Bei ihren Tipps - mal mit, mal ohne Sachkenntnis - trauen sie der deutschen Elf einiges zu.

Fußball-WM | Bonn - 12.06.2018

"Ich tippe auf Deutschland, trotz des schlechten Spiels gegen Österreich", fachsimpelt Berlins Erzbischof Heiner Koch, wobei das letzte Vorbereitungsspiel gegen Saudi-Arabien kaum besser war: "Zweiter Favorit ist für mich Frankreich." Auch seine Teamkollegen aus Köln und Eichstätt, Kardinal Rainer Maria Woelki und Bischof Gregor Maria Hanke, setzen darauf, dass die Niederlage im Testspiel gegen die Nachbarn und der nur knappe Sieg gegen Saudi-Arabien "hoffentlich wachgerüttelt" haben und drücken Jogis Jungs alle verfügbaren Daumen.

"Die Mannschaft ist ausgewogen zusammengesetzt: aus erfahrenen, aber auch aus jungen, ehrgeizigen Spielern", betont Hanke. Woelki spielt ein wenig auf Zeit und sagte bei domradio.de: "Vielleicht warten wir einfach mal die Vorrunde ab!" Momentan sehe er hinter der Mission Titelverteidigung noch "einige Fragezeichen".

"Von Fußball habe ich keinen Schimmer"

So fach- und fußballkundig melden sich nicht alle Bischöfe zu Wort in der WM-Umfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Keine Zeit", "kein Interesse" heißt es da schon mal - oder: "Von Fußball habe ich keinen Schimmer, da kann ich mich nur blamieren." Diese Scheu hat Münsters Bischof Felix Genn nicht und bekennt freimütig: "Ich bin kein Fußball-Fan und verstehe auch nicht viel davon. Gerade deshalb kann ich ohne großes strategisches Überlegen ganz optimistisch auf Deutschland tippen."

Ein Fußball liegt auf einem Fußballfeld.
Münsters Bischof Felix Genn bekennt freimütig: "Ich bin kein Fußball-Fan und verstehe auch nicht viel davon. Gerade deshalb kann ich ohne großes strategisches Überlegen ganz optimistisch auf Deutschland tippen."
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Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr begründet seinen Tipp Brasilien eher phonetisch als fußballstrategisch, "da ich häufig aufgrund der Namensähnlichkeit mit Neymar angesprochen werde". Trotzdem hofft er auf die Deutschen und weniger auf den Superstar vom Zuckerhut. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, selbst aktiver Läufer und vielfacher Sportabzeichenträger, prophezeit ein Finale zwischen Deutschland und Spanien. Doch ein erneuter deutscher Triumph wäre "fast ein Wunder". Denn bisher habe nur zweimal ein Weltmeister den Titel verteidigt.

Speyers Bischof: Weltmeister wird Frankreich

"Ich bin mir nicht sicher, ob das zu schaffen ist", orakelt auch Ruhrbischof und Schalke-Fan Franz-Josef Overbeck. Sein Rottenburg-Stuttgarter Amtsbruder Gebhard Fürst ist zuversichtlicher: "Weltmeister? Deutschland natürlich! Obwohl: Frankreich, Spanien und das wiedererstarkte Brasilien sind Mannschaften, die nur schwer zu besiegen sind."

Speyers Bischof Karl-Heinz Wiesemann sieht die westlichen Nachbarn vorne: "Weltmeister wird Frankreich. Die deutsche Elf kommt ins Halbfinale." Der gerade zurückgetretene Bischof von Fulda, Heinz-Josef Algermissen, legt sich fest auf "Deutschland oder Spanien", und der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf gibt sich salomonisch: "Ich freue mich, wenn die Mannschaft gewinnt, die sich durch einen fairen Mannschaftsgeist auszeichnet und den schönsten Fußball spielt." Hildesheims künftiger Oberhirte Heiner Wilmer "geht davon aus, dass eine der favorisierten Mannschaften aus Europa oder Südamerika Weltmeister wird".

Konkreter wird Freiburgs Erzbischof Stephan Burger und tippt "ein Endspiel Deutschland gegen Brasilien". Genau wie der neue Würzburger Bischof Franz Jung, denn "unser Angstgegner Italien ist ja nicht dabei". Zudem würde er sich freuen für die Menschen im brasilianischen Partnerbistum Obidos.

Daumendrücken für Peru und Panama

Auch Burger hofft und wünscht, dass "unser Partnerland Peru eine gute WM spielt". Fürst drückt Neuling Panama die Daumen, und Koch fiebert mit "den Kroaten und den Polen, die in unseren muttersprachlichen Gemeinden so viele Fans haben". Dort will sich der Berliner Oberhirte auch einige der Spiele anschauen, andere "in Pfarreien, die ich an diesem Tag besuche, oder mit der Jugend im Public Viewing".

Jörg Michael Peters, Weihbischof von Trier, im Porträt
"Politik macht sich den Sport gelegentlich zunutze", kritisiert Jörg Michael Peters, der Trierer Weihbischof und Sportbischof der Deutschen Bischofskonferenz ist.
 KNA

Viele andere Bischöfe stimmen ihre Termine weniger auf die WM ab, hoffen aber, zumindest von den deutschen Spielen das ein oder andere mitzukriegen. Allen gemeinsam aber ist der kritische Blick auf die Schattenseiten des Spektakels. Diese dürfe man gerade in Russland nicht aus den Augen verlieren, fordert Overbeck. "Politik macht sich den Sport gelegentlich zunutze", ergänzte der Sportbeauftragte der Bischofskonferenz, Weihbischof Jörg Michael Peters aus Trier.

Kritik an Russland, Doping und der "Geldmaschine Fußball"

"Man darf und muss die mangelhafte Meinungs- oder Pressefreiheit ebenso anprangern wie die Tatsache, dass es im Fußball zunehmend um Millionen statt um Menschen geht", ergänzt Bischof Genn. Und auch Koch findet, "dass bei der Auswahl der gastgebenden Nationen deutlich strengere Maßstäbe gerade im Hinblick auf die Menschenrechtslage angelegt werden müssen". Hier seien "unentschuldbare Fehlentscheidungen gefallen".

Bischof Fürst wünscht sich für die WM, "dass Toleranz und Respekt herrschen statt Abgrenzung und Hass". Und Burger hofft, "dass sich die Fans friedlich begegnen und trotz sportlicher Konkurrenz nicht der Nationalismus überwiegt".

Erzbischof Schick fordert strengere Dopingkontrollen und - genau wie Neubischof Jung - deutliche Worte zu Menschenrechtsverletzungen. Jung hofft zudem, dass "die Menschen im Gastgeberland von der WM profitieren und die WM nicht allein zur Show der Mächtigen und Oligarchen wird". Doch "so bedauerlich es ist, dass Sport mehr und mehr zum Kommerz geworden ist und zum Teil auch für politische Zwecke vereinnahmt wird" - Bischof Hanke wünscht sich abschließend, dass trotz allem "sich die Zuschauer am schönen Spiel erfreuen können".

Von Gottfried Bohl (KNA)

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