Bekannte Köpfe

Streng und asketisch leben und dabei den Intellekt für Gott zu schulen, das war das Hauptanliegen des heiligen Dominikus (1170- 1221). Die besten intellektuellen Köpfe der damaligen Zeit ließen sich durch den attraktiven neuen Orden anziehen.

Dominikaner | Bonn - 06.01.2015

Im Dezember 1963 gab es in den internationalen Hitparaden eine absolute Sensation. Nicht etwa die Beatles stürmten damals die Charts, sondern "The Singing Nun", eine Gitarre spielende belgische Dominikanernonne, die ein Lied über ihren Ordensgründer Dominikus Guzman (1170- 1221), sang. Das Lied ließ Dominikus als singenden einfachen Ordensbruder lebendig werden, der zu Fuß durch die Welt reist, um nur über seine Liebe zu Gott zu sprechen.

Tatsächlich lebte der Heilige in einer Zeit des religiösen und sozialen Umbruchs. Der katholische Glaube wurde damals durch eine mächtige Bewegung aus Südfrankreich bedroht und herausgefordert: Die Katharer (die Reinen) lebten in strengster Askese, predigten aber mit viel mehr Überzeugungskraft als die katholischen Geistlichen. Es fehlten Katholiken, die den Katharern in Lebensweise und intellektueller Auseinandersetzung die Stirn bieten konnten.

"Statt aufzustehen und deren Herberge zu fliehen, wie es sich für einen rechten Katholiken gehört, setzt sich Dominikus mit den Ketzern zum Gespräch zusammen", schreibt der ehemalige Dominikaner Hans Conrad Zander über den Heiligen.

Das Prinzip des Dominikus war dabei so einfach wie genial: Genauso streng wie diese Gruppe leben, sich intellektuell gut zu schulen und Argumente gegen sie zu sammeln. Und Dominikus wurde gehört, die Menschen wandten sich von den Katharern ab und folgten ihm. Mit der erfolgreichen Auseinandersetzung qualifizierte sich Dominikus für höhere Aufgaben.

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Ein Video-Porträt des Gründers des Predigerordens der Dominikaner.
 steyl medien e.V.

Er gründete einen eigenen Orden, der 1216 von Papst Honorius III. bestätigt wurde. Später wurden die Dominikaner mit der päpstlichen Inquisition beauftragt. Bis heute wird der Orden mit dieser unheiligen Institution in Verbindung gebracht, die zunächst aber nur ein Prozessverfahren darstellte, das Gerechtigkeit für Angeklagte wollte, um sie der Willkür anderer Entscheidungsträger zu entziehen.

Moderne Satzung und einflussreiche Ordensmänner

Die besten intellektuellen Köpfe der damaligen Zeit ließen sich durch den attraktiven neuen Orden anziehen: Der heilige Thomas von Aquin (1225-1274) trat 1244 in den Orden ein und wurde unter anderem vom heiligen Albertus Magnus (1200 – 1280) in Köln derart gut geschult, dass er zu einem der einflussreichsten Theologen der Geschichte wurde und bis heute nachwirkt.

Fortschrittlich und modern ist die Satzung und Ausrichtung des Ordens der "Predigerbrüder", wie sie sich seit 1217 nannten, bis heute. Fast schon demokratisch mutet seine Verfassung an. Es gibt ein Mitspracherecht der Brüder auf allen Ebenen. Wichtige Entscheidungen werden von der gesamten Gemeinschaft oder ihrer jeweiligen Delegierten im Konvents-, Provinz- oder Generalkapitel getroffen. Auch die Nutzung von sozialen Kommunikationsmitteln für die Verkündigung des Wortes Gottes ist seit den Anfängen grundgelegt und bleibt in Zeiten von Social Media höchst aktuell.

Dominikaner sind auch heute noch in den besten Gesellschaftkreisen einflussreich geblieben: Pater Basilius Streithofen war enger Berater Helmut Kohls und galt als politischer Beichtvater der Unionsfraktion. Der Philosoph und Logiker Joseph Bochenski beschäftige sich im Auftrag der Bundesregierung mit dem dialektischen Materialismus. Auch Christoph Kardinal Schönborn ist Dominikaner und war vor seiner Bischofsernennung Professor in Fribourg.

Die Dominikanerinnen

Heute gibt neben den weltweit 6.000 Ordensbrüdern auch über 30.000 apostolisch-karitativ tätige Schwestern. Noch bevor die Männer als eigenständiger Orden anerkannt wurden, hatte Dominikus 1205 ein Frauenkloster gegründet, das junge Mädchen im Glauben erziehen sollte. Bis heute widmen sich die Frauen vor allem der Erziehung. Die Dominikanerinnen von Bethanien ermöglichen etwa in ihren Kinderdörfern, Kindern und Jugendlichen, die nicht mehr mit ihren leiblichen Eltern zusammenleben können, ein geschütztes Ambiente.

Eine der bekanntesten Dominikanerinnen und jahrelang Sprecherin des Wortes zum Sonntag ist Schwester Jordana Schmidt, die in ihrer Haupttätigkeit Erziehungsleiterin im Bethanien Kinder- und Jugenddorf Schwalmtal-Waldniel ist. Ein anderes bekanntes Dominikanerinnenkloster ist das sogenannte „Wellnesskloster“ in Koblenz-Arenberg, in dem die Gesundheitslehre von Pfarrer Sebastian Kneipp zeitgemäß interpretiert wird und neben Wasser-, Heilkräuter- und Bewegungstherapie auch ein ausgewogenen Ernährungs- und Lebensordnungskonzept individuell erstellt wird.

Etwa 2.000 Schwestern weltweit leben in einem rein kontemplativen Zweig des Ordens und widmen sich dort vorwiegend dem Gebet. Missionsdominikanerinnen wurden und werden vor allem von Deutschland aus nach Afrika gesandt. Dort hat der Schwesternorden auch den meisten Ordensnachwuchs. Sie sind in Schulen, in der Krankenpflege, im sozial-caritativen Bereich und in der Pastoral tätig.

Dominikaner in Deutschland

Dominikanerinnen in Deutschland

Von Markus Schüppen

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