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Erzbistum startet Pilotprojekt mit Laien in Leitung

Nicht nur, dass die Zahl der Priester rückläufig ist. Es sei auch nicht jeder von ihnen in der Lage, eine pastorale Einheit zu leiten. Daher geht das Erzbistum München und Freising ab Herbst neue Wege.

Erzbistum München und Freising | München - 20.03.2017

Das Erzbistum München und Freising will neue Modelle der Leitung von Pfarrgemeinden erproben. Ab Herbst diesen Jahres sollen in den drei Seelsorgsregionen des Erzbistums erstmals Teams aus haupt- und ehrenamtlichen Laien dafür eingesetzt werden, kündigte Kardinal Reinhard Marx am Montag in München an. Als Grundlage dient das 2013 initiierte Projekt "Pastoral planen und gestalten". Damit solle auf den Rückgang an Priestern und pastoralen Mitarbeiter reagiert werden, aber auch darauf, dass nicht alle Priester in der Lage seien, pastorale Einheiten zu leiten. Marx ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Das Projekt findet auch bundesweit Beachtung, weil viele katholische Bistümer vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Wichtig ist dem Kardinal, dass die Weihbischöfe in den jeweiligen Regionen im Gespräch mit den Betroffenen auf der Ebene des Pfarrverbands einen passenden Ort auswählen. Danach solle ein entsprechendes Team zusammengestellt sowie Formen der Struktur und der Organisation besprochen werden. Die Projekte würden begleitet und die Arbeit immer wieder reflektiert. Marx sprach von einem "großen Umbruch, den wir in der Geschichte der Kirche erleben". Auch ein Bischof müsse immer wieder dazu lernen, räumte er in Bezug auf seine eigene Person ein. Als er vor acht Jahren ins Erzbistum gekommen war, hatte er ähnlich Leitungsmodelle noch abgelehnt.

Mehr "ressourcen-orientierte" Seelsorge

Die neuen Modelle basierten auf angestoßenen Entwicklungen, wie etwa dem von der Deutschen Bischofskonferenz 2015 vorlegten Papier "Gemeinsam Kirche sein". Zugleich erinnerte der Kardinal an das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965), das vom "Priestertum aller Gläubigen" spreche. In diesem Zusammenhang seien noch nicht alle Möglichkeiten durchdacht worden. Auch das Kirchenrecht biete für das jetzige Vorhaben durchaus Spielraum.

Nach den Worten von Marx gilt es, das Pilotprojekt als Chance zu verstehen, künftig eine mehr "ressourcen-orientierte" Seelsorge zu betreiben. Die Pfarreien sollten nicht dem nachtrauern, was früher gewesen, sondern gemeinsam mit den Gläubigen überlegen, was aus den vorhanden Begabungen und Talenten gestaltet werden könne. Dabei müsse auch auf das Zeitbudget der Laien eingegangen werden.

Nach Angaben des Leiters des Ressorts Personal, Klaus Peter Franzl, gibt es im Erzbistum derzeit 342 aktive Diözesanpriester, 165 Ordenspriester und weitere 63 Priester aus anderen Bistümern. Von den insgesamt 1.200 Stellen in der Seelsorge seien 90 Prozent besetzt. Davon entfielen gut die Hälfte auf Priester, dazu kämen Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten. (KNA)

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