Auch die Bibel kennt Muße

Mach mal Pause, immer wieder sonntags

Veröffentlicht am 27.02.2023 um 00:01 Uhr – Von Schwester Maria Gabriela Zinkl – Lesedauer: 
Spiritea

Jerusalem ‐ Zeit für Pausen, für Muße haben wir viel zu selten, schreibt Schwester Gabriela Zinkl. Dabei ist das so wichtig und sollte auch über das "nicht arbeiten" hinaus gehen – und auch die Bibel hat einiges zu Pausen zu sagen.

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Sich in Ruhe zurücklehnen auf dem Stuhl und ganz gemütlich eine Tasse Tee genießen. Sich zwischendrin im Park auf eine Bank oder ins Grüne setzen und die Lieblingsmusik hören. Mal wieder ganz ausschlafen, sich gemütlich im Bett räkeln, ganz ohne Wecker. Einfach mal raus aus dem Hamsterrad, einen Tag lang ohne Termindruck, ohne dringende Verpflichtungen, stattdessen feines Essen, entspanntes Ausruhen und Zeit für die liebsten Menschen um sich herum haben. Für viele Menschen auf der Welt ist das der reinste Luxus. Denn wir haben ja keine Zeit, schon gar nicht zum Ausruhen und Pause machen. Zeit zur Muße, Zeit zum Nichtstun, das ist der reine Luxus für viele Menschen auf der Welt. Denn egal, ob man in Gelsenkirchen, Honolulu oder Buenos Aires wohnt: Zeit ist überall kostbar und freie Zeit noch viel mehr. Hinzu kommt, dass frei verfügbare Zeit und die Möglichkeit einmal nichts zu tun, eine ganz individuelle Sache und doch auch von vielen externen Einflüssen fremd bestimmt ist. Viele sagen, sie würden ja gerne mehr ausruhen, weniger arbeiten, ausschlafen, aber der Arbeitgeber, die Verpflichtungen, die Zwänge. Außerdem braucht jeder und jede unterschiedlich lange Ruhepausen. Wenn man lange keine Pause oder Auszeit gemacht hat, ist man das auch erst einmal gar nicht mehr gewöhnt.

Trotzdem ist vollkommen klar: Wir brauchen Pausen, wir brauchen die Unterbrechung in unserem Alltag zwischendrin. Denn schon unser Organismus drängt uns dazu, regelmäßig zu schlafen. Nach einer aktiven Arbeitsphase und erst recht im Futterkoma schreit unser Körper förmlich nach Schlaf. Mit Wachmachern wie Kaffee, Cola, Tabletten oder Energydrinks lässt sich die Müdigkeit nur kurzfristig ausschalten, irgendwann fallen uns dann doch die Augen zu und wir müssen uns ausruhen und hinlegen. Daran sieht man ganz gut, dass Ausruhen mehr ist als "nicht arbeiten". Es bedeutet, den Körper und den Geist zur Ruhe kommen zu lassen.

Ausruhen am siebten Tag

Und das ist eine Idee, die schon die Bibel kennt. Die Idee des Sabbats oder Sonntags, also des Ausruhens am siebten Tag stammt aus der Schöpfungsgeschichte am Beginn des Alten Testaments. Gott hat nach sechs Tagen sehr sehr harter Arbeit – man stelle sich vor, man müsste in einer Woche unsere ganze Welt erschaffen! – am siebten Tag ausgeruht. Und Gott wollte, dass wir es ihm nachmachen, so berichten es die Verfasser des Schöpfungsberichts. Diese Ruhepause am siebten Tag ist aus Sicht der Bibel aber nicht dazu gedacht, stundenlang im Internet zu surfen, endlich mal die liegengebliebene Hausarbeit zu erledigen oder den Tag mit irre vielen Freizeitterminen vollzustopfen, sodass man gar nicht richtig zur Besinnung kommt. Pause machen, ob kurz oder einen Tag lang, passt vielen nicht in den Kram. Kein Wunder, den Höchstleistung und Effektivität diktieren unseren Terminkalender. Viel beschäftigte Menschen, die viel leisten, sind hoch angesehen, Faulenzer dagegen nicht. Vielleicht liegen die Zunahme von Stress- und Überlastungssyndromen wie Burnout genau bei diesem Problem: dass man das Ausruhen, die Ruhepausen nicht mehr zulässt und auf die lange Bank schiebt. Beim wem ist schon eine Pause, der Sonntag oder ein anderer freier Tag wirklich frei von zeitraubenden Verpflichtungen? Wir finden es ganz normal, dass wir auch unsere "freie Zeit" zukleistern mit wichtigen Erledigungen, stattdass wir eine Pause machen, nicht nur mal eine viertel oder halbe Stunde, sondern einen ganzen Tag lang.

