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Katholikentag endet mit Schlussgottesdienst und Reformappellen

Aktualisiert am 29.05.2022  –  Lesedauer: 

Stuttgart ‐ Rund 27.000 Menschen besuchten seit Mittwoch den Stuttgarter Katholikentag, der nun mit einem festlichen Gottesdienst zu Ende ging. Neben Glaubensformaten und Konzerten prägten zahlreiche Diskussionsveranstaltungen das Christentreffen: Selbstkritische Töne und Reformappelle waren der Tenor.

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Mit einem feierlichen Gottesdeinst und Rufen nach Reformen ist am Sonntag der 102. Deutsche Katholikentag in Stuttgart zu Ende gegangen. Dabei ging es nicht nur um eine Erneuerung der Kirche in der Krise. Auch die Form des Treffens selbst steht auf dem Prüfstand. Mit rund 27.000 war die Zahl der Teilnehmenden deutlich geringer als früher. 2018 in Münster etwa waren es über 70.000. Gastgeberstadt des nächsten Katholikentags 2024 ist Erfurt.

Im Schlussgottesdienst auf dem Schlossplatz mit rund 6.000 Mitfeiernden nannte Irme Stetter-Karp, die Präsidentin des veranstaltenden Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), drei Botschaften, die von Stuttgart ausgehen sollten: Neben der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine forderte sie mehr Einsatz für Entwicklung, weltweiten Klimaschutz und die Bewältigung der Corona-Folgen.

Aufruf zu mehr Miteinander in der Kirchenkrise

Zweitens brauche die Gesellschaft im Inneren "neues Engagement für Demokratie und Gemeinsinn" und müsse Verschwörungsmythen und Rechtsextremismus entschiedener bekämpfen. Stetter-Karps dritte Botschaft ging an die Kirche: "Verändere dich und werde wesentlich!" Zu lange habe man Reformen verweigert, etwa durch massiven Machtmissbrauch: "Das muss aufhören!" Das Reformprojekt Synodaler Weg müsse spürbare Veränderungen bringen.

In einem Predigtgespräch hatten zuvor der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmöller zu mehr Miteinander statt Gegeneinander in der Kirchenkrise aufgerufen. Es sei wichtig, "dass wir in aller Unterschiedlichkeit erleben können, wie wir einander bereichern". Auf keinen Fall dürfe eine Gruppe der anderen absprechen, "richtig" von Gott reden.

Mit Blick auf die im Gottesdienst vorgelesenen Texte aus der Bibel und deren teilweise judenfeindliche Auslegung sagte Bätzing: "Hier tragen wir Christen eine schwere Bürde. Was das Christentum über die Jahrhunderte durch Abwertung und Verleumdung an Schuld auf sich geladen hat, ist schier unermesslich." Daher setze sich die Kirche heute "mit allen Kräften gegen jede Art von Antisemitismus ein".

Personen tragen beim 102. Deutschen Katholikentag ein großes rotes Tuch
Bild: ©epd/Jens Schulze

"leben teilen": Beim Abschlussgottesdienst des Stuttgarter Katholikentags trugen Gruppen Teile eines von Kinder gestalteten, 80 Meter langen Martinsmantels nach Hause – hier die Direktorin des Katholischen Bibelwerks, Katrin Brockmöller (l.), ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp und der Präsident des kommenden Evangelischen Kirchentags, Thomas de Maizière.

In rund 1.500 Veranstaltungen hatten sich die 20.000 Dauer- und 7.000 Tagesgäste seit Mittwoch etwa mit Fragen des Glaubens, der Bioethik und des Kampfs gegen Missbrauch beschäftigt. Ein weiteres Schwerpunktthema des Katholikentages war die Auseinandersetzung mit dem Ukraine-Krieg und seinen Folgen; der Präsident der katholischen Friedensbewegung Pax Christi, Bischof Peter Kohlgraf, machte sich für eine Neuausrichtung der christlichen Friedensethik stark. Neben den Diskussionsveranstaltungen waren die Tage durch Gottesdienste, Bibelarbeiten, Konzerte, Ausstellungen und die Aktionsstände zahlreicher kirchlicher Verbände  und Gemeinschaften geprägt. Zum abschließenden Abend der Begegnung am Samstag kamen nach Angaben der Veranstalter rund 20.000 Besucherinnen und Besucher, bei der anschließenden Nacht der Lichter feierten 2.500 mit.

Stetter-Karp kündigte an, man denke mit Blick auf den nächsten Katholikentag 2024 in Erfurt über neue Formate nach. Möglich sei "ein größerer Umbau auf allen Ebenen". Angesichts der gesunkenen Teilnehmerzahl regten auch mehrere Bischöfe Änderungen an. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA), die Zahlen machten ihn "nachdenklich". Er zeigte sich offen für mehr gemeinsame Events von evangelischer und katholischer Kirche. Wichtig sei auch, wieder mehr junge Menschen anzusprechen, die "stärker in digitalen Formaten" unterwegs seien.

Einladung zu Kirchentreffen in Nürnberg und Erfurt

Für eine Zusammenlegung von Katholiken- und Kirchentagen sprachen sich Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Präsidentin des Bundesgerichtshofs (BGH), Bettina Limperg, aus. Limperg war die evangelische Präsidentin des dritten Ökumenischen Kirchentags 2021 in Frankfurt.

Gemeinsam mit einer Theologiestudentin lud Erfurts Bischof Ulrich Neymeyr zum nächsten Katholikentag nach Erfurt ein. Gegenüber der KNA sagte er, der Katholikentag 2024 müsse "schmaler werden, damit er besser wird". Im kommenden Jahr steht der Evangelische Kirchentag in Nürnberg auf dem Programm. In seiner Einladung wies er Kirchentagspräsident und frühere Bundesminister Thomas de Maizière darauf hin, dass sich das Motto des anstehenden evangelischen Kirchentreffens "Jetzt ist die Zeit" mit dem des zu Ende gehenden Katholikentags "leben teilen" gut zu einer ökumenischen Einheit verbinde. (mfi/KNA)