Botschaft des Papstes zum bevorstehenden Weltjugendtag

Franziskus: Kirche ist kein "Flashmob"

Veröffentlicht am 21.03.2017 um 15:00 Uhr – Lesedauer: 
Weltjugendtag

Vatikanstadt ‐ Der diesjährige Weltjugendtag wird dezentral in den einzelnen Bistümern gefeiert. Der Papst hat dennoch eine Botschaft für alle Jugendlichen. Es geht um Geschichtsbewusstsein und Zukunftsperspektiven.

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Papst Franziskus hat Jugendliche in einer Videobotschaft zur Gestaltung der Zukunft aufgerufen. Auch als junge Menschen könnten sie "Großes vollbringen" und Verantwortung übernehmen, wenn sie sich auf das Handeln Gottes in ihrem Leben einließen, sagte er laut dem am Dienstag vom Vatikan verbreiteten Text. Anlass der Botschaft ist der nächste Weltjugendtag, der am 9. April dezentral in den katholischen Bistümern begangen wird.

"Viele sagen, dass ihr jungen Menschen gedankenlos und oberflächlich seid. Dem stimme ich überhaupt nicht zu!", so der 80-Jährige weiter. Es sei aber nötig, die Fähigkeit zu Reflexion und Gestaltung der eigenen Zukunft wiederzuentdecken. Statt sich von "mehr oder weniger realen" Darstellungen in Social Media und TV-Shows irreleiten zu lassen, sollten Jugendliche die Hauptdarsteller ihrer eigenen Geschichte werden.

Franziskus mahnt zu Geschichtsbewusstsein

Franziskus ermutigte die Jugendlichen, sich nicht in einem Gefühl von Schwäche oder Versagen zu verschließen. Gott schaue auf die Möglichkeiten jedes einzelnen. "Jesus ruft euch, eure Spur im Leben zu hinterlassen, eine Spur, die die Geschichte kennzeichnet", sagte der Papst.

Zugleich mahnte er zu Geschichtsbewusstsein. "Jugendlicher zu sein bedeutet nicht, keine Verbindung zur Vergangenheit zu haben", so Franziskus. Auch Kirche sei kein "Flashmob", sondern trage eine lange Tradition in sich, die durch die Erfahrung eines jeden bereichert werde. "Auch eure Geschichte findet ihren Platz innerhalb der Geschichte der Kirche", betonte der Papst. Der Tradition ihren "gebührenden Wert" beizumessen, heiße nicht, Traditionalist zu sein.

Papst Franziskus im Papamobil
Bild: ©katholisch.de

Papst Franziskus beim Weltjugendtag 2016 in Krakau.

Eingehend wandte sich der Papst an Jugendliche, die vom Leben verwundet seien und sich am liebsten von ihrer Vergangenheit lösen wollten. Es gebe "keinen Heiligen ohne Vergangenheit und keinen Sünder ohne Zukunft", sagte er. "Die Perle entsteht aus einer Verletzung der Auster." Es sei "eine beschwerliche, aber notwendige Aufgabe, den Roten Faden der Liebe Gottes zu entdecken", so Franziskus.

Eine Gesellschaft, die nur die Gegenwart gelten lasse, neige zu Geringschätzung des Ererbten, "wie zum Beispiel die Einrichtung der Ehe, des geweihten Lebens und des Priesterberufs". Junge Menschen sollten sich darin "nicht täuschen" lassen. Eine glückliche Zukunft sei nur möglich, "wenn man die Liebe authentisch lebt", so der Papst.

Achtung vor älteren Generationen

Weiter warb er für Achtung vor älteren Generationen. Die Jungen strebten richtigerweise danach, flügge zu werden, und trügen "große Träume im Herzen". Doch sie bedürften auch "der Weisheit und der Weitsicht der älteren Menschen", so Franziskus. "Ihr jungen Menschen habt die Kraft - die alten haben das Gedächtnis und die Weisheit."

Die für Oktober 2018 geplante Bischofssynode zum Thema Jugend im Vatikan werde sich damit befassen, "wie ihr jungen Menschen die Erfahrung des Glaubens inmitten der Herausforderungen unserer Zeit lebt", kündigte der Papst an. Dabei gehe es auch um die Berufung zur Ehe, die Berufung im weltlichen und beruflichen Bereich oder zum geweihten Leben und zum Priestertum. Die Synode und der nächste zentrale Weltjugendtag in Panama 2019 sollten "gut miteinander abgestimmt" sein, so Franziskus. (KNA)

Linktipp: Die Papst-Botschaft in voller Länge

Unter dem Titel "Der Mächtige hat Großes an mir getan" (Lk 1,49) hat Papst Franziskus seine Botschaft zum 32. Weltjugendtag veröffentlicht. Der Tag wird 2017 dezentral in den jeweiligen Ortskirchen begangen.