Auch außerhalb katholischer Kreise

Kardinal überrascht von Begeisterung für Papstbesuch

Jean-Marc Aveline
Bild: KNA/CNS photo/Lola Gomez

Der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline, zeigt sich überrascht von der Begeisterung für den anstehenden Papstbesuch auch außerhalb katholischer Kreise. "Ich war angenehm überrascht", sagte der Erzbischof von Marseille in einem Interview mit der Zeitung "La Croix" (Dienstag). "Dieser Besuch Leos XIV. in Paris, Saint-Denis, Lourdes und Metz wird ein bedeutender Moment sein, an den man sich erinnern wird". Es gehe dabei nicht nur um die Worte des Pontifex, sondern um all das, was durch dieses Ereignis erfahrbar werde. "Es ist eine Gnade für unser Land, für unsere Kirche", so der Kardinal.

Der Papst wird vom 25. bis 28. September Frankreich besuchen. Die Bischöfe des Landes rechnen mit insgesamt mehr als einer Million Menschen. Der Besuch mit Stationen in Paris, Saint-Denis, Lourdes und Metz steht unter dem Leitwort "Damit die Welt Leben hat". Aveline erinnerte zudem an den Besuch des ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel bei der Vollversammlung der französischen Bischöfe im November 2025 in Lourdes. Dort habe Bartholomäus erklärt, die Welt durchlebe eine spirituelle Krise mit vielfältigen Folgen. Auch Leo XIV. komme in seiner Enzyklika "Magnifica Humanitas" zu einer "nahezu identischen Analyse" und spreche von einer Krise, die sowohl spiritueller als auch kultureller Natur sei, so Aveline. Für ihn sei der Papstbesuch deshalb ein "spirituelles Heilmittel" gegen diese Krise, die nicht nur die Gläubigen betreffe.

Faszinierender Gegensatz

Angesprochen auf das Phänomen der Erwachsenentaufen, erklärte der Kardinal, dies hänge zweifellos mit der Diskrepanz zu einem bestimmten Frankreichbild zusammen: "dem eines stark säkularisierten Landes, geprägt vom Säkularismus, in dem viele kirchliche Strukturen dem Verschwinden geweiht schienen". Faszinierend sei der Gegensatz zwischen zwei Entwicklungen: Einerseits nehme die Zahl der Sakramentenspendungen ab und Ordensgemeinschaften kämpften ums Überleben, andererseits fänden Menschen heute auf unkonventionellen Wegen zu Christus – auf Wegen, "die wir, die Kirche, nicht geebnet haben".

Vom Papst erwartet der Kardinal, dass er mit der Soziallehre der Kirche ein "wertvolles Gut" mitbringe, das klare Grundsätze zu sozialen und politischen Fragen darlege. "Ihre Hauptprinzipien sind die Würde des Menschen und die Einheit der Menschheitsfamilie. Wir können erwarten, dass der Papst diese beiden Punkte ansprechen wird."

Angesichts der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich sieht Aveline in der Papst-Enzyklika "Magnifica Humanitas" ein weiteres zentrales Thema: den Dialog. Wörtlich: "Damit ist unsere Fähigkeit gemeint, Ideen auszutauschen, indem wir uns mit unterschiedlichen Meinungen auseinandersetzen, ihnen zuhören und Nuancen entwickeln, ohne sofort in Polarisierung und Ausgrenzung zu verfallen. Wenn die Auseinandersetzung mit Ideen im Rahmen eines konstruktiven Dialogs stattfindet, kann sie allen ein persönliches Wachstum ermöglichen. Der Papst betont, dass dies sowohl für die Beziehungen zwischen Einzelpersonen als auch zwischen Staaten gilt." (mtr)