Orden schließt aktive Sterbehilfe nicht mehr aus

In Belgien ist die Hilfe zur Selbsttötung erlaubt. Selbst katholische Einrichtungen dürfen ihren Patienten diese nicht verweigern. Das hat nun Konsequenzen für eine Einrichtung der Barmherzigen Brüder.

Sterbehilfe | Brüssel - 27.04.2017

Der Orden "Broeders van Liefde" (Barmherzige Brüder) in Belgien schließt aktive Sterbehilfe in seinen psychiatrischen Zentren nicht mehr grundsätzlich aus. "Wir nehmen das unerträgliche und aussichtslose Leiden und die Bitte um aktive Sterbehilfe von Patienten ernst", heißt es in einer auf der Internetseite veröffentlichten Erklärung des Ordens, der sich besonders in der Pflege von psychisch Kranken engagiert. Zugleich, so die Brüder, wolle man das Leben schützen. Aktive Sterbehilfe dürfe nur durchgeführt werden, wenn keine anderen Behandlungen mehr eine Perspektive bieten würden.

Generalsuperior Rene Stockman, der an der Spitze des in 31 Ländern tätigen Ordens steht, habe sich enttäuscht gezeigt, berichtete die flämischen Zeitung "De Morgen". "Ich bin zuversichtlich, dass wir das Recht haben, aktive Sterbehilfe zu verweigern", sagte Stockman. Die Tür für die aktive Sterbehilfe werde einen Spalt geöffnet und das sei "bedauerlich". Er fügte hinzu: "Wir können nicht akzeptieren, dass aktive Sterbehilfe in den Mauern unserer Institution durchgeführt wird." Stockman kündigte an, mit Mitgliedern des Ordens im Vatikan und den belgischen Bischöfen über mögliche Konsequenzen zu beraten.

Die Kongregation betreibt in Belgien mehrere Schulen, psychische Kliniken und Pflegeheime. Die Gemeinschaft wurde 1807 von einem Priester in Gent gegründet. In Belgien ist aktive Sterbehilfe unter bestimmten Umständen kein Straftatbestand. Auch Patienten mit "unerträglichen" psychischen Leiden können Sterbehilfe beantragen. Seit Februar 2014 gibt Belgien zudem als erstes Land weltweit für aktive Sterbehilfe keine Altersgrenze mehr vor. Auch unheilbar kranke Kinder können unter bestimmten Umständen aktive Sterbehilfe erhalten.

Der belgische Orden "Broeders van Liefde" ist nicht identisch mit den in Deutschland vertretenen Kongregationen der Barmherzigen Brüder. Letztere hatten sich vor zwei Jahren anlässlich der Debatten im Deutschen Bundestag um einen Gesetzentwurf zur Suizidbeihilfe gegen jegliche Form von Sterbehilfe ausgesprochen. Gemeinsam mit anderen in der Krankenpflege tätigen Orden veröffentlichten sie eine Erklärung mit dem Titel "An der Seite des Lebens".

Der Hospitalorden des heiligen Johannes von Gott (Barmherzige Brüder) in Österreich distanzierte sich klar von jeglicher Form der Sterbehilfe. "Wir wollen mit aktiver Sterbehilfe nicht in Verbindung gebracht werden", sagte der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der österreichischen Ordensprovinz des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott, Bernard Zahrl, der Katholischen Nachrichten-Agentur am Freitag in Wien. Laut Zahrl ist der Orden in über 50 Ländern weltweit aktiv. (rom/KNA)

28.04.2017, 9.15 Uhr: ergänzt um Informationen zu den in Deutschland tätigen Kongregationen der Barmherzigen Brüder. /rom

28.04.2017, 11.30 Uhr: ergänzt um Aussagen des Hospitalordens des heiligen Johannes von Gott in Österreich. /rom

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