Kasachische Bischöfe widersprechen Papst Franziskus

Die wiederverheirateten Geschiedenen beschäftigen die Kirche weiterhin: Kurz nachdem Franziskus die Einzelfall-Zulassung zur Kommunion zum päpstlichen Lehramt erklärte, widersprechen einige Bischöfe.

Wiederverheiratete | Rom/Astana - 02.01.2018

Drei katholische Bischöfe in Kasachstan haben der von Papst Franziskus befürworteten Einzelfall-Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion offen und scharf widersprochen. Die Regelung verursache eine "erhebliche und ständig wachsende Verwirrung unter den Gläubigen und dem Klerus" und verbreite die "'Geißel des Ehebruchs' sogar im Leben der Kirche", heißt es in der aktuellen Erklärung. Unterzeichnet ist sie von Astanas Erzbischof Tomash Peta, vom ehemaligen Erzbischof von Karaganda, Jan Pawel Lenga, sowie vom russlanddeutschen Weihbischof Athanasius Schneider, ebenfalls aus der Hauptstadt Astana.

Das fünfseitige Schreiben, das als Datum das "Fest der Heiligen Familie" am 31. Dezember trägt, wendet sich gegen die vom Papst bestätigten Regelungen der argentinischen Seelsorgeregion Buenos Aires, nach denen in Einzelfällen zivilrechtlich Wiederverheiratete nach eingehender seelsorglicher Prüfung die Sakramente empfangen können, auch wenn ihre frühere Ehe kirchenrechtlich weiter Bestand hat. Franziskus hatte die Orientierungshilfe der argentinischen Bischöfe zu seinem Schreiben "Amoris laetitia" vom September 2016 jüngst in das vatikanische Amtsblatt aufgenommen und damit zum Teil der päpstlichen Lehre erklärt.

Weihbischof Schneider begründete seine Initiative mit der von Franziskus geforderten Debattenkultur. "Es kann nicht sein, dass kein Priester und Bischof es wagt, eine vernünftige und begründete Meinung zu äußern", sagte Schneider auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Dienstag in Astana. Der Papst müsse "froh sein" über ein gemeinsames Ringen. In der Kirche sollte eine "Kultur der Freiheit" herrschen. Schneider, der traditionalistischen Kreisen nahesteht, verwies dafür auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965).

Kirche in Kasachstan

In Kasachstan bestehen vier katholische Kirchenbezirke mit insgesamt sieben Bischöfen - teils aktiv, teils emeritiert. Die drei Bistümer und eine Apostolische Administration zählen nach Vatikanangaben 106.100 Katholiken unter den knapp 17,1 Millionen Einwohnern des Landes. Rund 70 Prozent der Bevölkerung sind Muslime; von den rund 26 Prozent Christen sind die meisten russisch-orthodox. (luk/KNA)

In Kasachstan seien nach sieben Jahrzehnten Kommunismus Ehescheidungen eine verbreitete Realität, sagte der Bischof. Dennoch hätten Katholiken dort hinsichtlich der Sakramentendisziplin eine "total andere Mentalität". Wiederverheirateten Geschiedenen "würde nicht einfallen, die Kommunion zu verlangen", so Schneider.

"Kein anderer Weg als sexuelle Enthaltsamkeit"

Auf die Frage, ob er Katholiken in anderen Gesellschaften auch andere Lösungen zugestehen würde, sagte er weiter: "Wenn sie gegen das klare Gebot Gottes verstoßen, kann ihnen die Kommunion keine Hilfe sein." Das Evangelium sei "nun mal fordernd". Es gebe für wiederverheiratete Geschiedene "keinen anderen Weg" als sexuelle Enthaltsamkeit, wenn sie die Sakramente empfangen wollten.

Das Papier mit dem Titel "Bekenntnis zu den unveränderlichen Wahrheiten über die sakramentale Ehe" wurde laut Schneider über die Apostolische Nuntiatur auch dem Vatikan zugeleitet. Der amtierende Erzbischof von Karaganda, Adelio Dell'Oro, war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der emeritierte Erzbischof Lenga und sein damaliger Weihbischof Schneider waren 2011 von Papst Benedikt XVI. (2005-2013) von der Bistumsleitung in Karaganda entpflichtet worden. Lenga ging damals mit 60 Jahren in den Ruhestand, Schneider wurde als Weihbischof nach Astana versetzt. Zu der ungewöhnlichen Personalentscheidung sagte Schneider jetzt, die Gründe seien ihm nie genannt worden und "auch nicht so wichtig". (luk/KNA)

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