Papst Leo XIV. soll um Aussetzung der Todesstrafe für die in den USA verurteilte Mörderin Christa Pike gebeten haben. Sein Gesuch, das der Vatikan deutlich vor der gescheiterten Hinrichtung gestellt habe, sei jedoch ohne Reaktion geblieben, wie die italienische Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag berichtete.
Der Heilige Stuhl lehnt die Todesstrafe grundsätzlich ab. Dazu änderte Papst Franziskus (2013–2025) im Jahr 2018 den Katechismus der Katholischen Kirche. Daher gab es schon früher in ähnlichen Fällen Gesuche, Hinrichtungen nicht zu vollstrecken. Sie blieben häufig ohne direkte Reaktion oder wurden nicht öffentlich bekannt.
Die Initiative des ersten in den USA geborenen Papstes gewinne jedoch angesichts des dramatischen Verlaufs im Todestrakt von Tennessee deutlich mehr Gewicht, so die Zeitung. Der tragische Verlauf habe der Problematik neue Dringlichkeit verliehen und die Unmenschlichkeit der Todesstrafe vor Augen geführt. Auch nach der am Donnerstag gescheiterten Hinrichtung hat das Gnadengesuch des Papstes weiterhin Geltung. Leo XIV., im Jahr 1955 als Robert Francis Prevost in Chicago geboren, ist der erste Papst US-amerikanischer Herkunft.
Gründe für Todesstrafe "nicht existent"
Der 1992 erschienene Katechismus, Handbuch der katholischen Kirche zur Unterweisung in den Grundfragen des christlichen Glaubens, war bereits vor dem "Reskript" von 2018 mit Blick auf den Abschnitt zur Todesstrafe geändert worden. In der Enzyklika "Evangelium vitae" von 1995 hatte Johannes Paul II. (1978–2005) die Fälle absoluter Notwendigkeit der Todesstrafe als "praktisch nicht existent" bezeichnet.
Seither setzt sich der Heilige Stuhl dafür ein, Hinrichtungen zu stoppen, unter anderem durch diskrete Gnadengesuche für bekannte Fälle wie die der beiden verurteilten Mörder Joseph O'Dell (1997) und Karla Faye Tucker (1998), aber auch für viele weniger bekannte Fälle. Dem Vatikan gehe es dabei nicht um juristische Details der jeweiligen Fälle, sondern um die "Heiligkeit" des menschlichen Lebens. Selbst bei Mördern könne Gerechtigkeit auch auf andere Weise geübt werden. (KNA)