Bild: ©Fotolia.com/Berchtesgaden (Symbolbild)

Der Friedensgruß ist Bestandteil der Messe.

Mach mal Pause! So sagt es uns schon die Bibel. Die Siebentagewoche mündet in den Ruhetag. Im Judentum ist der Sabbat bis heute ein wesentlich Gebot und wird stark gepflegt und eingehalten, in Israel ist das sehr eindrücklich und bringt viele Besucher zum Staunen und Nachdenken. Ein freier Tag kommt nicht nur dem gestressten Körper zugute, sondern wirkt sich auch positiv und produktiv auf unsere soziales Miteinander aus: Man hat füreinander Zeit, man besucht sich gegenseitig, es entsteht lockere Atmosphäre. So wird der Sabbat oder Sonntag, frei von Verpflichtungen und verkaufsoffenen Geschäften zum wirklichen Genusstag. Und den brauchen wir, lebensnotwendig, denn so sind wir von Natur aus angelegt.

Achte auf den Sabbat: Halte ihn heilig, wie es dir der Herr, dein Gott, zur Pflicht gemacht hat. Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin, dein Rind, dein Esel und dein ganzes Vieh und der Fremde, der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat. Dein Sklave und deine Sklavin sollen sich ausruhen wie du.  (Deuteronomium 5,12-14)

"Alle Jubeljahre wieder"

Doch nicht nur das: die Bibel kennt neben dem Sabbat oder Sonntag auch noch das Sabbatjahr alle sieben Jahre (!) oder das "Jubeljahr" nach sieben mal sieben Sabbatjahren, also "alle Jubeljahre wieder". Diese Ruhepausen sind vor allem auch für die Natur gedacht. Damit intensiv genutzte Anbauflächen sich erholen und neue Energie für zukünftiges Wachstum auftanken können.

Ob kurzes Ausruhen, Sonntagsruhe, Sabbatical oder Ruhejahr – das Alte Testament weist ganz deutlich darauf hin, dass Mensch wie Natur eine Pause brauchen! Diese biblische Vorschrift oder Empfehlung ist also wie eine Pausen- oder Reset-Taste. Mittendrin einfach mal aufhören, Stopp sagen und drücken, innehalten. Das kann anfangen mit fünf Minuten Entspannungsübungen im Büro, kurz ans Fenster gehen, die Gedanken schweifen lassen oder noch besser: die Augen schließen und damit visuelle Reize für das Gehirn für kurze Zeit ausblenden. Danach geht es wieder weiter mit neuer Power. Es wäre so einfach und es liegt nur an uns: Jede Pause, jeder Sonntag, jedes Sabbatical ist en Schatz für unser Leben, genauso wie für unsere Beziehung zu Gott. Lieber Mensch, mach mal Pause!

Von Schwester Maria Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Maria Gabriela Zinkl SMCB ist Borromäerin im Deutschen Hospiz St. Charles in Jerusalem und arbeitet als Dozentin für Kirchenrecht und als Pädagogin. Für "Spiritea" schreibt sie regelmäßig Texte über  Themen rund um Spiritualität und Glaubensalltag.

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