Ein altes Kloster mit neuer Mission
Die unterfränkische Mönchsgemeinschaft steht im Vergleich zu vielen anderen Klöstern gut da. Es läuft. Und doch spricht Abt Michael Reepen viel von Veränderung im Jubiläumsjahr zu 1.200 Jahre Abtei Münsterschwarzach.
Natürlich freut sich der 56-Jährige über ausgebuchte Kurse und ein volles Gästehaus. Gut und gern fünf bis zehn Jahre könne man einfach so weitermachen. "Aber die Gefahr besteht, sich auf dem Glanz auszuruhen." Deshalb ist das Jubiläumsjahr vor allem ein Suchen: "Wichtig ist, dass wir am Puls der Zeit bleiben: Für was braucht's uns heute?" fragt der Ordensobere und nennt einen reformfreudigen Vorgänger aus dem 11. Jahrhundert sein Vorbild.
Sechswöchige Sabbatzeit und Quellenforschung zum Geburtstag
Auf den runden Geburtstag haben sich die Mönche gründlich vorbereitet - mit einer sechswöchigen Sabbatzeit und Quellenforschung. Die Münsterschwarzacher Geschichte ist von einem Auf und Ab geprägt. Um 780 begann mönchisches Leben im fränkischen Weinland. Fastrada, die dritte Gattin Karls des Großen, gründete dort ein Frauenkloster. Als 877 die letzte karolingische Äbtissin starb, zogen Benediktiner von Megingaudshausen ein. Das Jubiläumsjahr bezieht sich auf die Stiftungsurkunde von 816 des Grafen Megingaud und seiner Gemahlin Imma, mit der die Gemeinschaft ins Leben gerufen wurde.
Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster fast ganz zerstört, doch es verschwand nie. Im 18. Jahrhundert dann errichtete der berühmte Baumeister Balthasar Neumann eine prachtvolle Barockbasilika - von der auch nichts mehr übrig ist. Im Zuge der Säkularisation von 1803 wurden die Mönche vertrieben, das Hab und Gut des Klosters bis auf wenige Ausnahmen zerstört oder verschleudert. Die Basilika diente nach einem Blitzeinschlag und Brand im Jahr 1810 als Steinbruch.
Erst 1913 konnte die Tradition wiederbelebt werden - mit einem erneuten Mönchsimport, diesmal aus dem oberbayerischen Sankt Ottilien. 1941 hoben die Nazis das Kloster wieder auf. 1945 kehrten die Benediktiner zurück. Heute leben dort noch mehr als 80 Brüder, etwa 30 weitere sind als Missionare in anderen Teilen der Welt.
Abt: "Es tröpfelt, aber es tröpfelt beständig"
Vier Novizen zählt die Gemeinschaft. Einige weitere junge Männer "kreisen um das Kloster herum", berichtet der Abt. "Es tröpfelt, aber es tröpfelt beständig." Zukunftsangst plagt Reepen nicht, wie er sagt, auch wenn der Konvent kleiner werde.
Wie es sich für eine benediktinische Niederlassung gehört, ist das Kloster ein mittelständisches Unternehmen mit rund 20 Betrieben wie Metzgerei, Bäckerei, Druckerei, Verlag, Landwirtschaft und Goldschmiede. Und es ist ein Öko-Vorzeigeobjekt. So haben die Mönche ihre Energieversorgung komplett auf regenerativ umgestellt, für mehr als 1.300 Menschen, die täglich auf dem Abteigelände leben, lernen und arbeiten. Auch bei Ernährung und Wasserverbrauch wollen die Ordensleute nachhaltiger werden.
"Be open! - Sei offen!" lautet das Motto des Jubiläumsjahres. Es sei ein "Zeichen der Zeit", das viele Menschen nach Münsterschwarzach kämen, teils ohne jede christliche Verankerung, erzählt Reepen. Suchende, die an den Gottesdiensten teilnähmen, aufständen und sich setzten, ohne die genaue Bedeutung der Gesten zu kennen. Europa sei Missionsgebiet. Speziell die jungen Menschen wolle man erreichen. Deshalb soll im klostereigenen Gymnasium auch das Schulkonzept weiterentwickelt werden.
Ein weiterer Punkt ist für den Abt die Flüchtlingsarbeit. Seit dem Winter 2014 wohnen Asylsuchende in einem Gebäude der Abtei. Dies sei ein "sehr großer Auftrag, sich da zu engagieren, Zeugnis zu geben für die Gastfreundschaft". Früher zogen die Missionsbenediktiner aus in jene Länder, aus denen nun die Menschen zu ihnen nach Münsterschwarzach kommen. Bedenken ihrer Mitmenschen sind den Brüdern nicht fremd. "Sobald aber Begegnung geschieht, fällt die Angst weg", sagt der Abt.