Zum Abschluss seiner viertägigen Frankreich-Reise hat Papst Leo XIV. am Montag im Metzer Stephansdom eine Messe für Gerechtigkeit und Frieden gefeiert. Als er im offenen Papamobil zur Kathedrale fuhr, jubelten ihm 35.000 Menschen an den Straßenrändern zu. An dem Gottesdienst nahm auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teil, wie das Präsidialamt am Morgen überraschend angekündigt hatte. In Paris war Macron wegen der seit 1905 geltenden Trennung von Staat und Kirche nicht bei den Messen des Papstes dabei gewesen.
In Lothringen und im Elsass gilt die strikte Laizität jedoch nicht, weil diese Landesteile 1905 noch nicht zu Frankreich gehörten. Neben Katholiken aus ganz Lothringen und dem Elsass waren auch zahlreiche Menschen aus den benachbarten Bistümern Luxemburg und Trier angereist, um den Papst zu sehen. Ihre jeweiligen Bischöfe, Kardinal Jean-Claude Hollerich und Stephan Ackermann, nahmen an der Messe teil.
"Die Kette des Grolls durchbrechen"
In seiner Predigt sagte Leo XIV.: "Metz und das Département Mosel bezeugen der ganzen Welt, dass Versöhnung nur möglich ist, wenn man den Mut hat, die Kette des Grolls zu durchbrechen." Es erfordere Stärke und viel Ausgeglichenheit, sich nicht vom Bösen überwältigen zu lassen, insbesondere wenn die erlittenen Wunden tief sind.
Gesetz, Gerechtigkeit und Frieden seien Etappen eines Weges der Bekehrung, der von einem persönlichen immer mehr zu einem gemeinschaftlichen Weg werde, mit dem Ziel einer Zivilisation, die den Menschen und seinen Schöpfer achte, sagte Leo XIV. in der Grenzregion zu Luxemburg und Deutschland. Auf diesen Werten sei das Europa, wie wir es kennen, aufgebaut worden, "noch vor seinem wirtschaftlichen und politischen Erbe". Die Ortskirche, die wegen ihres besonderen Status das Erbe eines "fruchtbaren Dialogs" zwischen Zivilgesellschaft und Glauben bewahre, trage die Verantwortung, ein "lebendiges Laboratorium" der Treue zu den christlichen Grundwerten Europas zu sein.
Ein Haus aus Licht und Farben
Als Sinnbild nannte er die Kathedrale selbst. Wegen ihrer rund 6.500 Quadratmeter großen Buntglasfenster wird sie "Laterne des lieben Gottes" genannt. Zu den historischen Fenstern kamen im 20. Jahrhundert Werke des jüdischen Malers Marc Chagall hinzu. Sie machten die Kathedrale zu einem "außergewöhnlichen Symbol der Ökumene und des interreligiösen Dialogs", so der Papst.
Das zeige, dass Gottes Licht die Besonderheiten nicht auslösche, sondern unterschiedliche Geschichten und Kulturen zu einem Mosaik des Friedens verbinde. So liege auch Europas Zukunft nicht in der Vereinheitlichung, sondern in der "Harmonie der Unterschiede". Gerade in einer Zeit neuer Spaltungen und Konflikte sei ein solcher Friede dringend nötig, sagte der Papst. Metz solle daher ein "Leuchtfeuer der Hoffnung" für Frankreich, Europa und die Welt sein.
Nach der Abschlussmesse drückte Leo XIV. allen Beteiligten seine "tiefe Dankbarkeit" für ihr Engagement aus. "Ich danke dem Herrn Präsidenten der Republik sowie den verschiedenen zivilen Behörden, die für den Empfang in Paris, in Lourdes und hier in Metz gesorgt haben", sagte der Papst im Metzer Stephansdom. "Mit herzlicher Zuneigung" dankte er auch dem Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline, sowie den "besonders engagierten" Bischöfen, den Priestern, Ordensleuten, Laien und ehrenamtlichen Helfern. "Liebe Freunde, lasst uns weiter gemeinsam gehen, vereint in der Heiligen Mutter Kirche, zur Ehre Gottes und im Dienst seines Reiches der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens", schloss Leo XIV. (stz/KNA)
28.9., 18:08 Uhr: ergänzt um Abschlussstatement des Papstes.