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Debatte um Zukunft des Pontifikats

Nach der Krebs-OP: Der Nachfolger des Petrus ist zurück an Bord

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Papst Leo XIV.
Rom - Seit knapp zwei Wochen richten sich sorgenvolle Blicke auf den Vatikan, wo Leo XIV. die Diagnose Lungenkrebs erhielt. Nach der OP scheint er sich rasch zu erholen, dennoch fragt man sich, wie er in Zukunft seine Aufgabe als Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken ausüben wird.

"Wunderbar" nannte es Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dass Leo XIV. seine bevorstehende Lungen-Operation beim Mittagsgebet am 11. Oktober so überaus transparent angekündigt habe. "So gibt es keinen Raum für Hintergedanken oder Spekulationen", so der Chefdiplomat des Papstes. Damit sollte er sich irren. Und daran hatte sogar Parolin selbst einen gewissen Anteil.

Wenn Päpste krank werden, steigt der Erregungspegel im und um den Vatikan spürbar. Und wenn die Diagnose Lungenkrebs lautet, schießen Emotionen und Spekulationen ins Kraut. Für manche – im und um den Vatikan herum – zudem eine Gelegenheit, um Gerüchte und Einschätzungen über angeblich bevorstehende Personalien zu streuen.

Das illustrierten die Tage seit Leos Hiobsbotschaft vom 11. Oktober bis zu seiner Klinik-Entlassung nur sechs Tage später. Nachdem die Ärzte am Mittwochabend Entwarnung gaben – der Papst sei krebsfrei und brauche keine weitere Therapie – sollte sich die Lage beruhigen. Eine sich anschließende Strahlen- oder Chemotherapie hätten das weitere Pontifikat erheblich beeinträchtigt.

Zäsur im Pontifikat

Dennoch: Leos Erkrankung bedeutet eine Zäsur in seinem Pontifikat. Der sportlich-agile Papst selbst geht wohl nicht davon aus, er könne ausfallen. Er habe ihm kein Rücktrittsschreiben hinterlegt, berichtete Parolin auf Journalistenfragen am Rande einer Tagung. Papst Franziskus hatte schon kurz nach seiner Wahl ein solches Schreiben Parolins Vorgänger Tarcisio Bertone überlassen, damit – sollte etwa der Papst im Koma liegen – die Leitung der Kirche nicht blockiert ist.

Danach sieht es jedoch derzeit nicht aus. Zugleich musste Parolin eine Aussage zurechtrücken, die für gewisses Aufsehen gesorgt hatte: Kurz nach Leos Tumor-OP hatte er Journalisten gesagt, der Papst werde nun möglicherweise sein "Pontifikat neu ausrichten" müssen. Tatsächlich bezog er sich auf mögliche Anpassungen im Programm der großen Südamerikareise vom 6. bis 17. November nach Uruguay, Argentinien und Peru.

Dass Leo XIV. die Reise auf seinen geliebten Kontinent antreten will, ist hinlänglich bekannt. Die Rückkehr des Robert Francis Prevost in seine einstige Bischofsstadt Chiclayo in Peru garantiert herzerwärmende Szenen. Entsprechend groß ist das journalistische Interesse an der Reise – offenbar so groß, dass rund 50 Bewerbungen von internationalen Medien abgelehnt wurden, darunter auch von bedeutenden Sendern. Dagegen stehen ungewöhnlich viele kleinere südamerikanische Medien auf der Liste, die Ende vergangener Woche im vatikanischen Pressesaal ausgehängt wurde; ein gutes Vorzeichen dafür, dass seine sechste große Reise im Amt stattfinden wird.

Andererseits wurden Papstreisen schon im letzten Moment abgesagt: So wurde Franziskus' Besuch in der Demokratischen Republik Kongo und im Südsudan aufgrund seiner Knieprobleme vom Sommer 2022 auf Februar 2023 verschoben – mit demselben Programm.

Noch stehen alle Termine in Südamerika

Bisher stehen im Anmeldesystem des Vatikans für die Südamerika-Reise weiterhin alle 55 Termine mit 30 Ansprachen in zwölf Reisetagen mit vielen Transfers per Flugzeug und Hubschrauber weiter. Auch die Andenstadt Cusco auf über 3.400 Metern Höhe, wo auch für völlig gesunde Menschen die Luft dünner und das Atmen schwerer wird, will der Rekonvaleszent offenbar besuchen.

Genauso treibt Leo XIV. seine apostolische Mission als Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken und als Botschafter des Weltfriedens voran. Noch im Krankenhaus telefonierte er mit Russlands Präsident Wladimir Putin und forderte einen humanitären Waffenstillstand für die besetzte südukrainische Grenzstadt Oleschky. Der Anstoß für das diplomatisch diffizile Telefonat sei von Leo selbst gekommen, betonte Parolin. Zurück im Vatikan, sprach Leo am Montagabend telefonisch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum selben Thema.

Ob seine Initiative die verhärteten Fronten aufweichen wird, bleibt abzuwarten. Angeblich gibt es Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau über letzte Details einer Evakuierung aus Oleschky. Die Botschaft der anhaltenden Aktivitäten des Papstes: Bei seiner Mission für den Frieden kann er keine Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten nehmen, und sei es eine Krebs-Operation.

Trotz seiner offenkundig guten Genesung, die der sichtlich fitte Papst bei der Generalaudienz am Mittwoch zeigte, stellt sich die Frage, ob das Oberhaupt der Katholiken die von ihm beworbene Synodalität auch auf sein eigenes Amt anwenden könnte. Davon wird schon länger gesprochen, spätestens seit Franziskus vor fast genau fünf Jahren die Weltsynode zur Synodalität startete, um eine bessere Teilhabe aller in der Kirche zu ermöglichen.

Kein Stellvertreter für den Stellvertreter Christi

Leo selbst nahm als Kardinal an den Sitzungen im Vatikan teil. Auch als Papst demonstriert er, dass er hinter dem Ansinnen steht und auch konkrete Schritte folgen lassen will. Seine Krankheit hätte eine Gelegenheit geboten, damit Ernst zu machen.

Zwar überließ er es dem neu ernannten Dekan des Kardinalskollegiums, Luis Antonio Tagle, am vergangenen Mittwoch (14. Oktober) die Abschlussmesse zum Bischofstreffen zehn Jahre nach dem Dokument "Amoris laetitia" von Papst Franziskus zu leiten. Doch durfte der philippinische Kardinal nur die vom Papst vorbereitete Predigt verlesen.

Und in einer am Abend veröffentlichten Botschaft zu dem Treffen betonte Leo XIV., er werde sich selbst zu gegebener Zeit zu den Ergebnissen äußern. Die Absicht, größere Aufträge zu delegieren, zeigt der seit eineinhalb Jahren amtierende Papst damit nicht. Derzeit scheint weiter zu gelten: Der Stellvertreter Christi auf Erden hat keinen Stellvertreter. Ob allerdings Initiativen im Hintergrund laufen, päpstliche Aufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen, ist nicht öffentlich wahrnehmbar.

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